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Schnupfen ist kein bayerischer Wirtshausspaß, sondern ein uralter Brauch – gilt doch Schnupftabak als das älteste Tabakkonsumgut der Welt.

Vom Schmai, Snuff und vom Schnupfen

Es beginnt mit einer kleinen Prise, nicht größer als ein Stecknadelkopf. Snuff – so nennt sich der englische Schnupftabak, der deutsche heißt Schmai oder Schmalzler – wird von der Dose vorsichtig auf den Handrücken geklopft.

Idealerweise ist er ein wenig feucht. Wenn er einmal nicht so leicht aus der Dose bröselt, genügt ein kurzes Aufklopfen, um ihn wieder zu lockern. Dann wird geschnupft. „Als ob du sachte an einer Blume oder am Bouquet eines exquisiten Weines riechen würdest“, sagen die Profis. Den Rat gilt es zu beachten, denn wer zu fest schnupft, dem kann der Tabak bis in den Rachen rutschen. Also vorsichtig schnupfen, damit der Schnupftabak nur die untere Nasenhälfte erreicht.

Das Nikotin entfaltet seine Wirkung über die Nasenschleimhaut. Trotz des für Anfänger befremdlichen Gefühls, sich eine Prise zu ziehen, stellt sich Sekunden später eine anregende Wirkung im Kopf ein, die sich bis zum unerträglichen Kitzeln steigert. Nach einer Prise Snuff zu niesen, ist keineswegs verboten, sondern eher unumgänglich. Am Ende muss der Tabak natürlich auch wieder raus. Und das ist das Unangenehme am Schnupftabak, weshalb „Schneitzhodern“ in ausreichender Zahl immer parat sein sollten.

Das weiß auch Hans Betz, der Schnupferkönig von Beilngries. Beim Wettbewerb „Königsschnupfen“, den der 1. Schnupfclub von Beilngries alljährlich veranstaltet, hatte der mehrfache Titelträger auch letztes Jahr die Nase vorn: 3,45 Gramm Schmai innerhalb von einer Minute in die Nase gestopft und damit die 19 Konkurrenten auf die hinteren Ränge verwiesen.

Schnupfen ist übrigens kein bayerischer Wirtshausspaß, sondern ein uralter Brauch – gilt doch Schnupftabak als das älteste Tabakkonsumgut der Welt und war in Asien oder Amerika lange vor Europa beheimatet. Aus chinesischen Schriften ist bekannt, dass bereits ab der Ming-Dynastie (1368-1644) der Tabak als Schnupfmittel verwendet wurde. Kolumbus bemerkte auf seiner zweiten Reise (1494-1496) nach den neuen Ländern schnupfende Indianer, so berichtet es zumindest der Mönch Romano Pane.

Durch die heimkehrenden Seeleute und Entdecker wurde nicht nur der Tabak zum Rauchen sondern auch der Tabak zum Schnupfen in Europa populär. Am spanischen und am französischen Hof wurde das Schnupfen von den Edelleuten mit großer Hingabe gepflegt. Der englische König Charles II., der einige Zeit im französischen Asyl verbrachte, führte diese Form des Tabakgenusses bei seiner Rückkehr in England ein, wo das Tabakschnupfen bald am Hofe und bei den Leuten von Stand beliebter wurde als das Rauchen aus Pfeifen. Königin Charlotte, verheiratet mit Georg III, wurde wegen ihrer exzessiven Vorliebe für den Schnupftabak „Snuffy Charlotte“ genannt. Lord Admiral Nelson, der berühmteste aller englischen Seehelden, war ebenso ein begeisterter Schnupfer wie sein großer Widersacher Napoleon der, so einigen Berichten zufolge, 7 Pfund dieses Pulvers pro Monat verbraucht haben soll. Katharina von Medici war ebenfalls dem Schnupftabak zugetan. Aus diesem Grunde wurde in Frankreich der Schnupftabak auch „poudre de la reine“, Pulver der Königin genannt.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war das erfrischende Pulver sogar weiter verbreitet als das Rauchen und auch in Bayern machten die Kaufleute mit den dürren Blättern gute Geschäfte auf den Jahrmärkten, denn der größte Teil der Schnupfer rieb sich seinen Tabak selbst. Angeblich war der „Mühlschuster Toni“ aus Markt Klößarn der letzte gelernte Tabak-Reiber. Viele Stunden verbrachte er auf der Sitzbank, zwischen seinen Knien den „Reibscherben“ (Mörser) eingeklemmt. Darin befand sich die in Stücke geschnittene Brasiltabaksrolle, die mit einem von der Decke hängenden Knüppel gemahlen wurde. Nach dem Reiben wurde das Ergebnis durch ein feines Sieb geschüttelt, mit Schmalz angemacht und weiteren Zutaten aromatisiert. So wird es heute noch hergestellt, allerdings maschinell, denn mit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert schossen Schnupftabakfabriken wie Pilze aus dem Boden und allein in Augsburg wurden von 1912-1921 fast zwei Millionen Kilogramm Schnupftabak hergestellt.

Die Hochburg dieser Genussmittelherstellung war jedoch Landshut, die „Stadt des Schnupftabaks“ mit insgesamt 20 Schnupftabaksfabriken. Nur eine davon hat überlebt, ist dafür heute der weltgrößte Hersteller von Schnupftabak: Alois Pöschl. Aus dieser Fabrik stammt weltweit jede zweite Dose. Verwendet werden kräftige Tabaksorten wie Mangotes, ein starker Brasiltabak, der kräftig gesoßt zu Strängen gewickelt und in Rinderhäute verpackt, verschifft wird. Oder der Kentucky Tabak aus den USA, ebenfalls ein beliebter und gut geeigneter Tabak für die Schnupftabakherstellung. Bei der Herstellung von Snuff wird der getrocknete und fermentierte Tabak nach Sorten getrennt, in großen Trommeln in mehreren Arbeitsgängen zermahlen und zu Pulver zerrieben. Dieses Pulver darf eine Zeit lang ruhen, damit es eine Phase der Nachfermentation durchläuft. Dann erfolgt der letzte Arbeitsgang: das Mischen der verschiedenen Pulversorten – in einer Schnupftabakmischung können bis zu 20 Tabaksorten enthalten sein. Nach speziellen Rezepturen werden der Mischung weitere Extrakte zur Erhaltung der Feuchtigkeit und verschiedener Aromen beigefügt, wie beispielsweise Pfefferminzöl, Eukalyptusöl, Menthol und Fruchtauszüge. Bei einem original „Schmalzler“ darf natürlich das Schmalz, also das Schweinefett nicht fehlen, daher ja auch der Name.

Und so könnte es sein, dass aufgrund des Rauchverbots auf der Wiesn öfter mal ein „Hatschi - Gesundheit“ zu hören sein wird als ein Prosit!

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