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Wer es allein nicht aus der Schuldenfalle schafft, findet Hilfe bei einer Schuldnerberatung. Foto: Rolf Vennenbernd

Schuldenfallen umgehen - Tipps für Verbraucher

Düsseldorf (dpa/tmn) - Seinen Dispokredit hat fast jeder schon einmal beansprucht. Etwas auf Pump zu kaufen, muss auch kein Tabu sein, solange die Schulden nicht überhand nehmen. Doch fast jeder zehnte Verbraucher in Deutschland ist überschuldet - Tendenz steigend.

Die Wirtschaftsauskunftei Creditreform hat ihren neuen "Schuldneratlas 2014" in Düsseldorf vorgestellt. Im Vergleich zum Vorjahr sei die Zahl der von Überschuldung betroffenen Menschen im Alter von über 18 Jahren um 90 000 auf 6,7 Millionen nochmals gestiegen, heißt es in der Analyse. Während die durchschnittliche Verschuldung um 400 Euro auf 32 600 Euro zurückgegangen sei, habe sich das gesamte Schuldenvolumen aus Konsumentenkrediten um eine Milliarde Euro auf 218 Milliarden Euro weiter erhöht.

Die sogenannte Schuldnerquote in Deutschland habe von 9,81 Prozent auf 9,90 Prozent weiter zugelegt. Damit sei nahezu jeder Zehnte überschuldet und habe mit "nachhaltigen Zahlungsstörungen" zu kämpfen.

Die Schuldnerquote in Deutschland erreicht inzwischen den höchsten Stand seit Beginn der Finanz- und Wirtschaftskrise 2007/2008, wie die Creditreform-Experten feststellen. Besonders deutlich zugenommen habe dabei die Zahl der besonders schweren Fälle.

Angesichts der sich wieder eintrübenden Konjunkturlage und weiterer globaler Risiken sei derzeit eine Entspannung der Überschuldungslage der deutschen Verbraucher in weite Ferne gerückt, hieß es. Die Creditreform-Experten sehen eine "Erosion der Sparkultur" und einen zunehmenden Bedeutungsverlust der Altersvorsorge. Damit steige das Überschuldungsrisiko vieler Verbraucher deutlich, warnen sie.

Stattdessen hätten viele Verbraucher den vergleichsweise positiven Wirtschaftsverlauf der vergangenen Jahre genutzt, um vorhandene Anschaffungswünsche zu verwirklichen oder entgangenen Konsum nachzuholen.

2013 hatten die deutschen Verbraucher mit knapp 1,6 Billionen Euro so viel konsumiert wie noch nie, wie aus der Studie hervorgeht. Damit sei der oft kreditfinanzierte private Konsum zu einer wichtigen Stütze der Binnenkonjunktur geworden. "Viele haben sich zu viel zugemutet", sagte Creditreform-Sprecher Michael Bretz.

Und die Überschuldung verhärte sich, der Trend dazu sei bedenklich stabil. Mindestens eine Million Menschen sei von dem Phänomen der im familiären Umfeld verankerten Verschuldung betroffen. "Offensichtlich bleiben immer mehr Menschen auch generationsübergreifend im Griff der Überschuldung oder lernen nie, sich daraus zu befreien", hieß es.

Sinnvoll könne in solchen Fällen etwa der Einsatz von ehrenamtlichen Familienpaten sein, um Kindern aus überschuldeten Haushalten eine Hilfestellung zum Aufbau eines eigenen selbstverantwortlichen Lebens zu geben.

Doch auch Erwachsene benötigen Unterstützung - etwa durch eine Schuldnerberatung. Denn den Verführungen aus dem Weg zu gehen, ist nicht einfach: Für den neuen Fernseher gibt es eine Null-Prozent-Finanzierung, die aktuellen Automodelle werden mit Rabatt angeboten, und die Raten für die neue Küche sind gering. So geraten viele schnell in eine Schuldenfalle. "Wenn Sie erkranken oder plötzlich ihren Arbeitsplatz verlieren, können solche Zahlungsverpflichtungen zu einem Problem werden", sagt Birgit Höltgen von der Schuldnerberatung der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Denn dann sammeln sich schnell die Schulden an.

Haushaltsbuch führen: Wer merkt, dass das Konto längere Zeit im Minus ist, sollte sich einen Überblick über seine Einnahmen und Ausgaben verschaffen. "Schreiben Sie alles konsequent auf", rät Höltgen. Auch Jahreszahlungen zum Beispiel für Versicherungen sollten nicht vergessen werden. "Wenn Sie das ein paar Monate gemacht haben, erkennen Sie meist schnell, wo Sie sparen können."

Prioritäten setzen: Häufen sich die Forderungen, sollten Verbraucher eine Rangfolge für ihre Zahlungen festlegen. "Wichtig ist es zum Beispiel, die Miete und die Stromrechnung immer pünktlich zu bezahlen", sagt Höltgen. "Denn sonst droht die Kündigung oder eine Stromsperre." Mit anderen Gläubigern sollten Verbraucher das Gespräch suchen. "Oft können Sie die Höhe der Raten verändern oder sogar Aufschub bekommen."

Hilfe suchen: Wer es selber nicht mehr schafft, wieder schwarze Zahlen zu schreiben, darf den Kopf nicht in den Sand stecken. "Suchen Sie sich Hilfe", mahnt Höltgen. "Viele tun das erst sehr spät." Dann könne es aber schwieriger sein, eine Lösung zu erarbeiten.

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