+
Frauen können sich Eizellen in flüssigem Stickstoff einfrieren lassen. Damit können sie den Kinderwunsch aufschieben. Foto: Daniel Karmann

Social Freezing: Wichtige Punkte zu tiefgekühlten Eizellen

Berlin (dpa) - Erst Karriere, dann Kinder? Immer mehr Frauen lassen Eizellen in flüssigem Stickstoff konservieren, weil die Zeit für eine Familie noch nicht reif scheint.

Dass Embryonen und befruchtete Eizellen für Fortpflanzungszwecke eingefroren werden, ist nicht neu. Doch erst seit wenigen Jahren ermöglichen neue Techniken, dass sich auch sehr empfindliche unbefruchtete Eizellen nach dem Auftauen entwickeln können. Vor allem in den USA spielen soziale Gründe für den Wunsch nach einer späten Schwangerschaft eine immer größere Rolle.

Was ist der Ursprung des Verfahrens?

Eigentlich ging es bei dem in der Fachsprache "Kryokonservierung" genannten Verfahren darum, unbefruchtete Eizellen einzufrieren und einer anderen Frau zur Verfügung zu stellen. Da solche Eizellspenden hierzulande verboten sind, müssen Frauen, die mit eigenen Eizellen nicht schwanger werden, ins Ausland reisen. In anderen Fällen ist die Fruchtbarkeit der Frau durch eine Krebserkrankung und die erforderliche Behandlung bedroht. Die Technik soll ihr helfen, nach der Genesung noch eigene Kinder zu bekommen - trotz Bestrahlung oder Chemotherapie.

Immer mehr Frauen geben nicht-medizinische Gründe an - warum?

Seit Jahren werden Mütter im Durchschnitt immer älter. Etwa ein Viertel der Frauen ist bei der Geburt eines Kindes mittlerweile über 35. Vor allem hochgebildete Frauen gebären spät oder bleiben kinderlos. Die Fruchtbarkeit einer Frau nimmt jedoch spätestens nach dem 40. Lebensjahr rapide ab. Social Freezing soll dabei helfen, die Chance auf eine Schwangerschaft zu bewahren, wenn der Zeitpunkt in jüngeren Jahren unpassend erscheint - etwa weil der passende Partner fehlt oder um berufliche Nachteile zu vermeiden.

Wer kommt für die Kosten auf?

Gesetzliche Krankenkassen unterscheiden medizinische und soziale Gründe: Bleibt ein Ehepaar ungewollt kinderlos, werden die Kosten von mehreren Tausend Euro zumindest teilweise übernommen. Spielen soziale Gründe eine Rolle, sind die Kosten aus eigener Tasche zu tragen. Die rechtlichen Grundlagen dafür regelt das Sozialgesetzbuch.

Wie ist die aktuelle Lage in Deutschland?

Social Freezing spielt auch hierzulande eine immer größere Rolle. Ein 2006 gegründetes Netzwerk von Kinderwunschzentren will Beratung und Behandlungsmöglichkeiten verbessern. Die Experten von "Fertiprotekt" schätzen, dass 2013 mehr als 1000 Frauen Eizellen einfrieren ließen - drei Viertel von ihnen hatten medizinische Gründe. In diesem Jahr wird die Zahl der Fälle mit sozialem Hintergrund den Schätzungen zufolge auf 500 bis 1000 steigen.

Gibt es Unterschiede zu den USA?

In den USA ist das Bild eher umgekehrt: Mit 64 Prozent spielen soziale Gründe die Hauptrolle beim Einfrieren von Eizellen. Den allermeisten Frauen fehlt der Partner, berufliche und finanzielle Gründe spielen Studien zufolge bisher eine geringere Rolle.

Wie sind die Erfolgsaussichten einer solchen Behandlung?

Grundsätzlich gilt: Je jünger die Frau, desto größer sind die Aussichten auf Erfolg. Bei Frauen über 35 seien die Quoten zu gering, "um die Kältekonservierung als Instrument der Familienplanung einzusetzen", heißt es bei der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe. Frauen mit dem Wunsch nach Social Freezing sind aber im Durchschnitt schon 38. In solchen Fällen überstehe das Auftauen nur noch jede dritte Eizelle unbeschadet, warnen die Fachleute. Jenseits der 40 drohten Kind und Mutter erhebliche Gesundheitsgefahren.

DGGG

Kinderwunschzentrum Ulm

pro familia

Kinderwunschzentrum München

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Meteorologe warnt: Nun droht uns ein gewaltiger Pollensturm
Durch den plötzlichen Temperaturanstieg schwirren mehr Birkenpollen denn je durch die Luft. Wie lange Sie die Pollenexplosion aushalten müssen, lesen Sie hier.
Meteorologe warnt: Nun droht uns ein gewaltiger Pollensturm
Trick für die Grillparty: So lässig haben Sie noch nie ein Bier geöffnet
Janna Schleicher wird gefeiert und ausnahmsweise mal nicht wegen ihrer Schönheit oder wegen einer dreisten Aktion, sondern aus dem einzig wahren Grund: Bier.
Trick für die Grillparty: So lässig haben Sie noch nie ein Bier geöffnet
So vertreiben Sie Wespen ganz einfach
Lästige Wespen können den Nachmittag auf dem Balkon oder den Grillabend schnell vermiesen. Doch dabei hilft ein einfacher Trick, um die Biester abzuwehren.
So vertreiben Sie Wespen ganz einfach
Mann entdeckt Ekliges am Fingernagel - dann zeigt sich, was es ist
Einem Mann fällt an seinem Mittelfingernagel ein merkwürdiger Auswuchs auf. Als ihn Ärzte untersuchen, zeigt sich: was er da am Finger hat, kommt extrem selten vor.
Mann entdeckt Ekliges am Fingernagel - dann zeigt sich, was es ist

Kommentare