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Wenn die Zinsen steigen, können sich Sparer und Anleger meist über ein kleines Plus freuen. Kreditnehmer sollten sich für diesen Fall jedoch frühzeitig rüsten. Foto: Christin Klose

Von Kosten und Risiken

Steigende Zinsen: Tipps für Sparer und Kreditnehmer

Wann die Zinsen steigen, können Experten nur mutmaßen. Leichter ist es für sie, die Folgen einzuschätzen. Während Sparer und Anleger mit flexiblen Laufzeiten von einem Plus profitieren können, gilt für Kreditnehmer: Sie sollten sich schon einmal für diesen Fall wappnen.

Berlin (dpa/tmn) - Sparer, Anleger und Kreditnehmer - alle blicken auf die Europäische Zentralbank (EZB): Wird sie in nächster Zeit die Leitzinsen erhöhen oder nicht? "Für 2017 ist eher nicht damit zu rechnen", erwartet Max Herbst von der FMH Finanzberatung in Frankfurt/Main.

Ähnlich sieht es Tanja Beller vom Bundesverband deutscher Banken in Berlin. Neben der Geldpolitik der EZB haben aber auch weitere Faktoren wie die Entwicklung der Inflationsrate in der EU Einfluss auf den Geldmarkt. Deshalb sagt Annabel Oelmann, Vorstand der Verbraucherzentrale Bremen: "Ob, wie viel und wann die Zinsen steigen, kann letztendlich niemand vorhersagen."

Einen kleinen Hoffnungsschimmer gibt es schon jetzt für Sparer. "Experten rechnen damit, dass das Zinsniveau für Spareinlagen mit mehrjährigen Laufzeiten im Jahresverlauf tendenziell etwas steigen wird", sagt Beller. Spareinlagen für kürzere Laufzeiten, etwa Tages- oder Monatsgeld, richten sich hingegen sehr stark nach den Leitzinsen der EZB. Dennoch lohnt sich ein Vergleich. Denn: "Letztlich liegt die Entscheidung über die Zinsgestaltung, wie auch die der sonstigen Konditionen, bei jedem einzelnen Kreditinstitut", erklärt Beller. Dies ist Teil der individuellen Geschäftspolitik.

Generell sollten Sparer ihr Vermögen auf Produkte mit verschiedenen Laufzeiten aufteilen, rät Oelmann. Gerade in Niedrigzins-Zeiten sollten sie ihr Geld nicht zu lange binden - ansonsten können sie nicht schnell reagieren, wenn die Zinsen wieder steigen sollten.

Wer beim Sparen zu 100 Prozent auf Sicherheit setzt, wird derzeit bestimmt nicht reich. Im Gegenteil: Sparer müssen mit einem realen Verlust rechnen. Da der Zinssatz von 0,05 Prozent unter der Inflationsrate liegt, verlieren Sparer faktisch damit heute schon Geld. Wollen Anleger ihre Rendite steigern, müssen sie risikofreudiger anlegen - beispielsweise in Aktien. Um die Gefahr von möglichen Verlusten zu minimieren, sollten Anleger das Risiko breit streuen. "Eine gute Wahl sind hier Fonds, die auf ertragsstarke Unternehmen aus verschiedenen Branchen und Regionen setzen", erklärt Beller. Doch Aktienfonds sind immer eine langfristige Anlage. "Über einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten kann dann auch mal eine Phase mit niedrigen Zinsen verkraftet werden", sagt Herbst.

Indexfonds bilden Börsenindizes nach - beispielsweise den DAX-Index oder den europäischen Leitindex EuroStoxx. Sogenannte Exchange-traded funds (ETFs) sind besonders kostengünstig. Denn im Gegensatz zu aktiv gemanagten Fonds fallen hier meist keine Ausgabeaufschläge und weniger Verwaltungskosten an. "Daher bleibt bei gleicher Bruttorendite für den Sparer mehr übrig", erklärt Oelmann.

Sollten die Zinsen steigen, müssen künftige Kreditnehmer mit höheren Kosten rechnen. "Es ist ratsam, sich den aktuell noch sehr günstigen Zins mit einem Festzinskredit zu sichern", erklärt Beller. Unter Umständen kann sich laut Beller auch eine Umschuldung lohnen: Wenn der aktuelle Zinssatz bei vergleichbarer Laufzeit unter dem vereinbarten Kreditzins liegt und der Kreditnehmer den Vertrag ohne Zusatzkosten kündigen kann. Allerdings ist eine vorzeitige Kündigung bei Immobilienkrediten meist nur unter Voraussetzungen möglich - meist gegen Zahlung einer Vorfälligkeitsentschädigung.

Läuft ein Immobiliendarlehen aus, sollten Verbraucher bei der Suche nach einer Anschlussfinanzierung mögliche Zinssteigerungen einplanen. "Braucht ein Verbraucher in den kommenden zwei Jahren eine Anschlussfinanzierung, sollte er schon jetzt nach günstigen Angeboten Ausschau halten", empfiehlt Oelmann. Denn: Wer sich die derzeit niedrigen Zinsen lange sichert, kann seine Schulden schneller tilgen.

"Möglich ist dies über ein Forward-Darlehen", erläutert Herbst. Allerdings müssen Verbraucher dann mit einem Preisaufschlag rechnen - die Höhe fällt je nach Zinserwartung der Banken und Sparkassen unterschiedlich aus. Es lohnt sich also Angebote zu vergleichen. "Ob sich am Ende die Kosten für das Forward-Darlehen gegen die Kosten eines eventuell steigenden Zinssatzes gerechnet haben, können Verbraucher erst im Nachhinein beurteilen", sagt Oelmann.

Von zeitlich gestaffelten Krediten rät Oelmann derzeit ab. "Reine Abschnittsfinanzierungen machen Sinn, wenn ein sinkendes Zinsniveau erwartet wird", erläutert sie. Angesichts des aktuell niedrigen Zinsniveaus und in Erwartung steigender Zinsen sei es sinnvoller, sich die günstigen Zinsen so lange wie möglich zu sichern.

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