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Spielerisch „das Leben lernen“: Vorschulkinder der Kita „Parkstadt Schwabing“ schlüpfen dafür in viele Rollen.

„Stopp – und nicht weiter!“

München - In einem Selbstbehauptungskurs lernen Vorschulkinder ihre Grenzen kennen – und laut und deutlich „Nein“ zu sagen.

Welches Spiel er am liebsten mag? Kevin (Name geändert) überlegt – und überlegt. Auf seiner Stirn bildet sich eine kleine Falte. Immer wieder beißt er auf der Unterlippe herum. Es vergeht mehr als eine halbe Minute, dann antwortet er ganz leise: „Das Spiel vom kleinen und großen Nein.“ Kevin wird bald sechs, kurz nach Weihnachten hat er Geburtstag. „Nächstes Jahr komme ich in die erste Klasse“, erzählt er und zupft an seinen schwarzen Haaren. Schule klingt cooler als Kindergarten – und Kevin klingt stolz. Doch bis dahin muss er noch ein bisschen besser werden bei dem Spiel vom kleinen und großen Nein.

Denn im Prinzip geht es hier nicht um ein Spiel. „Es geht um Selbstbehauptung. Es geht Kursleidarum, laut und deutlich Nein zu sagen, wenn ich mich in einer Situation nicht wohlfühle“, erklärt Jutta Baumann-Walz. Sie leitet den Selbstbehauptungskurs für 22 Vorschulkinder der Kindertagesstätte „Parkstadt Schwabing“ des Kinderschutz e.V. „Wenn Kinder in die Schule kommen, wenn sie ihren geschützten Raum im Kindergarten verlassen, müssen sie lernen, die eigenen Grenzen zu erkennen und diese Grenzen zu verteidigen: ,Stopp – und nicht weiter.’“ Persönlichkeitsentwicklung nennen es Experten. Baumann- Walz weiß, wie schnell sich die Kleinen einschüchtern lassen, an sich zweifeln. Vor allem dann, wenn sie aus „eher schwierigen Familienverhältnissen“ kommen. Und in der Kita „Parkstadt Schwabing“ kommen einige aus „eher schwierigen Verhältnissen“.

Auch Kevin hat es nicht einfach zu Hause: drei ältere Geschwister, eine Mutter ohne Ausbildung, einen Vater ohne Job. Hartz-IV-Familie nennt man das. Den Selbstbehauptungskurs (sechsmal 60 Minuten) könnten sich die Eltern nicht leisten. Doch Kevin kann trotzdem mitmachen, weil der Kurs für alle 22 Teilnehmer durch Spenden finanziert wird. „Projekte wie diese können nur durch Spenden verwirklicht werden“, sagt Kita-Leiterin Felicitas Wiemer. „Sie helfen allen Kindern zu einem guten Start in die Schulwelt.“

Kevin sitzt derweil auf einer Bank in der Turnhalle und spielt das kleine Nein. Kursleiterin Baumann-Walz beginnt zu erzählen: „Ein kleines Nein sitzt auf der Bank. Es kommt ein Mädchen vorbei und fragt: ,Darf ich Deine Schokolade essen?’ Das kleine Nein sagt leise ,Nein’. Das Mädchen reißt ihm die Schokolade aus der Hand. Das kleine Nein wird sauer. Es steht auf und sagt laut ,Nein! Gib’mir meine Schokolade zurück! Das Mädchen schaut das kleine ,Nein’ an – es ist jetzt ein großes Nein. Und dann gibt es ihm die Schokolade zurück.“ Diesmal hat Kevin seine Schokolade „zurückerobert“. bn

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