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Beim Überqueren der Straße müssen Kinder abschätzen, ob eine Lücke zwischen zwei Autos groß genug ist. Das ist für sie eine schwere Aufgabe. Foto: Patrick Pleul/dpa

Loslaufen oder nicht?

Straßen zu queren fällt Kindern lange schwer

Erst links gucken, dann rechts und noch mal links. Das bekommen Kinder gesagt, wenn sie lernen, eine Straße zu überqueren. Warum ihnen das trotzdem schwerer fällt als Erwachsenen, erklärt eine neue Studie.

Iowa City (dpa) - Kinder haben noch bis etwa zum Teenageralter Schwierigkeiten, vielbefahrene Straßen sicher zu überqueren. Sie können zum einen die Größe von Lücken zwischen zwei Autos schwer einschätzen.

Zudem kommen sie oft nicht schnell genug vom Bürgersteig los, wenn sich eine Möglichkeit zum Überqueren bietet. Das berichten US-Forscher im "Journal of Experimental Psychology: Human Perception and Performance".

Jodie Plumert und ihre Mitarbeiter von der University of Iowa hatten Kinder im Alter von 6, 8, 10, 12 und 14 Jahren in einer virtuellen 3D-Umgebung eine Straße überqueren lassen. Die Kinder hatten es somit nicht mit echten Autos zu tun, sondern sahen diese nur in einem Film auf sich zukommen - allerdings sehr realitätsgetreu.

"Viele der Kinder streckten ihre Hand aus und versuchten die Autos zu berühren", erzählt Mitautorin Elizabeth O'Neal. Die Autos fuhren mit einer Geschwindigkeit von etwa 40 Stundenkilometern. Zwischen einem Fahrzeug und dem nächsten lagen zeitliche Lücken von zwei bis fünf Sekunden. Als Kontrollgruppe dienten Erwachsene.

Die sechsjährigen Kinder wurden in acht Prozent der Überquerungsversuche von einem Auto angefahren, ergab die Untersuchung. Mit zunehmenden Alter wurden die Kinder immer sicherer im Straßenverkehr: Bei den Achtjährigen gab es nur noch in sechs Prozent aller Versuche einen Zusammenstoß, bei den Zehnjährigen in fünf Prozent und bei den Zwölfjährigen nur noch in zwei Prozent. Die 14-Jährigen sowie die Erwachsenen hatten keine Unfälle.

Zwei Dinge machten den Kindern beim Überqueren das Leben schwer, erläutern die Wissenschaftler: Sie müssen abschätzen, ob eine Lücke zwischen zwei Autos groß genug ist, um auf die andere Seite zu kommen und dabei die Geschwindigkeit der Fahrzeuge berücksichtigen. Vor allem kleinere Kinder hatten dabei Schwierigkeiten, fanden die Forscher.

Die zweite Herausforderung für die Kinder ist, die Straße rechtzeitig zu betreten, wenn sich eine Lücke bietet. "Die meisten Kinder wählten gleichgroße Lücken wie die Erwachsenen zum Überqueren der Straße", erläutert O'Neal. "Aber sie sind nicht in der Lage, das Losgehen in den Verkehr zeitlich genauso gut abzupassen." Letztlich hätten sie so weniger Zeit zum Überqueren der Straße.

Eltern sollten diese eingeschränkten Fähigkeiten der Kinder berücksichtigen, wenn sie ihnen beibringen, wie man sich im Straßenverkehr verhält. Sie sollten etwa lernen, lieber auf größere Lücken zu warten als schnell über die Straße gelangen zu wollen.

In Deutschland nimmt die Zahl der tödlichen Unfälle bei Kindern seit Jahrzehnten ab. 2015 starben nach Angaben des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden 84 Kinder unter 15 Jahren im Straßenverkehr, die meisten davon als Mitfahrer in einem Auto. In den 1950er Jahren waren es noch mehr als 1000 Kinder. Mehr als 28 000 Kinder verunglückten 2015 insgesamt. Bezogen auf ihren Bevölkerungsanteil hätten Kinder ein geringeres Unfallrisiko als andere Altersgruppen, hieß es.

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