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Wem gehört die Schaufel? Klauen Kinder Spielzeug sollte man als Eltern nicht immer sofort einschreiten. Foto: Silvia Marks

Schaufeldiebe und Schubser

Streit auf dem Spielplatz entschärfen

Mit kleinen Kindern kommt man um ihn nicht herum: den Spielplatz. Eine Horde anderer Kinder und nicht genug Buddelzeug für alle sorgen schnell für Tränen. Eltern sollten dann vor allem abwarten und vermitteln.

München (dpa/tmn) - Nörgelnde Kinder, genervte Eltern, vielleicht sogar ein handfester Streit mit der Mama aus der anderen Sandkastenecke - auf dem Spielplatz liegen Spaß und Frust oft nah beieinander.

Dabei können Eltern mit ihrem Verhalten in typischen Situationen viel dazu beitragen, dass der Besuch harmonisch bleibt:

1. Mein Kind nimmt einem anderen das Spielzeug weg: Auf keinen Fall sollte man sich sofort einmischen, wenn der Nachwuchs einem anderen Kleinkind Schaufel oder Eimer stibitzt, sagt die Münchner Psychologin und Psychotherapeutin Doris Heueck-Mauß. "Lieber beobachten und abwarten. In der Regel machen Kinder das ganz gut unter sich aus."

Die Kinder mehr in Ruhe lassen, dafür plädiert auch der Sozialpädagoge Rainer Deimel. Kinder sollten seiner Meinung nach selbst erfahren, was passiert, wenn sie Grenzen verletzen und sich unsozial verhalten.

2. Mein Kind blockiert die Schaukel: Durchaus eingreifen könne man, wenn die Tochter ewig auf Schaukel oder Wippe sitzt und sich schon eine Schlange bildet. "Man sollte die Bedürfnisse der anderen formulieren: "Schau, die anderen warten und möchten auch einmal." Ich kenne kein Kind, dass dann nicht freiwillig geht", sagt Heueck-Mauß.

Das gilt aber nicht für Kleinkinder, die sich noch nicht in andere hineinversetzen können, betont die Elternratgeber-Autorin Ulla Nedebock aus Neckartenzlingen in Baden-Württemberg. Trotzdem sei es wichtig, den Gedanken des Teilens schon früh weiterzugeben.

3. Mein Kind schubst andere Kinder: Wenn der Junior anderen Kindern wehtut oder sie in Gefahr bringt, muss man nach Ansicht von Heueck-Mauß einschreiten. "Ganz wichtig ist, zu erklären: Stopp, du tust dem anderen weh - aber ohne Druck aufzubauen." Gut sei es, wenn die Eltern die Kinder in einem Gespräch zusammenbringen, ergänzt Nedebock. Wenn sich die Situation nicht lösen lässt, weil der Junior brüllt und um sich tritt, sei es wichtig, ihn aus der Situation herauszunehmen, rät Nedebock.

4. Mein Kind hat das Nachsehen: Was, wenn der eigene Sohn ewig an der Schaukel ansteht oder plötzlich ohne Buddelzeug im Sandkasten sitzt? Der Vorschlag "Dann machen wir halt etwas anderes" sei nicht sinnvoll, sagt Heueck-Mauß. Gerade für Einzelkinder sei die Erfahrung lehrreich, dass ihnen etwas weggenommen wird. Kinder lernen so, mit Wut umzugehen, meint auch Ulla Nedebock. "Es ist wichtig, dem Kind den Raum zu geben, zu lernen - Rücksichtnahme ebenso wie Geduld."

5. Andere Eltern reagieren aggressiv: Einem Kleinkind wird die Schaufel stibitzt, sofort springt die Mutter auf und stürzt sich auf die kleine Diebin oder deren Eltern. "So ein Verhalten zeigen oft überbehütende Mütter", sagt Heueck-Mauß. Ihr Vorschlag zum Umgang mit aggressiven Eltern: "Hingehen und sagen: "Würden Sie die Erziehung meines Kindes bitte mir überlassen?"" und "Geben Sie Ihrem Kind doch die Chance, sich selbst durchzusetzen."

6. Mein Kind unternimmt gefährliche Kletteraktionen:Die Einjährige will alleine zur Rutsche hochklettern, der Fünfjährige thront plötzlich auf der Spitze der Kletterpyramide - stoppen oder gewähren lassen? "Das ist eine Gratwanderung", sagt Heueck-Mauß. Einerseits müssen Eltern ihre Kinder schützen, andererseits sind gerade viele Mütter zu ängstlich. Dabei ist es wichtig für Kinder, sich auszutesten - für viele Großstadtkinder ist der Spielplatz dafür die einzige Möglichkeit. Die Therapeutin rät dazu, dass Väter öfter auf den Spielplatz mitgehen, da sie unbefangener sind.

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