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Armutsgefährdete Kinder im Vorschulalter weisen beim Sprechen und Zählen bereits Defizite auf.

Studie: Armut wirft Kinder früh zurück

Kinder in Armut hinken bereits früh hinterher. Die Gefahr, dass sie in ihrer Entwicklung lange vor Beginn der Schule große Defizite aufweisen, ist groß. Die Kommunen müssen gegensteuern, so eine Studie.

Gütersloh - Schwach im Deutschen, Probleme beim Zählen, weniger soziale Kontakte: Viele Kinder, deren Familien von Hartz IV leben, hinken in ihrer Entwicklung laut einer Studie bereits im Vorschulalter hinterher. Demnach weisen sie mehr als doppelt so viele Defizite auf wie Altersgenossen aus gesicherten finanziellen Verhältnissen. Dies zeigt eine am Freitag (13. März) veröffentliche Untersuchung der Bertelsmann-Stiftung.

So sprechen über 40 Prozent der armutsgefährdeten Kinder nur mangelhaft Deutsch. Geht es den Familien finanziell besser, haben hier nur rund 14 Prozent große Defizite. Ähnlich sieht es bei Problemen mit der Körperkoordination aus (24,5 zu 14,6 Prozent), dem Umgang mit Zahlen (28 zu 12,4) oder Übergewicht (8,8 zu 3,7).

Auffällig auch, dass Kinder mit Armutshintergrund kaum Zugriff auf soziale und kulturelle Angebote haben. Nur 12 Prozent von ihnen lernen ein Instrument. Kinder aus finanziell unabhängigen Familien sind mit 29 Prozent dabei. Auch beim Zugang zu einem Sportverein hinkt die Gruppe mit 46 zu 77 Prozent hinterher. Bei der frühkindlichen Bildung sieht es ebenfalls nicht gut aus. Vor dem dritten Geburtstag gehen nur 31 Prozent der armutsgefährdeten Kinder in eine Kita, bei der andere Gruppe sind es fast 48 Prozent.

Die Studie weist allerdings daraufhin, dass ein Kita-Besuch kein Allheilmittel ist. Positive Effekte habe die Kita nur, wenn die Gruppen sozial gemischt sind. Bei Kitas in sozialen Brennpunkten funktioniert das aber nicht. Wenn es einer Kommune nicht gelingt, bei Neuaufnahmen für eine sinnvolle soziale Durchmischung in der Kita zu sorgen, müssen die Ressourcen anders verteilt werden, raten die Autoren. "Kitas in sozialen Brennpunkten brauchen dann mehr Geld, mehr Personal und mehr Förderangebote", sagt Brigitte Mohn vom Vorstand der Stiftung.

Für die Studie haben Forscher der Uni Bochum 5000 Schuleingangsuntersuchungen der Jahre 2010 bis 2013 in der Ruhrgebietsstadt Mülheim im Ruhrgebiet analysiert. Nach Angaben der Gütersloher Stiftung wachsen in Deutschland mehr als 17 Prozent der unter 3-jährigen Kinder in Familien auf, die von der staatlichen Grundsicherung leben. "Das Ergebnis aus Mülheim lässt sich gut auf ganz Deutschland übertragen", sagt Kirsten Witte von der Bertelsmann-Stiftung. Die Studie habe ganz Mülheim mit seinen sehr unterschiedlichen Quartieren mit sehr niedrigen und sehr hohen Quoten von Hartz-IV-Empfängern in den Blick genommen.

dpa

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