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Selbstbehauptungskurse vermitteln Abwehrtechniken und stärken das Selbstbewusstsein der Frauen - hier zeigen Polizeiobermeister Möckl und Polizeihauptmeisterin Weber die sogenannte Stampf-Übung, bei der man dem Angreifer auf den Fuß tritt. Foto: Christina Sabrowsky

Technik und Selbstvertrauen: Frauen lernen Selbstverteidigung

Gerade bei sexueller Gewalt sind Frauen viel häufiger Opfer als Männer. Doch wie können sie sich gegen Gewalt wehren? Am besten ist eine Mischung aus körperlicher und geistiger Stärke.

Stuttgart (dpa/tmn) - Selbstverteidigungskurse sollen Frauen helfen, sich bei drohender Gewalt wehren zu können. Doch worauf kommt es bei diesen Kursen an? Harald Schmidt von der Zentralen Geschäftsstelle für Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes erklärt es.

Was sollten Selbstverteidigungskurse vermitteln?

Die Qualität der Kurse sei sehr unterschiedlich, sagt Schmidt. Er empfiehlt Selbstbehauptungskurse. "Sie vermitteln Abwehrtechniken und stärken auch das Selbstbewusstsein der Frauen." Rollenspiele dagegen, die reale Situationen nachspielen, sind kein guter Ansatz, sagt der Experte. Sie können Frauen verunsichern oder ein falsches Bild vermitteln: "Frauen könnten so denken, dass sie wirklich jeden Angreifer mit körperlicher Gegenwehr in die Flucht schlagen." Das entspreche aber nicht der Realität.

Wie erkennt man seriöse Anbieter?

Ein Qualitätskriterium ist, wenn die Anbieter mit der Polizei oder Opferschutzeinrichtungen wie dem Weissen Ring zusammenarbeiten. Auch wichtig: die Qualifikation der Trainer. "Diese sollten eine fachliche Ausbildung oder sozialpädagogisches Wissen haben", erläutert Schmidt. Man sollte im Zweifel nach konkreten Expertise-Nachweisen fragen. Er rät von Kursen ab, die mit steigender Kriminalität werben.

Reicht ein einmaliger Selbstverteidigungskurs aus?

Eher nicht. Um im Ernstfall auch richtig angewendet werden zu können, müssen Selbstverteidigungstechniken lange geübt werden. "Der Kurs sollte mehrmals stattfinden und die Inhalte wiederholt werden", so Schmidt.

Gehört Pfefferspray in die Handtasche?

Schmidt hält gar nichts davon. "Von einer Bewaffnung raten wir konsequent ab." Als Beispiel nennt er Selbstverteidigungsschirme. Das Problem: Der Täter kann fliehen - oder noch aggressiver werden. "Dann eskaliert die Situation im schlimmsten Fall." Beim Wehren besteht die Gefahr, sich selbst zu verletzen. Zum Beispiel, dass man Pfefferspray selbst einatmet, auf die Haut und in die Augen bekommt.

Sind Frauen gefährdeter bei Gewalttaten?

Zumindest bei sexueller Gewalt lautet die Antwort klar: ja. 2014 wurden laut polizeilicher Kriminalstatistik rund 12 750 Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung registriert. 93 Prozent der Opfer waren Frauen und Mädchen. "Aber Frauen werden eher Opfer von Gewalt im sozialen Umfeld", so Schmidt. "Der Fremde, der Frauen auf der Straße angreift, ist nicht die Regel."

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