Flugzeug bei Ravensburg abgestürzt: Drei Tote

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Eine Kuh bemuttert ihr Kälbchen. Tausendfach jedoch werden trächtige Kühe geschlachtet.

Horrortod im Schlachthof

Jedes Jahr: 180.000 Kälbchen vor Geburt geschlachtet

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München - Sie sterben qualvoll, wenn ihre Mutter geschlachtet wird. 180.000 Kälbchen kommen jedes Jahr in Deutschland vor der Geburt ums Leben. Ein Problem, das es eigentlich nicht geben dürfte.

Hochträchtige Tiere dürfen laut EU-Recht nicht transportiert werden, und können daher gar nicht geschlachtet werden. Eigentlich! In der Realität sind zwischen fünf und 15 Prozent der Milchkühe beim Schlachten trächtig. Es kommt sogar immer wieder auf Schlachthöfen in Europa und auch in Deutschland zu Geburten. In Deutschland sterben vermutlich jedes Jahr 180.00 Kälbchen vor der Geburt qualvoll, wenn ihre ­Mutter geschlachtet wird.

Der Transport hochträchtiger Tiere ist verboten.

Die Bundestierärztekammer fordert ein grundsätzliches Schlachtungsverbot von tragenden Färsen und Kühen - außer in begründeten Ausnahmefällen. Dabei setzt die Tierärzteschaft auf den Dialog: Das Problem könne nur gemeinsam mit Landwirten und Schlachtbetrieben gelöst werden“, betonte Prof. Theo Mantel, Präsident der Bundestierärztekammer.

Die Landwirte bestreiten nämlich, dass in so großem Umfang tragende Tiere geschlachtet werden. Dass es sich jedoch nicht um ein Einzelphänomen handelt, zeigt die Studie von Professor Katharina Riehn an der Uni Leipzig. Sie sagte gegenüber dem Landwirtschaftlichen Wochenblatt: „Das findet regelmäßig statt.“

Es gibt Berichte von Tiermedizinstudenten, die ein Praktikum auf Schlachthöfen absolvieren. So schrieb eine angehende Tierärztin: „Erzählen möchte ich, dass ich kleine, schon ganz fertig aussehende Kälbchen in allen Größen gesehen habe, zart und nackt und mit geschlossenen Augen in ihren schützenden Fruchtblasen, die sie nicht zu schützen vermochten. Das kleinste so winzig wie ein neugeborenes Kätzchen und doch eine richtige Miniaturkuh, das größte weich behaart, braunweiss und mit langen seidigen Wimpern, nur wenige Wochen vor der Geburt.“

Die Schlachtung hochträchtiger Tiere ist dagegen bislang noch nicht untersagt.

Warum trächtige Rinder zum Schlachten kommen, darüber gibt es in der Tat keine deutschen Untersuchungen. Aus England gibt es Zahlen, dass in der Hälfte der Fälle der Landwirt nichts von der Trächtigkeit wusste oder dachte, die Kuh sei steril. Dagegen spricht, dass die allermeisten der getöteten Tiere im letzten Drittel schwanger waren. Vermutlich sind es eben doch ökonomische Gründe, die über das Leben von Mutter und Kalb entscheiden: Milchkühe müssen ein Kälbchen geboren haben, sonst geben sie keine Milch. Nach der Geburt werden die Tiere nach gut sechs Wochen wieder besamt und sind im besten Fall gleich wieder trächtig.

Daher verwundert es nicht, dass viele Tiere, die zum Schlachter kommen, weil die Milchleistung nachlässt, ein Baby im Bauch haben. Das Bundeslandwirtschaftsministerium will nun Studien in Auftrag geben, um die Diskussion mit neuen Daten zu führen. Warum es nicht möglich ist, die unerträgliche Praxis einfach zu verbieten, konnte auf tz-Anfrage nicht beantwortet werden.

Im Übrigen sterben nicht nur die Föten von Rindern einen qualvollen Erstickungstod, auch bei Schafen, Ziegen und Schweinen ist bekannt, dass viele trächtig zum Schlachter kommen. Dies bestätigte eine Sprecherin der Bundestierärztekammer gegenüber der tz.

Studie beschreibt Erstickungstod der Föten

Dr. Katharina Riehn von der Uni Leipzig hat vor drei Jahren die Studie veröffentlicht, auf die sich die bisherige Diskussion stützt. Der Titel lautet: Schlachtung gravider Rinder – Aspekte der Ethik und des gesundheitlichen Verbraucherschutzes. Dafür wurden Fragebögen an Schlachthöfe in Deuschland verschickt, 53 sendeten auswertbare Fragebögen zurück.

Die Hälfte dieser Schlachthöfe gab an, dass dort auch regelmäßig trächtige Rinder getötet würden: Im Durchschnitt waren 9,6 % der Milchkühe tragend. Auf diesen Fragebogenangaben basieren die bisherigen Schätzungen für Deutschland. Wissenschaftler sind immer um Sachlichkeit bemüht, doch diese Studie berührt den Leser auch emotional.

Einige Zitate: „Schlachtbetriebe, die regelmäßig und in großem Umfang auch Milchvieh schlachten (1200 bis 1500 Tiere pro Woche), berichten über drei bis vier Geburten pro Jahr innerhalb des Schlachthofes oder auf dem Transport zum Schlachthof. Nach der Schlachtung der Muttertiere werden die Föten in der Regel nicht gesondert getötet, sondern verbleiben in den Eihüllen bis der Tod durch Hypoxie (Ersticken Anm. der Redaktion) eintritt. Es können dabei regelmäßig deutliche Fetalbewegungen im Amnionsack festgestellt werden, die bisweilen mehrere Minuten lang anhalten.“

Das Fazit der Forscherin: Es gebe deutliche Hinweise, dass „diese Art der Tiertötung nicht mit der Definition einer tierschutzgerechten Euthanasie vereinbar ist“.

Susanne Stockmann

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