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Tierquälerei bei Affen

Affenschande! Wie unsere nächsten Verwandten leiden

703 Affenarten gibt es insgesamt und über 60 Prozent von ihnen sind bedroht. Selbst Arten, die nicht gefährdet sind, müssen leiden: als Haustier, in Versuchslaboren oder weil sie gnadenlos gejagt werden.

Das chinesische Jahr des Affen hat begonnen – und die Fotoagenturen schicken Bilder von Affen aus der ganzen Welt. Einige davon hat die unsere Redaktion ausgewählt und von der Artenschützerin Sandra Altherr von der Münchner Organisation Pro Wildlife kommentieren lassen. Die Fotos werfen Schlaglichter auf den Umgang mit unseren nächsten Verwandten.

Gefesselt und verschleppt, weil er nervte

Dieses Bild ist herzzerreißend. Ein Makake im indischen Mumbai wurde rabiat eingefangen und abtransportiert. Die Bewohner einer Straße hatten geklagt, das Tier würde Lebensmittel stehlen und Verkaufsstände plündern. Der Affe sollte angeblich von der Stadt entfernt ausgesetzt werden. Sandra Altherr: „Der Lebensraum wird immer knapper für die Affen, und sie weichen in die Städte aus. Affen sind nicht scheu und lernen schnell, wo sie an Lebensmittel kommen. Das kann zu Konflikten führen. Es ist sehr fraglich, dass dieser einzelne Affe in der neuen Umgebung überhaupt überleben kann. Makaken leben im Familienverband. Die indische Regierung müsste dringend Maßnahmen ergreifen, die mit dem Tierschutz vereinbar sind.“ Wenn Tiere in der Nähe von Menschen leben, können Kastrationsmaßnahmen sinnvoll sein. „Im südlichen Afrika gelten Paviane in einigen Regionen als Schädlinge, wir empfehlen ein Verhütungsprogramm, anstatt die Tiere abzuschießen.“

Makaken zum Clown gemacht

Ein kleiner Makake im bunten Kostüm, die Leine hält sein Besitzer und Tiertrainer. In China lernen die ganz jungen Affen in sogenannten Schulen Kunststücke für Aufführungen in Straßentheatern. Sandra Altherr sagt dazu: „Dieses Benutzen von Tieren als Clowns oder für Kunststücke ist nicht neu. Doch jetzt zum Jahr des Affen beginnt endlich in der chinesischen Bevölkerung ein Umdenken: Die Besucher in den Zoos und bei Festivals finden diese Kunststücke nicht mehr gut. Die Affen werden dafür zum großen Teil gezüchtet, auch wenn einige immer noch wild gefangen werden

Endlich verbieten! Äffchen daheim

Dieses Weißbü- scheläffchen sollte über die Grenze geschmuggelt werden und wurde vom Zoll in der Schweiz beschlagnahm

In China sind zum Jahr des Affen putzige Weißbüscheläffchen der neueste Renner. Aber auch in Deutschland sind die niedlichen Affen als Haustier beliebt. Sandra Altherr: „Meine Kollegin hat Verkaufszahlen recherchiert und herausgefunden, dass allein im deutschsprachigen Raum über 2.400 Affen verkauft wurden, davon über 800 Weißbüscheläffchen! Man muss wissen, dass diese Tiere sehr anspruchsvoll sind. Sie brauchen einen Mix aus bestimmten Baumsäften, Insekten und ab und zu kleinen Säugetieren. Das kann man nicht einfach durch Katzenfutter ersetzen. Ihre Lebenserwartung als Haustier wird nicht sehr groß sein.“ Warum ist die Haltung als Haustier in Deutschland erlaubt? Sandra Altherr: „Aus unserer Sicht wäre ein Verbot dringend nötig. Die Bundesregierung hat im Koalitionsvertrag angekündigt, die Wildtierhaltung zu reglementieren. Passiert ist nichts.“

Die stillen Wälder – wo es schon keine Affen mehr gibt

Brandrodungen wie hier in Indonesien töten Affen.

Sandra Altherr: Die mit Abstand größte Gefahr ist die Zerstörung ihres Lebensraums. Die Abholzung der Wälder, ganz egal ob in Südamerika, Afrika und Asien. Affen sind zu dem eine leichte Jagdbeute, sie sind laut, tagaktiv und eine Gewehrkugel ergibt viel Fleisch. So kommt es zu der bizarren Situation der stillen Wälder – eigentlich intakte Ökosysteme, aus denen die Affen weggewildert wurden. Dieses Problem haben wir im Amazonas-Gebiet in Südamerika, aber auch in Zentralafrika. In Asien haben wir das Problem, dass in jedem Jahr Zigtausende Makaken eingefangen werden, besonders geschieht dies in Kambodscha, Vietnam und Laos für den internationalen Versuchstierhandel. Ich verstehe nicht, dass man als seriöses Versuchslabor Tiere völlig unbekannter Herkunft für Studien nimmt – von den Tierschutzproblemen einmal abgesehen. Auch nach Europa werden solche Affen importiert, nach Deutschland allerdings nicht. Dennoch ist es nicht auszuschließen, dass deutsche Firmen Studien in Auftrag geben, bei denen an wild gefangenen Makaken experimentiert wird. Die Grauer-Gorillas im Kongo sind vor allem durch den Abbau von seltenen Erdenbedroht. Und dann haben wir noch die ganze Palmöl-Problematik mit den Orang-Utans und den Plumploris.“

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