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Pferdesenioren können manchmal nicht mehr selbst aufstehen, dann ist schnelle Hilfe nötig

Hebegurte und warmer Boden

Gut Aiderbichl baut Seniorenheim für Pferde

Wenn ein Pferd nicht mehr geritten werden kann, ist sein Schicksal meist besiegelt: Es kommt zum Schlachter oder wird getötet. Außer es kommt zum Gut Aiderbichl.

In Deutschland gibt es kaum Sportpferde, die älter sind als acht Jahre. Freizeitpferde werden etwa doppelt so alt. Ein Gnadenbrot gibt es nur für wenige. Wer das Glück hatte, von Gut Aiderbichl aufgenommen zu werden, darf so alt werden, wie es seiner natürlichen Lebenserwartung entspricht. Immer mehr merken die Mitarbeiter des Gnadenhofs jedoch, dass alte Pferde andere Bedürfnisse haben (siehe auch Interview). Und so entstand eine besondere Idee: Ein Stall, der ganz auf die Tiersenioren zugeschnitten ist.

Phytagoras (li.) ist schon über 30 Jahre alt, er schätzt Ruhe, Streicheleinheiten und weiches Futter.

Pythagoras ist schon 30 Jahre alt – als er zu Aiderbichl kam, war er abgemagert und hatte Probleme mit den Zähnen. Nachdem sein Gebiss behandelt wurde und er ein auf ihn speziell abgestimmtes Ernährungsprogramm bekommen hat, geht es ihm wieder gut. „Alte Pferde müssen mehrmals am Tag gefüttert werden, sie brauchen weicheres Futter und Kraftfutter“, erklärt Dieter Ehrengruber, der Geschäftsführer von Gut Aiderbichl. Generell sind die Senioren etwas ruhebedürftiger: „Sie toben nicht mehr ausgelassen auf der Weide herum, sondern lassen das Ganze eher etwas gemütlicher angehen.“ Die Tiere vertragen große Hitze nicht mehr so gut, auch vor Kälte sollte man sie schützen. Daher ist der neue Stall aus Ziegelsteinen gemauert, die für ein gutes Innenklima sorgen. Der Betonboden bekommt eine Holzauflage, die isoliert und für Wärme sorgt. Ganz wichtig ist eine Hebeanlage in jeder Box, damit liegende Tiere, die nicht allein aufstehen können, unkompliziert geholfen werden kann.

Das Zirkuspferd Douglas ist besonders pflegebedürftig und darf in den neuen Pferdestall in herrlicher Umgebung einziehen.

Pferderentner brauchen mehr Ansprache und Zuwendung von Menschen. Dafür ist ein extra eingerichteter Tierbetreuungsdienst zuständig. Ganz besonders liebebedürftig ist Douglas, ein ehemaliges Zirkuspferd. Er ist zwar erst 21 Jahre alt und damit für Aiderbichl- Verhältnisse noch ein junger Hüpfer, doch er kommt aus einer schlechten Zirkushaltung. Douglas musste trotz einer schweren Lungenerkrankung in der Manege auftreten. Die Krankheit wurde erfolgreich behandelt, doch wie so viele seiner Artgenossen leidet er an einer Hausstauballergie und muss besonders gepflegt werden. Viele Tiere sind bei ihrer Rettung in einem schlechten Zustand. Ehrengruber: „Oft ist es so, dass Pferde, die für ihren Besitzer ausgedient haben, wirklich am Ende sind. Die Tiere werden einfach zu intensiv genutzt. Sie werden zu früh angeritten, sie werden immer ein bisschen überfordert. Sie müssen in kurzer Zeit sehr viel leisten. Und wenn sie dann nicht mehr können, werden sie ausgetauscht wie jedes andere defekte Sportgerät.“

Es gibt nicht viele Statistiken über die Gründe, warum Reitpferde in Deutschland geschlachtet werden. Die letzten Untersuchungen aus dem Jahr 2008 sagen, dass Hauptursache für den frühen Pferdetod entweder Probleme mit den Atemwegen oder dem Bewegungsapparat. sind.

Absolute Vorreiter bei Haltung alter Tiere

Ein Stall für alte Pferde – warum ist das nötig? Dieter Ehrengruber, der Geschäftsführer von Gut Aiderbichl, im Interview.

Aiderbichl-Geschäftsführer Dieter Ehrengruber.

Dieter Ehrengruber: Alte Tiere haben besondere Bedürfnisse. Darüber ist nur wenig bekannt, weil nur sehr wenige der sogenannten Nutztiere ja überhaupt alt werden dürfen. Unser Tierbestand wird jedoch tatsächlich mit uns älter und wir überlegen uns immer, was wir den Tieren Gutes tun können. Beim Umgang mit alten Tieren sind wir sicher die Vorreiter.

Sie können also auf kein vorhandenes Wissen zurückgreifen?

Ehrengruber: Nein, das sind alles unsere eigenen Erfahrungen und Beobachtungen. Wir haben viel gelernt in den letzten 14 Jahren. So mussten wir mal, um einem liegenden Pferd aufzuhelfen, eine Seitenwand eines Stalls niederreißen. Jetzt sind alle Boxen so gebaut, dass wir leicht hineinkommen. Jede Box bekommt ihre eigene Hebevorrichtung, damit Pferden, die sich festgelegt haben, geholfen werden kann.

Das erleichtert natürlich auch die Arbeit für die Pfleger!

Ehrengruber: Auch die Kammer für das Futter ist speziell konzipiert, sodass für jedes Tiere sehr einfach eine eigene Futtermischung zusammengestellt werden kann. Und immerhin werden 50 bis 60 Pferde in den Stall einziehen.

Pferde können Beschwerden und Schmerzen gut verbergen. Wenn ein Tier liegt und nicht aufsteht, woher wissen Sie, ob es weiterleben will?

Ehrengruber: Wenn man das Tier gut kennt, dann merkt man ihm Schmerzen an. Pferde werden z. B. unruhig, aber man kann auch immer an den Augen erkennen, ob es Schmerzen hat. Oft ist es tatsächlich so, dass es aufstehen möchte und der Körper zu schwach ist. Aber ganz klar, wir lassen Tiere nicht leiden. Und wenn wir merken, es ist Zeit zum Abschiednehmen, dann lassen wir das Tier auch gehen.

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