Die Saison ist vorbei – was wird jetzt aus den Streunern?

Gut Aiderbichl rettet Straßenhunde, die in großer Not sind

Hilfe für Streuner

Ende der Saison – so nannte der Fotograf von Gut Aiderbichl dieses Bild aus Griechenland. Ein Straßenhund sitzt am leeren Strand und blickt in eine ungewisse Zukunft.

Denn nicht nur in Rumänien, sondern auch in Griechenland und anderen südlichen Ländern nimmt die Anzahl der Straßenhunde stetig zu. Unkastriert bekommt eine Hündin zweimal im Jahr vier bis sechs Welpen. Mit der Zahl der Tiere wächst die Zahl der Menschen, die sich von den Tieren gestört fühlen. Bei einem zunächst privaten Aufenthalt erkannte Michael Aufhauser von Gut Aiderbichl, dass das Problem viel Zündstoff birgt. Er beschloss daher, zu seinen Wurzeln zurückzukehren.

Zunächst Hilfe vor Ort  

Um den Streunern im Süden und Osten Europas noch mehr zu helfen als bisher, hat Gut Aiderbichl Kontakt aufgenommen zu rumänischen Politikern und eine Rettungsaktion in Griechenland gestartet. Es wird zunächst Hilfe vor Ort geleistet. In schweren Notfällen sollen auch Katzen und Hunde nach Deutschland geholt werden – doch das soll eine absolute Ausnahme bleiben.

Meistens kann man den Tieren vor Ort schon gut helfen – wenn man Mitstreiter findet und die Behörden auch kooperativ sind. Bei der Rettung von Tausenden von Straßenhunden in Spanien, hat Michael Aufhauser die Erfahrung gemacht, dass die kastrierten und geimpften Tiere nicht mehr unbedingt ausgesetzt werden sollten. Es sei besser, große Grundstücke anzumieten, dort würden sich die Rudel meist sehr gut arrangieren, und es bräuchte nur wenig Personal, das das Füttern und die Versorgung der Tiere organisiert. Solche Zufluchtsorte will Gut Aiderbichl jetzt für den Winter schaffen.

Einige Tiere wurden schon untergebracht

Einige sehr verelendete Tiere wurden schon bei tierlieben Menschen untergebracht. Es war kein Problem, Männer und Frauen für diese Aufgabe zu finden. Michael Aufhauser: „Das Bewusstsein für Tierschutz ist in Griechenland sehr gewachsen. Ich habe viele Menschen kennengelernt, die sich selbstlos um Hunde gekümmert haben.“ Ihnen wird Aiderbichl nun ein bisschen unter die Arme greifen.

Aber da ist auch die Hundedame Bella, die so scheu war, dass sie eine Futterration erst nach einer halben Stunde gierig verschlungen hat. So lange hat sie überlegt, ob sie sich den Menschen nähern sollte. Besonders zu einem Mädchen fasste die Hündin Zutrauen und ließ sich sogar überzeugen, ins Auto zu springen. Bellas treue Augen erweichten das Herz von Michael Aufhauser. Nachdem das Tier, wie es in Europa gesetzlich vorgeschrieben ist, mit einem Chip, einem Heimtierausweis, allen Impfungen und dem Titer-Nachweis für die Tollwutimpfung ausgerüstet wurde, kam Bella nach Gut Aiderbichl. Hier wird sie nun ihre sieben süßen Welpen aufziehen. Dass Bella bei ihrer Rettung schon trächtig war, hatte nämlich niemand geahnt!

Die Fänger verdienen am Leid

tz-Interview mit Petra Zipp, Bund gegen Missbrauch der Tiere

In Rumänien gibt es ungezählte Straßenhunde, allein in Bukarest sollen es 60 000 sein. Doch es gibt auch viele Tiere, die einem Menschen gehören. Seit Ende September jedoch sollen per Gesetz die Streuner eingefangen und binnen zwei Wochen getötet werden. Diese Verordnung hat zu einer schrecklichen Hetzjagd geführt (tz berichtete).

Wie ist die Situation vor Ort in Rumänien? Hat die Vernunft wieder etwas Einzug gehalten?

Petra Zipp vom Bund gegen Missbrauch der Tiere: Die Situation ist katastrophal. Die Hundefänger sind in und um Bukarest unterwegs, und zurzeit fangen sie hauptsächlich die lieben, braven, kastrierten Hunde. Es werden genau die Hunde von der Straße geschafft, die nie ein Problem waren. Es spielen sich dramatische Szenen ab, weil viele Tiere Besitzer haben, die sich gegen die Wegnahme des Tieres mit Händen und Füßen wehren, aber oft machtlos sind. Uns liegen Schilderungen von regelrechten Straßenkämpfen mit Menschen vor, die ihre Tiere behalten wollen. Es wird jeder Hund mitgenommen, denn die Kopfprämien sind das Interessante. Für jedes Tier kassieren die Fänger 50 Euro.Derdurchschnittliche Monatsverdienst in Rumänien beträgt 150 Euro. Und die Besitzer haben kaum noch eine Chance, ihre Tiere aus den Sammellagern wiederzubekommen. Sie werden abgewimmelt. Die Hunde in den Lagern werden oft nicht gefüttert, sie sind in kürzester Zeit in erbarmungswürdigem Zustand. Nach zwei Wochen wird man sie dann töten, wenn sie nicht in der Zwischenzeit von alleine gestorben sind.

Hat sich wenigstens außerhalb von Bukarest die Lage beruhigt?

Zipp: Die Lage ist Horror pur, es gibt weiter Bilder von überfahrenenHunden, von Tieren, die aufgehängt oder vergiftet wurden oder mit Benzin übergossen und angezündet wurden. Wir haben Berichte und sogar Filmaufnahmen von Jugendbanden, die einen Hund zu Tode treten.

Rumänien muss sich ja eigentlich an EU-Gesetze halten. Gibt es da Proteste?

Zipp: Es gibt nur wenige Politiker, die den Mund aufmachen und sich gegen das Vorgehen der rumänichen Regierung wenden. Wir suchen jetzt die Fakten zusammen, um zu beweisen, dass gegen EU-Recht verstoßen wurde, dann können wir dagegen vorgehen.

Welchen Einfluss haben ausländische Organisationen?

Zipp: Zurzeit sind wir der Willkür der Behörden ausgeliefert. In Pitesti zum Beispiel unterstützt die Tierhilfe Hoffnung das städtische Tierheim, eine absolute Erfolgsstory. Vor acht Jahren gab es im Ort noch 35 000 Hunde, jetzt sind es 5000 die kastriert und geimpft sind. Und jetzt sagt der Bürgermeister: „Räumt das Tierheim, denn wir fangen jetzt alle Tiere von der Straße ein. Und wenn das Heim überfüllt ist, dann töten wir die Tiere.“ Jetzt werden viele der Hunde ins Ausland gebracht, einfach um ihr Leben zu retten. Die Arbeit von Jahren wird jetzt mit einer sinn- und planlosen Aktion zunichte gemacht. Der Tierschutz in Rumänien hatte große Fortschritte gemacht, die Situation der Straßenhunde war besser geworden. Meiner Meinung nach lief es zu gut für den Tierschutz und zu schlecht für die Hundefänger.

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