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Oktopus Ursula öffnet blitzschnell ein Glas.

Höchstleistungen, die uns überraschen

So schlau sind Tiere

Seit Tausenden von Jahren beharren die Menschen darauf, dass sie schlauer seien als Tiere. Wir sollten schleunigst von unserem hohen Ross steigen.

Der Schimpanse Ayumur beim Zahlenexperiment.

Das findet zumindest der Evolutionsbiologe Dr. Arthur Saniotis, der an der Uni in Adelaide forscht: „Wissenschaftliche Ergebnisse sprechen eine klare Sprache: Viele Tiere verfügen über Fähigkeiten, die denen von Menschen weit überlegen sind. Die Tatsache, dass Menschen und Tiere nicht miteinander sprechen und nur eingeschränkt kommunizieren können, bedeutet nicht, dass Tiere dümmer sind: Beide Spezies verfügen schlicht über verschiedene Fähigkeiten. Sie sind eben anders intelligent.“ Die menschliche Arroganz führe dazu, dass die Intelligenz von Tieren ständig unterschätzt wird. IQ-Tests für Tiere gibt es nicht, aber viele Belege für erstaunliche Höchstleistungen.

Die Intelligenz von Insekten wird stark unterschätzt: Bienen z. B. können zählen.

Der Gebrauch und die Erfindung von Werkzeugen galt seit dem griechischen Philosophen Aristoteles als die Eigenschaft, die den Menschen als planmäßig und vorausschauenden Denkenden vom triebgesteuerten Tier unterscheiden. Dieses Dogma fiel mit Jane Goodall, die erstmals beschrieb, wie Schimpansen mit Ästen nach Termiten angeln. Mittlerweile ist bekannt, dass viele Tierarten Werkzeuge verwenden oder planmäßig vorgehen. Krähen, die als eine der intelligentesten Vogelarten gelten, legen an roten Ampeln Nüsse vor wartende Autos, sodass bei Grün die Schalen geknackt werden und bei der nächsten Rotphase der Festschmaus beginnen kann. Das Foto zeigt eine Krähe, wie sie Steinchen in ein Glas wirft, damit sich der Wasserspiegel erhöht und sie trinken kann. Die Erforschung der tierischen Intelligenz ist schwierig und meistens mit Tierversuchen verbunden, die zwar den Menschen zu Erkenntnissen verhelfen, den Tieren aber nicht zu einem besseren Leben. Viele Tests arbeiten mit Wasser oder Futter als Belohnung. Das bedeutet, dass die Versuchstiere hungrig oder durstig sein müssen, um die Aufgaben zu bewältigen. Der Schimpanse Ayumu hat in Japan die Forscher mit seiner Fähigkeit, sich Zahlen merken zu können, verblüfft.

Eine durstige Krähe wirft Steine in ein Glas, damit das Wasser steigt.

Viele Erkenntnisse können auch aus Beobachtungen in der freien Wildbahn gewonnen werden. So konnten Zoologen 20 verschiedene Tonfolgen von Gibbons aufzeichnen, die ganz klar verschiedene Bedeutungen haben. Mit diesen Lauten können sich die Affen überweite Strecken im Regenwald verständigen. Kraken sind nicht nur geschickt im Öffnen von Schraubgläsern, sie arbeiten auch vorausschauend und sammeln Hälften von Kokosnussschalen, um sich darin zu verstecken. Nicht nur Menschen geben sich Namen, dies ist auch von Delfinen bekannt, die ebenfalls zu den intelligentesten Tieren zählen. Die Tiere nutzen die Namen, um in Kontakt zu bleiben und auch um einander zu rufen. Elefanten sind sprichwörtlich für ihr gutes Gedächtnis bekannt, sie erkennen Artgenossen oder Menschen noch nach Jahrzehnten. Bei ihrer Erinnerung verlassen sich Elefanten nicht allein auf die Augen, sondern zudem auf Ohren und Geruchssinn. Sie können sich über ein komplexes Lautsystem, das Töne im tiefen Infraschallbereich umfasst, über viele Kilometer weit verständigen. Elefanten sind auch geschickt im Gebrauch von Werkzeugen, z. B. werfen sie Steine, um elektrische Zäune zu unterbrechen. Sie nutzen geschickt Inhaltsstoffe von Pflanzen, die sie gezielt fressen, wenn sie krank sind oder wenn eine Geburt bevorsteht.

Graupapageien sind geschickt im Umgang mit Werkzeugen, sie erkennen sich selbst im Spiegel – ein weiteres wichtiges Merkmal für Intelligenz – und sind laut Forscher etwa so schlau wie ein etwa drei Jahre altes Kind. So können sie am Klappern erkennen, ob in einer undurchsichtigen Dose eine Nuss versteckt ist. Am meisten unterschätzt im Tierreich werden jedoch die Insekten, von denen gerade die Bienen von vielen Forschern als besonders schlau angesehen werden. Bienen sind leicht zu dressieren, sie können abstrakt denken, sie können vermutlich bis drei zählen und über ihren Schwänzeltanz erklären, wo gute Futterquellen sind, und sie haben ein Gedächtnis, um sich wichtige Informationen zu merken.

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