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Viele können sich ein Leben ohne Hund nicht vorstellen.

Grau und grau gesellt sich gern

Alte Hunde für alte Menschen

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Früher hätten sie keine Chance gehabt, zueinander zu finden. Der Rentner Artur S. ist mit seinen 91 Jahren zu alt für eine klassische Tiervermittlung. Und Dackel Nicki, dem schon 17 Jahre in den kurzen Beinchen stecken, hätte seinen Lebensabend wohl in einem Tierheim beschließen müssen.

„Bei den beiden war es Liebe auf den ersten Blick“, freut sich Nicole Brühl: „Artur S. hatte lange einen Rauhaardackel, und als dieser starb, vermisste er ihn schmerzlich. Und Nicki genießt die Aufmerksamkeiten seines neuen Herrchens sehr.“ 

Betagte Tiere haben viele Vorteile

Alte Tiere an alte Menschen vermitteln – das ist das Ziel des Hunde-Seniorendorfs in Rottenbuch, das vom Verein SOS Projects getragen wird. Gerade leben dort 22 betagte Hunde, noch wird umgebaut, dann können weitere Senioren auf vier Beinen aus Tierheimen des Deutschen Tierschutzbundes aufgenommen werden. Der Sonnenhof liegt idyllisch inmitten von Wiesen des Voralpenlandes. 

Ein kleiner Schwarzer mit grauer Schnauze steht schwanzwedelnd vor dem Tor und begrüßt unsere Reporter .Andere Tiere sind deutlich zurückhaltender. Die Hunde auf dem Sonnenhof haben allen Grund, vorsichtig zu sein. Sie haben schwere Zeiten hinter sich. Brühl: „Meist stirbt der Besitzer oder wird so krank, dass er sich nicht mehr kümmern kann. Der alte Hund wird aus seiner gewohnten Umgebung gerissen. Er versteht die Welt nicht mehr. Viele Tiere sind am Anfang wirklich traumatisiert.“ 

Im Seniorendorf lassen es die Hunde ruhig angehen, der Auslauf darf gemütlich sein.

Rocky ist ein freundlicher Hundeherr, und neugierig. Um die Besucher näher zu beschnüffeln rappelt er sich mühsam auf. Rocky ist 17 Jahre alt, da wird das Leben beschwerlich. Lara muss sich nach dem Fotoshooting für unsere Zeitung erst mal kurz hinlegen – das war dann doch zu viel der Aufregung. Nur Luigi will dem Alter ein Schnippchen schlagen, er bringt gleich den Ball mit und springt lebhaft um Nicole Brühl herum. Sie ist die langjährige Präsidentin des Tierschutzbundes in Bayern und vor zwei Jahren zur Präsidentin des Vereins SOS Projects gewählt worden. Das Dorf für alte Hunde war ihre Idee. Gerade die grauen Fellnasen haben es schwer im Tierheim. Sie haben kaum eine Chance, vermittelt zu werden. Zum einen, weil viele Menschen lieber einen jungen Hund aufnehmen möchten. Zum anderen, weil viele Plätze für alte Tiere nicht geeignet sind. Nicole Brühl: „Eine Familie mit jüngeren Kindern ist meist viel zu lebhaft für ein altes Tier. Diese Hunde brauchen mehr Ruhe.“Die Pfleger und Pflegerinnen im Sonnenhof kümmern sich intensiv um die Neuzugänge, die im Haus bleiben, bis sie sich wieder gefangen haben. Wenn die Tiere sich eingewöhnt haben, wird nach einem Artgenossen gesucht, mit dem sie sich besonders gut verstehen. Dann können sich mehrere Hunde eine geräumige Blockhütte mit Auslaufteilen. Natürlich haben die Hunde weiter viel Kontakt zu den Pflegern. Sie bekommen regelmäßig Auslauf und Streicheleinheiten. Die Senioren sind eben besonders kuschelbedürftig. Und mit ein bisschen Glück finden sie bald ein neues Zuhause – so wie es auch auch Dackel Nicki geschafft hat.

Interview mit Nicole Brühl, SOS Projects Sonnenhof: Chemie muss stimmen

Alte Hunde an alte Menschen zu vermitteln – wie kam Ihnen die Idee?

Nicole Brühl, SOS Projects Sonnenhof.

Nicole Brühl: Als Vorsitzende vom Tierheim in Starnberg haben mir die alten Hunde immer leid getan. Sie sind von dem Trubel im Heim meist überfordert und wirken gestresst. Sehr selten kommt jemand und sucht explizit nach einem älteren Hund. In den Heimen sind die Tiere meist allein, und die Chance auf einen neuen Platz sind sehr klein. Bei uns treffen die Hunde auf ebenfalls ältere Artgenossen. Das tut ihnen gut. Man merkt, wie sie den Kontakt zueinander suchen. Viele Hunde können sich bei uns wieder entspannen, sie kommen zur Ruhe. Mittlerweile hat sich unser Projekt herumgesprochen, viele Besucher kommen gezielt zu uns,auch weil wir hier eine größere Auswahl an Tieren haben. Das erhöht natürlich auch die Chancen für die Hunde, ein neues Zuhause zu finden.

Alte Hunde sind öfter krank, das kann zu einer Belastung werden.

Brühl: Bei Krankheiten, die vorher bekannt waren, übernehmen wir weiter die Behandlungskosten, wenn es gewünscht wird. Alte Hunde haben viele Vorteile – gerade für ältere Menschen. Die Hunde sind ruhiger, sie brauchen nicht mehr so viel Auslauf, ihnen reicht oft schon ein kürzerer Weg.

Hat jeder die Chance, einen Hund zu bekommen?

Brühl: Es muss eben einfach passen. Und dann ist es einfach so klasse, wenn sich zwei finden, wie der 17-jährige Dackel und der 91-jährige Senior. Die Interessenten kommen meist mehrere Tage hintereinander zu Besuch, gehen mit den Tieren spazieren oder halten sich in der Nähe auf. Wenn die Chemie zwischen Tier und Mensch stimmt, machen wir eine Platzvorkontrolle. Wenn da alles passt, darf der Hund mitgehen. Später gibt es eine Nachkontrolle. Wir haben also genau die gleichen hohen Ansprüche an eine Tiervermittlung wie in den Tierheimen des Tierschutzbundes: Auch wir suchen den besten Platz, nicht den erstbesten. Allerdings gilt bei uns die Altersgrenze nicht. Da gibt es keine festgelegte Grenze nach oben. 

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