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Hundetherapeut und -verhaltenstrainer Thomas Brunn (rechts) hat Tipps für verängstigte Hunde und ihre Frauchen und Herrchen.

Böller regen Wuffi auf

Angst vor Silvester: Fünf Tipps gegen Feuerwerks-Panik bei Hunden

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Spaß an Silvester? Für viele Hunde ist der Jahresabschluss ein Albtraum! Mit diesen Tricks haben sie weniger Angst. 

Wolfratshausen - Viele sind in Vorfreude auf Silvester: Feiern mit Freunden, auf das neue Jahr anstoßen - und um Mitternacht dann das Feuerwerksspektakel am Nachthimmel beobachten. Möglichst laut, möglichst farbenfroh. Doch für einen Großteil der rund acht Millionen Hunde in Deutschland sowie deren Herrchen und Frauchen ist das alljährliche Silvesterfest ein Albtraum. Die Tiere haben Angst vor den Böllern, manche reagieren gar panisch und wollen nur noch flüchten. 

Hundetherapeut Thomas Brunn aus Wolfratshausen weiß Rat. Der studierte Verhaltenstrainer nennt fünf Tipps, wie man das Silvesterfeuerwerk mit dem Vierbeiner möglichst stressfrei übersteht. Zum Wohle von Tier und Mensch. Brunn orientiert sich dabei an die Lehre des berühmten TV-Hundetrainers und Buchautoren Cesar Milan. 

Warum Medikamente nicht wirklich helfen

Rollläden herunterzuziehen, die Musik laut aufzudrehen und Hunde mit Medikamenten zu beruhigen, das alles sind aus Sicht von Brunn nur Notmaßnahmen. Sie helfen - wenn überhaupt - nur kurzfristig. „Medikamente dämpfen nur die Reaktionen, mildern die Symptome, der Hund hat aber trotzdem noch Angst, man geht so nicht auf die Ursachen ein“. 

Für wirksame Hilfe und langfristige Erfolge empfiehlt Brunn fünf Vorgehensweisen. 

1. Tipp: Für Geräusche desensibilisieren

Kurzfristig könne man in den Tagen vor Silvester noch versuchen, den Hund für die Knallgeräusche des Feuerwerks zu desensibilisieren. Hierfür gibt es CDs mit entsprechenden Geräuschen, auch auf YouTube findet man Videos mit solchen Tonspuren. „Zunächst spielt man die Geräusche leise ab, etwa bei der Fütterung. Wenn der Hund dann das Fressen unterbricht wird klar, dass die Geräusche eine höhere Bedeutung für ihn haben als das Futter. Wenn nicht, kann man den Ton immer lauter aufdrehen und das Tier so desensibilisieren“, erklärt der Hundetrainer. 

Einen guten Trainingserfolg hat man erreicht, wenn man sich mit dem Hund schlafen legen kann und er völlig entspannt bleibt - obwohl die CD läuft. Der Mensch kann hierbei Ohrenstöpsel benutzen, damit die Böllergeräusche aus der Stereoanlage beim Nickerchen nicht stören. 

2. Tipp: Ruhe und Gelassenheit vermitteln

„Hunde lernen durch Imitieren“, weiß Thomas Brunn. Deshalb solle der Mensch dem Tier Entspannung vorleben. Wenn der Hund ängstlich ist, solle man ihm keinesfalls gut zureden und streicheln. „Durch das Trösten bestärken wir das Tier nur darin, dass seine Angst berechtigt ist. Wir müssen ihm aber zeigen, dass die Geräusche keine Bedeutung für uns haben“. Auch eine Flucht, etwa in den Keller, solle man nicht zulassen. 

Das bedeute nicht, dass man das Tier in seiner Angst ignorieren und alleine lassen darf. Man solle den Hund beschäftigen (siehe 3. Tipp), aber eben auf Berührungen oder gutes Zusprechen verzichten, empfiehlt Brunn. „Man darf hier nicht auf die negativen Gefühle eingehen mit Sätze wie: ‚Du armes Mädchen‘“. Erst wenn der Hund wieder entspannt sei, solle er von Frauchen und Herrchen wieder gestreichelt werden. 

Wichtig dabei sei die Körpersprache des Menschen. Selbst aufgedreht sein vor dem Jahreswechsel ist tabu! „Wir sollten Ruhe und Zuversicht ausstrahlen: Schulter zurück, den Kopf nach oben. Wir müssen den inneren Buddha in uns finden“, sagt Brunn. Meditieren oder Yoga seien dabei tatsächlich gute Übungen für Mensch und Hund. 

Der Hundetrainer weiß, was man gegen Geräuschephobie tun kann. 

3. Tipp: Hunde mental beschäftigen und dadurch ermüden 

Schon in den Tagen vor Silvester und erst recht am 31. Dezember solle man den Hunden ständig Aufgaben geben. „Hunde neigen dazu, bei Angst zu erstarren oder zu fliehen. Wir wollen mit ihnen weiter vorwärts gehen, etwa in dem wir einen Parcours in der Wohnung aufgaben und mit ihnen einen Hindernislauf während des Feuerwerks machen: Couch rauf und runter, in Bewegung bleiben, den Hund beschäftigt halten.“ Das alles jedoch bedacht, langsam und ruhig. 

Wichtiger als körperliche Anstrengung sei dabei, dass der Hund mental gefordert und so ermüdet wird. „In den Tagen vor Silvester sollten wir besonders viele Regeln setzen und Grenzen ziehen. Das schaffen wir durch intensive Spaziergänge, bei denen der Hund das Hauptaugenmerk auf uns lenken muss. Wir haben ihn an der Leine und wechseln immer wieder unerwartet, aber ruhig die Richtung.“ Der Hund solle sich an der Leitfigur des Herrchens oder Frauchens orientieren. Die Konzentration liegt dabei nicht auf das Umfeld, sondern das Tier ist gezwungen auf die Bewegungen des Menschen zu achten. 

Weniger hilfreich seien Spiele, die den Hund zusätzlich aufregen. „Wenn man den Ball schmeißt oder der Hund mit anderen Spielgefährten tobt, ist er stark erregt. Ziel ist es jedoch, das Tier entspannt zu halten.“ 

4. Tipp: Die Nase statt die Ohren beschäftigen

„Hunde sind nicht mul­ti­tas­king­fä­hig“, so Brunn. Wenn es draußen knallt, solle man deswegen dafür sorgen, dass der Hund „die Nase anwirft“ und von den Ohren abgelenkt wird. Das gelingt durch interessante Gerüche, die der Mensch in den Händen hält und hinter seinem Rücken versteckt. Man kann den Hund auch an der Leine geführt durch die Wohnung schnüffeln lassen. Während draußen das Feuerwerk abläuft, solle das Tier sich so auf sein Riechorgan konzentrieren. 

5. Tipp: Für eine langfristige Therapie auf nonverbale Kommunikation setzen 

Grundsätzlich müsse man die Frage stellen, wieso der Hund überhaupt so empfindlich auf die Geräusche reagiere. Meist neigen Hunde, die bei einem Feuerwerk Angst haben, auch dazu bei anderen Geräuschen wie einem Staubsauger oder Gewitter in Alarmbereitschaft zu geraten. Ein äußeres Zeichen dafür ist, wenn sich die Ohren sichtbar nach vorne richten. „Hier muss man hinterfragen, woher diese Geräuschephobie überhaupt stammt. Ein solches Verhalten zeigt deutlich, dass der Hund viel in der ‚Ohrenwelt‘ lebt, das Tier also stark auf Geräusche achtet“, so Brunn. 

Der Hundetherapeut plädiert daher für eine nonverbale Kommunikation zwischen Mensch und Hund. „Der Mensch sollte Quelle der Stille sein, das ist für Hunde ein Zeichen für Frieden. Ruhe ist für die Hunde Harmonie, alles ist friedlich“, erklärt Hundetherapeut Brunn.  

Da merkt man auch, wieso Silvester so eine große Herausforderung für Hunde ist. Der Jahresabschluss ist in der Regel nämlich genau das Gegenteil: hektisch und laut. Ein Umsteuern tut sicherlich auch dem Menschen gut! 

Lesen Sie auch auf merkur.de: 

Wie Tierschützer Silvester feiern

Einsamer Ort tut Hunden an Silvester gut

Video:Glomex

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