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Vor zwei Monaten wurde Ziegenmama Lonely mit einem Strick vor Gut Aiderbichl Eslarn in der Oberpfalz angebunden, im Karton neben ihr hockten ihre erst wenige Tage alten Zicklein.

Jedes Jahr werden 70.000 Tiere einfach rausgeworfen

Ausgesetzt! So herzlos sind nur Menschen

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Deutschland ist ein tierliebes Land– sollte man meinen. Schließlich leben in 43 Prozent aller Haushalte tierische Mitbewohner, darunter 12,9 Millionen Katzen, 7,9 Millionen Hunde und über fünf Millionen Kleintiere wie Meerschweinchen, Kaninchen und Hamster.

Hunderttausende dieser Tiere wurden jedoch offenbar aus einer Laune heraus angeschafft, irgendwann werden sie den Besitzern lästig, zu teuer oder sie stehen einem anderen Hobby oder dem Urlaub im Weg. In jedem Jahr werden knapp 300000 Tiere in Tierheimen abgegeben, geschätzte 70000 einfach ausgesetzt. Irgendwo angebunden, auf einer Wiese oder im Wald sich selbst überlassen. Zwei Millionen Straßenkatzen gibt es in Deutschland, sie alle stammen von Hauskatzen ab, die auf einmal kein Zuhause mehr hatten. Tiere aussetzen ist kein Kavaliersdelikt, bis zu 25.000 Euro Geldbuße drohen. Wenn die Täter erwischt werden, was selten der Fall ist, bekommen sie meist eine Strafe von maximal 1000 bis 2000 Euro.

Verantwortung einfach weggeworfen

Was bedeutet es, wenn bei oder auf Gut Aiderbichl Tiere ausgesetzt werden?

Sonja Großmann von Gut Aiderbichl

Sonja Großmann: Wir sind jedes mal erneut erschüttert, welchen Gefahren die Tiere ausgesetzt werden. Die Besitzerdenken, irgendjemand wird sich schon kümmern. Oft bedeutet es unheimlich viel zusätzliche Arbeit. Müssen die Tiere eingefangen werden, sind mehrere Mitarbeiter manchmal über Stunden beschäftigt und fehlen an anderer Stelle. Alle gefundenen Tiere kommen erst mal in Quarantäne und werden vom Tierarzt bzw. bei Ziegen vom Amtstierarzt untersucht. Sitzt z. B. plötzlich ein fremdes Kaninchen im Stall, das eine ansteckende Krankheit hat, ist ja unser ganzer Bestand gefährdet. Erst wenn alle Untersuchungen und Bluttests ergeben haben, dass die Tiere nicht ansteckend sind, können wir versuchen, sie mit ihren Artgenossen zu vergesellschaften. Aber das ist oft unheimlich schwierig!

Warum?

Großmann: Wir wissen ja nichts über ihren Charakter, Vorlieben und Gewohnheiten. Nur sehr selten hinterlassen die Besitzer einen Brief. Besonders Hunde und Katzen müssen wir erst geduldig kennenlernen. Viele sind in der ersten Zeit völlig verstört. Ein Hund merkt ja genau, dass ihn sein Herrchen anbindet und verschwindet. Dieser verstoßene Hund versteht die Welt nicht mehr. Katzen, die in einer Wohnung gelebt haben, stehen unter großem Stress, wenn sie sich plötzlich im Wald oder in einem Pappkarton in der Kälte wiederfinden.

Das Aussetzen von Tieren ist ja strafbar, melden Sie die Fälle?

Großmann: Ja, wir melden jeden Fall. Mit Erschrecken stellen wir fest, für wie viele Menschen das Aussetzen offenbar ein akzeptabler Weg ist, ein Tier, dessen man überdrüssig geworden ist, loszuwerden. Ich kann nur an jeden Tierhalter appellieren, dass er die Verantwortung, die er für ein Lebewesen übernommen hat, nicht einfach zusammen mit dem Tier wegwirft. Und natürlich hoffen wir, dass möglichst viele Besitzer aufgespürt und zur Rechenschaft gezogen werden.

Diese Tiere wurden ausgesetzt

Interview: S. Stockmann

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