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Das Futter ist knapp: Die ehemaligen Laborschimpansen auf Monkey Island in Liberia sind auf mensch­liche Hilfe ­angewiesen.

Pharma-Firma will nicht mehr zahlen

Ausgesetzten Labor-Affen droht Hungertod

Monrovia - Eine Pharmafirma wollte sich um 66 mit Hepatitis infizierte, auf Inseln in Liberia ausgesetzten Labor-Schimpansen kümmern. Doch jetzt zahlt der Millionen-Konzern nicht mehr - und den Tieren droht der Tod.

Vor zehn Jahren tönte die US-Firma New York Blood Company: „Wir werden für unsere ehemaligen Laborschimpansen in Liberia sorgen. Das sind wir ihnen schuldig.“ Seit März fühlt sich die Firma, die im Jahr 450 Millionen Dollar Umsatz macht, an dieses Versprechen nicht mehr gebunden sie stellte sämtliche Zahlungen für ihre 66 Schimpansen ein. 27 000 Euro kostet es, die Affen zu versorgen. Die mit Hepatitis infizierten Tiere leben auf ihrem eigenen Planet der Affen – sie wurden auf sechs Inseln etwa 40 Kilometer nördlich der Hauptstadt Monrovia mitten im Farmington River ausgesetzt. Dort gibt es weder frisches Wasser noch natürliches Futter. Den Tieren droht ein jämmerlicher Hungertod.

Noch fahren jeden zweiten Tag ehemalige Tierpfleger aus dem Labor mit Speedbooten zu den Inseln, wo die Schimpansen ungeduldig am Ufer warten. Das Obst wird gierig gefressen, das Wasser durstig getrunken. Die Pfleger bekommen seit Monaten kein Geld, das Futter wird derzeit von der Human Society aus Liberia bezahlt. Allerdings sind die Portionen deutlich kleiner geworden.

Die New York Blood Company begann 1974 mit Tierversuchen in Liberia, das Unternehmen verdient sein Geld mit dem Verkauf von Blutkonserven und Blutprodukten. Es siedelte sein Labor dort an, wo es leicht an Schimpansen herankam. Man hielt gut 50 Schimpansen und züchtete in den nächsten 30 Jahren 1000 Babys für die Laborversuche! Die Affen wurden mit Hepatitis infiziert. Im Jahr 2005 wurden die Versuche beendet. 200 Affen lebten noch, sie wurden in Gruppen sozialisiert und auf den Inseln ausgesetzt. Zurzeit leben noch 66 Affen, darunter vier Jungtiere. Die hohe Sterberate wird in keinem Bericht des Vilab II. Island Sanctuary Projects, so der offzielle Name der Affeninseln, erklärt. Die Leiterin des Gut-Aiderbichl-Affen-Refugiums Gänserndorf, Renate Foidl, erklärt die vielen Sterbefällen mit Rangkämpfen und einem Mangel an gesundheitlicher Versorgung.

Affen können wegen ihres hohen Körperschwerpunkts nicht schwimmen, doch manchmal, bei Niedrigwasser, suchen sie im Schlamm des Flussufers nach Krabben. Dabei kam es auch zu Attacken auf Bewohner des Nachbardorfes. Die Pfleger, die die Tiere von früher kennen und denen sie vertrauen, können sich zum Füttern nähern. Doch Fremde werden mit Steinen beworfen oder attackiert.

Die Entscheidung der New York Blood Company die Affen unversorgt zu lassen, wurde im Juni bekannt und hat seitdem weltweite Proteste zur Folge. Wer helfen möchte, findet unter www.gut-aiderbichl.com eine Petition.

Schimpansen ohne Chance

Im Gut Aiderbichl Affen Refugium in Gänserndorf kümmern sich die Pfleger um 35 Schimpansen aus der Pharmaforschung. Die tz fragte die Leiterin Renate ­Foidl: Was machen die Schimpansen auf Monkey Island, wenn sie nicht mehr genügend Futter bekommen?

Renate Foidl: Diese Tiere sind abhängig vom Menschen, man kann sie nicht einfach ihrem Schicksal überlassen. Sie würden sich vermutlich gegenseitig angreifen. Vielleicht wären sie sogar in der Lage, selbst etwas zu fressen zu finden. Aber dort gibt es ja nichts. Nicht mal Wasser. Es haut mich um, dass diese Firma einfach aufhören darf, sich zu kümmern, und man sie nicht zwingen kann, diese Schimpansen weiter zu versorgen.

Ausgewildert wurden über 200 Schimpansen, jetzt leben noch 66.

Foidl: Es ist ganz klar, dass Schimpansen sterben, wenn sie ihrem Schicksal überlassen werden.Wir betreuen hier 35 Schimpansen. Viele Menschen glauben, mit füttern und Räume sauber halten, sei die Arbeit getan. Aber das ist ja das Wenigste. Diese Schimpansen brauchen immer eine Betreuung. Die Affen müssen lernen, Konflikte auszutragen und zu lösen. In freier Wildbahn gibt es Rangkämpfe und Streit, bei denen sich Tiere verletzen oder sogar töten, die Schimpansen lernen abzuwandern. Aber das ist auf einer Insel nicht möglich, irgendwo werden die Rivalen wieder aufeinandertreffen. Auf Monkey Island schützt niemand die schwächeren Tiere.

Heute war der Tierarzt im Affen Refugium in Gänserndorf, wie wichtig ist die Gesundheitsversorgung?

Foidl: Die ist immens wichtig. Gerade heute haben wir darüber gesprochen, dass die Tiere viel Wasser trinken müssen, wenn es heiß ist. Und wenn ich dann erfahre, dass die Schimpansen alle zwei Tage mal ein oder zwei Becher Wasser bekommen, dann ist das sicher zu wenig. Unsere Tiere sind alle geimpft, denn vielfältige Gesundheitsgefahren lauern in der Natur, die das Immunsystem von Laboraffen überfordern könnten. Natürlich können auch immer noch Krankheiten entstehen, die aus der Forschung resultieren. Das Wichtigste aber ist es, den Tieren zu helfen, ein soziales Miteinander zu lernen. Schimpansen leben im Familienverband, sie lernen voneinander. Von klein auf lernen sie z. B., mit Gefahren umzugehen. Oder wenn es ihnen nicht gut geht, lernen sie, welche Kräuter oder Pflanzen sie fressen müssen, damit es ihnen besser geht. Für viele hört es sich schön an, dass diese Affen auf ihren eigenen Inseln leben. Aber ich denke, diese Tiere wurden dort nur allein gelassen. Sie tun mir einfach sehr leid. Und jetzt kommt nicht mal mehr genügend Futter. Da fehlen mir einfach die Worte.

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