Gar nichteinfach mit Rückenproblemen: über ein kleines Hindernis steigen. 

Heute Tiermedizin: Therapie von Bandscheibenvorfällen

Mein Hund hat Rücken

München - Gerade noch fit und beweglich, von einem Moment auf den anderen ein Bild des Jammers: Jagddackel Leopold war gerade mit seinen Besitzerinnen zu einem Kurzurlaub in Niederbayern, als er plötzlich ein Bein nachzog und offensichtlich unter starken Schmerzen litt.

„Uns war sofort klar, dass es sich um etwas Ernstes handeln musste“, erinnert sich Leopolds Frauchen Manuela Gerend. Die Tierärztin vor Ort bestätigte ihren Verdacht. Leopold litt unter einem Bandscheibenvorfall.

  Eine Diagnose, die häufig gestellt wird. Bandscheibenvorfälle kommen vor allem bei älteren Hunden vor, aber auch junge Tiere sind nicht dagegen gefeit. „Die Bandscheiben bilden normalerweise einen elastischen Puffer aus Knorpel zwischen den Segmenten der Wirbelsäule“, erklärt Dr. Klaus Zahn, Gründer der Tierklinik Ismaning. „Bei großen, älteren Tieren wölben sie sich oftmals langsam über Jahre hinweg in den Wirbelkanal vor und verdrängen dort zum Teil das Rückenmark.“

Älteren Hunden bereitet dieser Prozess unter Umständen keine größeren Beschwerden. „Wenn Schmerzen auftreten, lassen sie sich bei milden Formen des Bandscheibenvorfalls erfolgreich mit Medikamenten behandeln“, so Zahn. Zusätzlich zu Schmerzmitteln erhalten die Hunde in der Regel Kortison, um Entzündungen einzudämmen.

  Anders ist es – wie in Leopolds Fall – , wenn die Bandscheibe plötzlich vortritt, reißt und das verkalkte Innere des Bandscheibenkerns in den Wirbelkanal drängt. Besonders häufig sind kleine Hunderassen wie Dackel, Pudel oder Malteser betroffen. Deswegen ist diese Störung auch unter „Dackellähme“ bekannt.

Die Ursache für einen solchen plötzlichen Bandscheibenvorfall können eine genetische Vorbelastung, Übergewicht, mangelnde körperliche Aktivität,   übermäßiges Herumspringen oder einfach nur eine plötzliche starke Bewegung sein. „Lahmt das Tier, obwohl es eben noch uneingeschränkt laufen konnte, sollten die Besitzer so schnell wie möglich einen Tierarzt aufsuchen“, rät der Tierarzt Klaus Zahn. Werden die neurologischen Ausfälle nicht unverzüglich behandelt, sterben unter Umständen Nerven ab, sodass die Beweglichkeit nicht wieder hergestellt werden kann.

Jagddackel Leopold wurde keine 24 Stunden nach dem Auftreten der ersten Beschwerden in der Tierklinik Ismaning vorgestellt – zu diesem Zeitpunkt waren seine Hinterbeine schon vollständig gelähmt. Die Untersuchung im Computertomografen erhärtete den Verdacht des chirurgischen Teams. Sofort kam Leopold in den OP. „Wir entfernten  mikrochirurgisch das vorgefallene Bandscheibenmaterial“, berichtet Zahn. Die Operation auf engstem Raum erfordert Geschick, weil das empfindliche Rückenmark nicht noch mehr geschädigt werden darf.

  Nicht immer führt so ein Eingriff zum gewünschten Ergebnis. Manchmal ist die Funktion des Rückenmarks nicht wiederherzustellen – zum großen Leidwesen der Besitzer. Leopold hatte dagegen Glück: Schon am Tag  nach der OP begann er, seine Beine wieder zu bewegen. Nach und nach lernte er wieder zu laufen.

Günstig für den Heilungsprozess wirkte sich das Engagement seiner Besitzerinnen aus, die unter der Anleitung einer Tier-Physiotherapeutin regelmäßig mit dem Dackel trainierten. Zunächst brauchte Leopold noch eine spezielle Gehhilfe, doch schon nach wenigen Wochen konnte er seine vier Beine wieder belasten, sodass seine Heilungsaussichten ausgezeichnet sind.

Symptome

- Voranschreitender Bandscheibenvorfall: Über mehrere Tage hinweg scheint sich das Wesen des Tieres zu verändern. Es ist reizbar, apathisch und hat wenig Appetit. Oft reagiert der Hund empfindlich auf Berührungen. Ist die Halswirbelsäule betroffen, vermeidet das Tier jegliche Bewegung des Kopfes. Ein schwankender Gang, gekrümmter Rücken und eingezogener Bauch deuten auf einen Vorfall der Brust- oder Lendenwirbelsäule hin.

- Akuter Bandscheibenvorfall: Das Tier jault plötzlich auf, nachdem es beispielsweise gerade hochgesprungen ist. Manchmal beißt es in Panik um sich, wenn sich ihm Menschen nähern. Innerhalb kürzester Zeit verliert es die Kontrolle über seine hinteren Beine, im schlimmsten Fall auch über die Harnblase und den Darm.

So werden die Muskeln kräftiger

Die Muskulatur des Hundes sollte nach einem Bandscheibenvorfall gestärkt werden. Eine Möglichkeit ist das Training auf dem Unterwasser-Laufband. Dabei wird das Eigengewicht des Tieres vom Wasser getragen. So kann der Hund gelenkschonend seine Koordination üben und Kraft aufbauen.

Nach einem operativen Eingriff am Rücken empfiehlt Katharina Sievert, die Physiotherapeutin der Tierklinik Ismaning, außerdem eine sanfte passive Übung: Dabei hebt der Besitzer den Hund wiederholt an der Hüfte ein wenig an und sofort wieder ab, sodass die Hinterbeine leicht auf dem Boden klopfen. „Auf diese Art wird das Tastempfinden und die Koordination gestärkt“, sagt Sievert (Foto).

Sinnvoll ist auch das Training mit Cavaletti: Dabei geht der Hund langsam über einen Besenstiel, der am Boden liegt. Für Tiere mit Rückenproblemen ist dies gar nicht so einfach! Sobald der Hund etwas sicherer geht, kann der Besenstiel etwas höher gelegt werden – beispielsweise, indem der Besitzer an den Enden je ein Taschenbuch unterlegt. Bei allen Übungen gilt: Nichts darf erzwungen werden, der Hund sollte sich konzentrieren können und Spaß dabei haben. Lieber fünf Minuten zu früh als zu spät aufhören!

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