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Wolfgang Kasimir.

Sämtliche Titel gewonnen

Er ist der beste Kanarienvogelzüchter der Welt

Leiferde - Bei Kanarienvogelzüchter Wolfgang Kasimir sitzen Weltmeister, Europameister und Deutsche Meister in den Käfigen. Ihm gelang, was vorher wohl noch niemand schaffte: Mit seinen Vögeln holte er in nur einem Jahr sämtliche Titel.

Der Ex-Weltmeister aus Käfig Eins lässt sich etwas hängen. Leicht vornübergebeugt sitzt er auf seiner Stange. Vielleicht, weil er so mit seiner an die Beatles erinnernden Pilzkopf-Frisur die anderen Käfige besser sieht. Oder es ist gerade der Blick auf die Konkurrenz, der den Kanarienvogel so betrübt dreinschauen lässt. Denn im Vogelhaus von Wolfgang Kasimir im niedersächsischen Leiferde reihen sich Weltmeister, Europameister und Deutsche Meister aneinander. Das Gefieder herausgeputzt, bereit für den nächsten Titel.

Kasimir ist so etwas wie der König der Kanarienvogelzucht. Ihm gelang, was laut Angaben des Deutschen Kanarien- und Vogelzüchter-Bunds (DKB) bisher noch niemand schaffte: In einem Jahr siegte er bei sämtlichen Wettbewerben - angefangen bei der Landesmeisterschaft, über die Bundes- und Europaebene bis hin zum Weltmeistertitel 2015 gewann der 61-Jährige alles.

Wenn er darüber spricht, schmunzelt er. Denn woran andere Jahrzehnte ihres Lebens arbeiten und dann doch nicht ganz schaffen, gelang ihm in weniger als zehn Jahren. Erst 2006 begann er mit der Zucht. 2009 kam dann die erste Meisterschaft, nicht die Vereinsmeisterschaft, sondern direkt die Europameisterschaft in der Slowakei. „Ich bin den Weg quasi andersherum gegangen und habe direkt die zweithöchste Hürde genommen“, erzählt Kasimir. Sein Ergebnis: dreifacher Europameister.

Seitdem ist er Teil der Weltspitze und das obwohl er nach eigenen Angaben zu denen mit der geringsten Anzahl an Vögeln gehört. 90 Vögel unterschiedlicher Kanarienarten besitzt Kasimir. Darunter sind sowohl die klassischen kleinen Gelben, aber auch handgroße Pariser Trompeter mit besagtem Pilzkopf und allerlei anderen Wirbeln und Wuscheln. Gemeinsam haben die Tiere einen ungefähren Wert von 10 000 Euro, schätzt Kasimir.

Seine Tricks für den Erfolg verrät der Züchter nicht. „Jeder hat sein Geheimrezept. Ich gebe Tipps und helfe, aber das I-Tüpfelchen behalte ich für mich.“ Viel Fachwissen sei nötig, auch über Vererbungslehre. Mit der Romantik hat der Züchter dagegen wenig am Hut: Jedes Jahr im Februar am Valentinstag, dem Tag der Verliebten, trennt er seine Vogelpaare und lässt sie erst zwei Wochen später wieder zusammen. Kurz darauf liegen dann die ersten winzigen Eier im Nest. Momentan wartet Kasimir auf die ersten Küken.

Hauptberuflich arbeitet der 61-Jährige bei einem Sicherheitsdienst. „Schutz von Veranstaltungen, Gebäuden und so was“, erklärt er. „Da muss man auch mal grob werden können.“ Bei den Vögeln ist dagegen Feingefühl gefragt. „Das ist mein Ausgleich zum Job“, sagt Kasimir. Dann stellt er sich zum Beispiel mit einer Sprühflasche voll Wasser vor die Käfige und macht das Gefieder der Vögel nass. „Das regt die Tiere an, sich zu putzen und das tut dem Federkleid natürlich gut.“

Demnächst geht Kasimir in den Ruhestand und hat noch mehr Zeit, sich um seine Vögel zu kümmern. Gerne würde er sein Wissen an seine Kinder oder Enkel weitergeben. Aber die hätten bislang eher wenig Interesse gezeigt. Damit ist er nicht alleine. „Es kommen keine jungen Leute mehr dazu“, sagt der niedersächsische Landesvorsitzende des DKB Ulrich Völker. Deutschlandweit verliert der Verband 200 Mitglieder jährlich. Momentan seien noch 7500 Vögelzüchter im DKB organisiert.

Weltweit ist die Zucht jedoch beliebt. Länder wie Holland oder die Türkei seien besonders weit vorne, sagt Kasimir. Aber auch in Uruguay oder auf dem Balkan gibt es Züchter. Im Herbst gehen die Meisterschaften wieder los. Kasimir geht mittlerweile entspannt an die Wettbewerbe. „Man strengt sich an und will sich ja auch immer verbessern. Aber das geht ja bald gar nicht mehr“, sagt er und schmunzelt wieder.

dpa

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