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26 Nashörner schossen deutsche Jäger in Afrika.

Alarmierende Studien aus Afrika, aber:

Bundesamt winkt Anträge durch: Freibrief für deutsche Jäger

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München - In vielen Ländern ist die private Jagd auf Großwildtiere erlaubt, und dank großzügiger deutscher Behörden können sich deutsche Trophäenjäger sicher sein, dass sie Trophäen mit heimnehmen können.

Löwen, Nashörner, Eisbären und Elefanten sind geschützt. Sie dürfen gar nicht oder nur unter Auflagen gehandelt werden, sind zum Teil vom Aussterben bedroht. So schrumpft der Bestand der Nashörner dramatisch. Aber auch die Löwen werden immer weniger (siehe unten). Dennoch wird mit der Jagd große Kasse gemacht: In vielen Ländern ist die private Pirsch auf Großwildtiere erlaubt, und dank großzügiger deutscher Behörden können sich deutsche Trophäenjäger sicher sein, dass sie Schädel, Stoßzähne und Felle mit heimnehmen können. Das zuständige Bundesamt für Naturschutz hat in den letzten zehn Jahren die Einfuhr von über 1600 Trophäen von eigentlich streng geschützten Arten genehmigt – darunter 323 Elefanten und 417 Leoparden. Allein in den letzten sechs Monaten wurden ein Eisbär, 18 Flusspferde, 13 Löwen, 20 afrikanische Elefanten und ein Breitmaulnashorn nach Deutschland importiert.

Drei Anträge bezüglich Elefanten sind noch offen, darunter befinden sich vermutlich die rekordverdächtigen Stoßzähne des 50 Jahre alten Elefantenbullen Ncombo, der kürzlich von einem Deutschen in Simbabwe niedergestreckt wurde. Umgerechnet über 50 000 Euro hatte der Jäger für sein Urlaubsabenteuer gezahlt, nun wartet er darauf, mit den je über 50 Kilo schweren Stoßzähnen prahlen zu können. Für den Abschuss eines Breitmaulnashorns muss man 35 000 Euro hinlegen, ein Löwe kostet zwischen 18 000 und 54 000 Euro. Warum unterstützen deutsche Behörden diese Praxis? Zumal die Trophäenjagd in Deutschland gegen das Tierschutzgesetz verstößt. Die tz fragte die Biologin Daniela Freyer von der Organisation Pro Wildlife.

Eine Prüfung findet nicht statt

Was nehmen die Elefantenjäger mit nach Hause?

Daniela Freyer: Die Stoßzähne natürlich, je größer sie sind, desto besser. Aber viele bringen auch den Schädel, die Ohren, den Schwanz oder die Füße mit. Elefantenfüße werden klassischerweise zu Hockern oder Mülleimern verarbeitet. Der Jäger kann sich die Einfuhr aller gewünschten Körperteile genehmigen lassen, er muss das in seinem Antrag nur genau aufführen.

Warum erlauben die Behörden die Einfuhr von Trophäen?

Daniela Freyer: Der Handel mit den streng geschützten Arten ist verboten, aber für Jäger gibt es Ausnahmen für den persönlichen Gebrauch. Der Jäger darf die Trophäe nicht verkaufen, aber er darf sie daheim aufhängen. Vor der Genehmigung muss das Bundesamt für Naturschutz eine sehr strenge Überprüfung vornehmen.

Meinen Sie das ironisch?

Daniela Freyer: Laut Papier ist das so. Da gibt es vier Grundanforderungen und weitere Richtlinien, also eine umfangreiche Liste, die abgeprüft werden sollte. Es geht dabei hauptsächlich um die Legalität der Jagd im Ausland und die Nachhaltigkeit. Leider genügt es dem Bundesamt für Naturschutz als Legalitätsnachweis, wenn das Jagdland eine Ausfuhrgenehmigung ausgestellt hat. Dabei gibt es in vielen dieser Länder keine Kontrollen, ob das Tier wirklich in dem Gebiet erlegt wurde, für das es eine Genehmigung gab. Der Löwe Cecil ist ja wie unzählige Tiere vor ihm aktiv aus einem Schutzgebiet herausgelockt worden. Auch Elefanten werden aus Schutzgebieten herausgelockt, als Köder nimmt man Melonen. Es gibt viele Studien über gejagte Populationen, die zeigen, dass die Arten sehr unter der Jagd leiden. Wir fragen uns schon, warum diese Erkenntnisse kaum berücksichtigt werden.

Vielleicht ist das noch nicht in die Richtlinien eingeflossen?

Daniela Freyer: Leider doch. Die EU trifft sich alle drei Monate als wissenschaftliche Prüfgruppe, um über Einfuhrverbote zu beraten. Im September stand die Löwenjagd in Tansania auf der Tagesordnung. Es gibt Studien, die belegen, dass diese Jagd sehr schädlich ist. Obwohl Wissenschaftler warnen, dass die Anzahl der Männchen mit Löwenmähnen durch die Jagd zurückgegangen ist, hat man die Trophäeneinfuhr wieder erlaubt. Auch Deutschland hat dem zugestimmt.

Fünf Anträge wurden in zehn Jahren abgelehnt, wissen Sie, um welche Tiere es sich dabei gehandelt hat?

Daniela Freyer: Es ging um Einfuhren von Wolf und Bär, also europäische Arten – kein einziger Elefant, kein einziger Löwe.

Wie kann man den Trophäenjägern den Spaß nehmen?

Daniela Freyer: Wir fordern ganz klar ein Einfuhrverbot für gefährdete Arten. Dafür wäre eine Gesetzesänderung nötig. Jäger möchten ja ihre Trophäe mit nach Hause nehmen, bisher können sie sehr sicher sein, dass das Bundesamt ihren Antrag genehmigt.

Infos: www.prowildlife.de

Immer weniger Löwen

Der König der Tiere ist in Gefahr: Besonders in West- und Zentralafrika verschwinden die Löwen. Regional sind die Raubtiere sogar schon vom Aussterben bedroht. Und auch dort, wo es noch Löwen gibt, werden die Mähnenlöwen immer weniger. Das liegt laut der Biologin Daniela Freyer von Pro Wildlife daran, dass die Trophäenjäger es fast immer auf die Männchen und oft auf die Tiere im besten Fortpflanzungsalter abgesehen haben. Stirbt das ranghöchste Männchen, wird sein Nachfolger den ganzen Nachwuchs töten. Das schädigt die Löwenpopulationen auf Dauer.

sus

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