+
Der Circus Krone ist regelmäßig Ziel von Demonstranten.

Zirkus ohne Tiere?

Circus Krone antwortet auf Vorwürfe von Tierrechtlern

Der klassische Zirkus besteht aus spektakulären Tiernummern, atemberaubender Akrobatik und lustigen Clowns – doch ist das Vorführen von wilden Tiere in der Manege noch zeitgemäß?

Im vergangenen Jahr forderte der Bundesrat erneut den Bundestag auf, die Auftritte von Elefanten, Großbären, Giraffen, Nashörnern, Nilpferden und Affen generell zu verbieten. Fast überall, wo Zirkusse mit Tieren auftreten, formieren sich Proteste. Auch der Circus Krone ist regelmäßig Ziel von Demonstranten. Etwa 100 exotische Tiere – von Elefanten, Löwen, Zebras bis zum Nashorn – leben im Winter mitten in München und gehen im Sommer auf Tour. Juniorchefin Jana Mandana und Pressesprecher Frank Keller antworten auf die Vorwürfe der Tierschutzorganisationen.

Vorwurf 1: Zu lasche Gesetze

Demonstranten vor dem Circus.

Tierschutzorganisatonen wünschen sich strengere Gesetze, die mehr Platz für jedes Tier und bei Verstößen gegen Leitlinien mehr Möglichkeiten für Behörden vorsehen, Tiere zu beschlagnahmen. Dies wünschen sich zum Teil auch Jana Mondana und Frank Keller, sie sagen jedoch: „Die Gesetze sind gut. wir werden ständig kontrolliert. Wir begrüßen das. So zeigen wir, dass es unseren Tieren gut geht und das ist ja auch zu unserem Schutz.“ Halter von Wildtieren benötigen in Deutschland einen Sachkundenachweis. Der Circus Krone setzt sich dafür ein, dass dieser Nachweis nur noch befristet gilt. Dann würden überforderte Tierhalter schneller auffallen.

Vorwurf 2: Manche Tiere sind nicht geeignet

Der Löwe beim Mähnenbürsten.

Elefanten haben ein komplexes Sozialleben, Tiger sind eher Einzelgänger. Schlangen verfügen über hochsensible Sinne: Die allermeisten Wildtiere haben besondere Ansprüche, die ein Zirkus, besonders einer auf Wanderschaft, einfach nicht erfüllen kann. Davon sind viele Tierschützer überzeugt. Der Circus Krone hat dazu eine andere Meinung: „Es ist nie unmöglich, einem Tier gerecht zu werden. Es ist mal mehr, mal weniger aufwendig und teuer.“ Elefanten bekommen einen Auslauf, der mit einem Zwölf-Volt-Weidezaun gesichert ist. Die Pferde leben im mobilen Boxenstall, mit jeweils eigenem Außenpaddock. Wenn Seelöwen mit auf Reisen gehen, muss der 100 000-Liter-Pool jedes Mal aufgefüllt und abgelassen werden. Zum größten Teil arbeitet der Circus Krone mit eigenen Tieren, Tierlehrern, Tierpflegern und Tierärzten.

Vorwurf 3: Transporte sind purer Stress

In den Sommermonaten zieht der Zirkus jede Woche einmal um. Das ist für die Tiere purer Stress, sagen Zirkuskritiker. Frank Keller vom Circus Krone verweist auf Studien an der Uni Freiburg, die von dem Zirkus in Auftrag gegeben wurden: Dabei wurden Konzentrationen vom Stresshormon Cortisol im Speichel gemessen. Die Ergebnisse zeigten, dass die Tiere entspannt waren. Jana Mandana: „An Reisetagen müssen wir eine umfangreiche Logistik schaffen. Das geht nur, wenn alle Tiere gern in die Transporter gehen und keine Angst vor der Fahrt haben. Ich verlade in zehn Minuten 30 Pferde. Wir können nicht eine Stunde warten, bis der Elefant endlich in den Wagen geht. Unsere Tiere sind das Reisen von klein auf gewöhnt, sie verbinden damit nichts Schlechtes. Es ist nicht möglich, Elefanten zwanzigmal zu etwas zu zwingen.“

Vorwurf 4: Langweile

Frank Keller, Pressesprecher Circus Krone.

Der Vorwurf: Wenn sie nicht auftreten, sind Zirkustiere oft lange in enge Gehege gesperrt, ohne große Abwechslung. Frank Keller sagt: „Früher wurden Tiere mitgenommen, die nur zur Schau gestellt wurden. Das ist heute anders: Wir haben nur Tiere, die auftreten.“ Alle trainieren jeden Tag, sie werden regelmäßig ärztlich versorgt, und die Tierpfleger kümmern sich. Da die Programme wechseln, müssen auch die Tiere neueNummern lernen. Das fordere sie ständig.

Vorwurf 5: Nicht zeitgemäß

Passt das Reiten auf Elefanten, das Schmusen mit Löwen noch in unsere Zeit? Jana Mandana: „Es ist doch so: Jeder, der ein Tier hat, muss es einfach gut machen – im Großen wie im Kleinen. Wir behandeln unsere Tiere mit großem Respekt. Jeder sollte selbst entscheiden, ob er Tiere im Zirkus sehen will, und nicht blind Parolen glauben. Jeder kann unseren Zoo, unsere Proben und Vorstellungen besuchen und sich ein Bild machen. Wer dann sagt: Ich brauche keine Elefanten im Zirkus. Ok. Doch ich will nicht als Tierquälerin beschimpft werden.“

Kleiner Tiger "Elsa": Zirkusfamilie zieht Raubkatze auf

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Von wegen wild: Pferdegeschichte wird umgeschrieben
In den Steppen der Mongolei leben seit einigen Jahren wieder Exemplare der fast ausgestorbenen Przewalski-Pferde. Eine neue Studie zeigt: Echte Wildpferde sind sie nicht.
Von wegen wild: Pferdegeschichte wird umgeschrieben
Joggingdistanz bei Hunden nur langsam steigern
Manche Jogger nehmen gerne ihren Hund mit. Wer damit am Anfang steht, sollte eins wissen: Laufen ist für Hunde anstrengend. Deshalb sollte man langsam beginnen.
Joggingdistanz bei Hunden nur langsam steigern
Wie gefährlich sind Katzen für Vögel?
Katzen sind anschmiegsam, eigenständig und sehr gute Jäger. Ihre Besitzer lieben sie, Vogelfreunde dagegen weniger. Wie sehr schaden die Vierbeiner der Vogelwelt …
Wie gefährlich sind Katzen für Vögel?
Mollys werden bei guter Pflege sechs Jahre alt
Wie alt ein Zierfisch wird, hängt von der Art und den Umweltbedingungen ab. Gute Chancen auf ein langes Leben haben etwa Mollys. Vorausgesetzt, sie erhalten die richtige …
Mollys werden bei guter Pflege sechs Jahre alt

Kommentare