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Walbaby Mimi wurde nach der Geburt an Land gespült

Wie Walbaby Mimi gerettet wurde und dann doch starb

Deutsche Wale in Seenot

Er sieht aus wie der kleine pummelige Bruder des Delfins, und ist so scheu, dass viele gar nicht wissen, dass in Deutschlands Meeren Wale herumschwimmen!

Schweinswale leben in Nord- und Ostsee. Dort paaren sie sich auch und bringen ihre Jungen zur Welt. Doch die rund 1,60Meter kleinen Meeressäuger sind besonders in der zentralen Ostsee vom Aussterben bedroht: Sie ersticken in Fischernetzen, der zunehmende Unterwasserlärm macht sie krank und vertreibt sie aus ihrer Walheimat. Zwar sind seit Jahren Schutzgebiete für Schweinswale ausgewiesen, allerdings ohne verbindliche Regelungen, was dort verboten ist. Diese Regelungen sollten bis Ende des Jahres erarbeitet werden, aber noch blockieren sich die zwei Ministerien. Das macht es sogar möglich, dass für 2015 vor Rügen der Einsatz von Seismik für die Suche nach Öl- und Gasvorkommen genehmigt wurden – in Gebieten mit vielen Walsichtungen.

Ein Walschicksal rührte im Sommer 2011 ganz Deutschland: Gleich nach der Geburt hatte das Walbaby Mimi bei stürmischem Wind und rauer See den Kontakt zur Mutter verloren und war an die Küste bei Dierhagen (Mecklenburg- Vorpommern) angespült worden. Clevere Bauarbeiter setzten das 75 Zentimeter lange Tier, an dem sogar noch die Nabelschnur hing, in eine mit Wasser gefüllte Baggerschaufel. Nach zwei Tagen hatte sich das Meer beruhigt, und das Walkalb wurde von einem Boot aus ausgesetzt und schwamm rasch davon. Die größte Sorge der Wissenschaftler war, dass das Tier seine Mutter nicht wieder findet.

Waljunge werden neun Monate lang gesäugtundkönnenalleinnicht überleben. Zehn Wochen später wurde Mimi erneut gefunden: Das Tierkind war gut genährt und gewachsen, es hatte seine Mutter gefunden und war über Wochen mit ihr durch das Meer geschwommen. Doch jetzt war Mimi tot: Der Wal hatte sich in einem Stellnetz verheddert und war erstickt.

Geschätzte 10 000 Kilometer Stellnetze werden jährlich entlang der deutschen Küstengewässer im Boden verankert. Das muss man sich vorstellen wie eine circa drei Meter hohe Unterwasserwand. Die Netze haben so große Maschen, dass die kleinen Fische hindurchschwimmen und der Beifang an Fischen gering bleibt. Für die Schweinswale jedoch, die sich anhand von Klicklauten orientieren, bleiben die feinen Nylonfäden offenbar unsichtbar. Die Fäden werfen kaum Schall zurück.

Das Labyrinth auf dem Meeresgrund wird für Hunderte Tiere jährlich zur Todesfalle. Fabian Ritter von der Whale and Dolphin Conservation (WDC): „Man sieht die Abdrücke der Netze an den Kadavern. Sie lassen den Todeskampf der Tiere erahnen.“

Es gibt Forderungen, die Stellnetze in den Schutzgebieten zu verbieten, damit Schweinswale dort sicher jagen können. Bisher ist es so, dass in den Schutzgebieten an vielen Stellnetzen kleine Piepsgeräte (Pinger) sitzen, die Wale vergrämen– dieTiereschwimmen weg, doch wie absurd ist es, die Tiere aus Schutzgebieten zu vertreiben?

BETTINA KELM

„Die Wale brauchen endlich Schutz“

Wie viele Wale enden als Beifang?

Ritter: Wir reden von vielen Tausend Tieren in europäischen Gewässern. Genaue Zahlen haben wir nicht, es werden an den deutschen Küsten jährlich bis zu 200 Tiere angespült, wir schätzen dass davon 50 bis 80 Prozent in den Stellnetzen gestorben ist. Aber es gibt keine Statistik, und nicht jeder Fischer, der einen Wal findet, meldet dies. Wir haben schon Wale gefunden, denen ein Ziegelstein an die Schwanzflosse gebunden wurde. Da sollte etwas vertuscht werden. Viele Fischer fürchten Schwierigkeiten, wenn sie tote Wale melden.

Inwiefern macht Lärm die Wale krank?

tz-Interview mit

Fabian Ritter

WDC-Kampagnenleiter Walheimat

Ritter: Beim Bau von Windkraftanlagen im Meer werden die Fundamente mit einem gigantischen hausgroßen Hammer in den Untergrund gerammt. Das ist mit das Lauteste, was der Mensch im Meer veranstaltet. Studien zeigen, dass, wenn sich ein Schweinswal in unmittelbarer Nähe von so einer Baustelle aufhält, er durch den Lärm schwer geschädigt wird oder sogar stirbt. Sein Gehörsinn ist so empfindlich, dass diese Lautstärken ihn unwiederbringlich zerstören. Ohne Orientierung stirbt der Wal. Daher vergrämt man die Wale vor den Arbeiten mit unangenehmen Geräuschen aus der näheren Umgebung. Der Schall ist jedoch in einem Radius von zehn bis 20 Kilometern so laut, dass alle Schweinswale aus dem Gebiet vertrieben werden.

Welche Schutzmaßnahmen befürworten Sie?

Ritter: Wir fordern zunächst, den Schweinswal in allen EU Ländern gleichermaßen unter Schutz zu stellen. Denn er ist z. B. in England nicht geschützt, um dort weiter ungehindert Windkraftanlagen bauen zu können. Es gibt den Vorschlag der Bundesregierung, die Fischerei teilweise in den Schutzgebieten zu verbieten. Aber ob dies umgesetzt wird, ist absolut ungewiss. Wir fürchten, dass es nur schwache Schutzklauseln geben wird. Bis Ende November muss laut EU-Recht ein Managementplan für die deutschen Schutzgebiete in der AWZ erlassen werden. Da ist man arg im Verzug. Das Ministerium für Landwirtschaft und Fischerei und das Umweltministerium sind sich nicht einig, was in den Plänen stehen soll. Seit Monaten ist dort nichts passiert.

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