Das gefährlichste Tier Deutschlands: Die Zecke.

Wie groß ist das Risiko durch Zeckenbisse wirklich?

Deutschlands gefährlichstes Tier

Die Zecke ist das gefährlichste Tier Deutschlands! Kein anderes Tier verursacht hierzulande jährlich so viele Erkrankungen. So lautet das Resümee eines Kongresses der Uni Hohenheim.

Im vergangenen Jahr erkrankten in Deutschland 427 Menschen an der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). In Risikogebieten wird zu einer Impfung geraten. Keine Vorsorge, aber Antibiotika helfen gegen die weit häufiger übertragene Lyme-Borreliose. Diese Krankheit ist nicht meldepflichtig. Geschätzt wird, dass zwischen drei und 25 Prozent der Bevölkerung bereits von einer infizierten Zecke gebissen wurden.

Zecken überwintern im Boden. Wird es wärmer, das heißt so ab fünf, sechst Grad Celsius, werden sie wieder aktiv und beginnen mit der Suche nach einer Mahlzeit – sie brauchen Blut. Dabei sind die Tiere äußerst geduldig. Sie suchen sich eine eher warme, feuchte Stelle und krabbeln auf Grashalme, setzen sich ins Unterholz oder halten sich an den feinen Ästchen im Gebüsch fest. Und dann warten sie.

Tiere riechen ihr Opfer

Die Tiere riechen ihr Opfer: allerdings nicht mit der Nase, sondern mit dem Vorderbein! Dort sitzt das Hallersche Organ, das im Schweiß enthaltene Stoffe wie Buttersäure, Ammoniak und Kohlendioxid registriert. Um besser riechen zu können, strecken die kleinen Lauerjäger ihre Vorderbeine in die Höhe.

Sie lassen sich nicht, wie oft behauptet, von Bäumen auf Menschen herabfallen. Man streift sie vielmehr ab, wenn man beispielsweisedurcheinGebüschgeht. Deshalb haben Hunde oder Katzen auch häufiger Zecken. Wenn ein Wirt naht, halten sie sich beim Vorbeistreifen blitzschnell an Haut, Fell oder Kleidung fest.

Wer von einer Zecke erwischt wurde, bekommt meist Angst, sich infiziert zu haben. Es gibt keine genauen Zahlen, wie hoch das Risiko ist, nach einem Zeckenstich eine Borreliose zu bekommen. Nach Schätzungen erkankt in Deutschland etwa einer von 100 Menschen nach einem Stich an Borreliose. Wer nach einem Waldspaziergang, den Körper absucht und Tierchen findet, kann entspannen: Die Erreger werden erst im Laufe der Mahlzeit übertragen. Um das Blut verdauen zu können, filtert die Zecke die für sie nahrhaften festen Bestandteile des Blutes heraus. Überschüssige Flüssigkeit gibt sie über ihren Stechapparat an den Wirt zurück. Dieser Vorgang wiederholt sich während der gesamten Saugdauer. Dabei können Erreger übertragen werden, die sich im Darm der Zecke befinden, wie zum Beispiel die Borrelien. In Bayern erkranken schätzungsweise jährlich rund 10 000 Menschen an Borreliose

Nur wenige Zecken tragen das Virus

Wesentlich geringer ist die Gefahr, eine Frühsommer-Meningitis zu bekommen. Nur wenige Zecken tragen das Virus. In Norddeutschland gibt es kaum infizierte Zecken. Risikogebiete sind Baden- Württemberg und weite Teile Bayerns, wobei die Landkreise um München noch nicht dazu zählen. Risikogebiet bedeutet, dass bis zu fünf Prozent der Zecken mit dem Virus infiziert sind. Es besteht eine Impfempfehlung.

Menschen empfinden Zecken also als lästig bzw. haben Angst vor ihnen. Christine Klaus vom Friedrich- Loeffler-Institut in Jena rät zur Gelassenheit: „Man muss sich mit den Zecken arrangieren wie mit jedem anderen Risiko auch.“ Professor Roland Melzer von der Zoologischen Staatssammlung in München sagt auf die Frage, ob Zecken in irgendeiner Form nützlich sind: „Für den Menschen ganz bestimmt nicht. Und ehrlich gesagt, fällt mir jetzt nicht einmal ein Tier ein, das Zecken frisst. Also haben sie wohl auch in der Nahrungskette keine besonders wichtige Funktion – außer der als Parasiten.“

Holzböcke können mehrere Jahre alt werden, leider sieht man den Tieren ihre Jahre nicht unbedingt an der Größe an. Denn die Unterschiede sind für das menschliche Auge nicht auf den ersten Blick sichtbar. Das ist schade: Denn je älter die Tiere sind, desto größer ist die Gefahr, dass sie bereits mit Borrelien und/ oder dem Erreger der Frühsommer-Meningitis infiziert sind. Zecken können längere Zeit fasten. Der Experte Melzer: „Ohne Blutmahlzeit können die Tiere ein ganzes Jahr aushalten.“

Doch so zäh die Tiere auch sind, wenn sie an Menschen geraten, haben sie meist verloren. Entweder sie werden mit der Zeckenzange entfernt und getötet, oder sie trocknen aus. Die Wissenschaftlerin Christine Klaus: „Der Mensch trägt dieZecke in seine Wohnung, und dort kann sie wegen mangelnder Luftfeuchtigkeit in der Regel nicht überleben. Sie trocknet aus, fällt ab und landet im Staubsauger. Der Mensch ist für die Zecke eine Fehlentscheidung.“

SUS

Typisch Tier

- Zecken sind keine Insekten, sondern Spinnentiere. Erwachsene Tiere haben acht Beine, einen rundlichen Körper und werden wenige Millimeter groß.

- Der Gemeine Holzbock ist die in Europa häufigste Zeckenart. Er ist blind, ernährt sich vorwiegend vom Blut von Nagetieren sowie von Rehen und Rotwild. Im Blut dieser Tiere können Krankheitserreger vorkommen, die sich auf die saugende Zecke übertragen und von ihr später an Menschen weitergegeben werden können.

- Zecken stechen meist nicht sofort, sondern krabbeln manchmal mehrere Stunden am Körper umher. Sie bevorzugen weiche Körperstellen, wie hinter den Ohren oder in Hautfalten.

- Die Zecken ritzen mit den Mundwerkzeugen die Haut, verankern sich mit ihrem Stechapparat in der Wunde und saugen sich mit Blut voll. Eine Blutmahlzeit kann bis zu zwei Wochen dauern. Ist die Zecke satt, fällt sie vom Wirt ab.

- Ein vollgesaugtes Tier kann 200-mal so viel wiegen wie hungrige Zecken.

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