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Harambe (17) galt als friedfertig, intelligent und neugierig.

Schützt die Zootiere vor den Menschen

Drama um Gorilla Harambe: Diskussion über seinen Tod

Wenn in einem Zoo ein Gehege gebaut und umgestaltet wird, steht die Sicherheit an oberster Stelle – die der Besucher. Die Tiere, besonders die für Menschen gefährlichen, müssen ausbruchsicher eingesperrt sein. An die Sicherheit der Tiere wird kaum gedacht.

Dabei kommt es gar nicht selten vor, dass Kinder in Gehege stürzen oder dass Erwachsene aus irrer Liebe oder in Selbstmordabsichten in Raubtiergehege einbrechen. So etwas endet meist tödlich – für das Tier. Vergangene Woche starb der junge Silberrücken Harambe einen sinnlosen Tod, weil ihn niemand vor den Menschen geschützt hatte.

Als der dreijährige Isiah im Zoo von Cincinnati auf der Besuchertribüne vor dem Gorillagehege die niedrige Absperrung überkletterte, hatte Harambe gerade noch zehn Minuten zu leben. Der Bub robbte einige Meter durch die Büsche und stürzte fünf Meter tief in den Wassergraben. Harambe musste sterben, weil er sich ganz normal verhalten hat. Gorillas sind nicht aggressiv, man nennt sie ja auch die sanften Riesen. Der 17-jährige Harambe galt als besonders intelligent und neugierig. Er war vor zwei Jahren in den Zoo gekommen und mit zwei Weibchen vergesellschaftet worden. Der Tierpark hoffte auf baldigen Nachwuchs.

In seinem vorherigen Zuhause, einem Tierpark in Texas, war Harambe von Hand aufgezogen worden. Sein damaliger Pfleger hat immer noch Vatergefühle für seinen Schützling und brach in Tränen aus, als er später die Fernsehbilder sah: Harambe näherte sich dem Buben neugierig, der in sein Revier geplumpst war. Er inspizierte ihn, brachte das Kind in eine Ecke des Wassergrabens und stellte sich schützend davor. Alle Verhaltensforscher sind sich einig, dass der Gorilla nicht aggressiv war. Die Schreie der Besucher irritierten ihn, aber in erster Linie ist er interessiert an der unerwarteten Abwechslung in seiner täglichen Routine und beginnt zuspielen: Er zieht Isiah an einem Bein durchs Wasser. Das ist ein übliches Spiel, Gorillababys nutzen den Schwung, um auf den Rücken des Erwachsenen zu klettern. Isiah reagierte natürlich panisch und heulte auf. Seine Mutter antwortete mit lauter schreiender Stimme. Harambe schaute sich irritiert um. Das war der Zeitpunkt, als Zoo Direktor Thane Maynard befahl, das wertvolle Tier zu erschießen.

Karten und Blumen erinnern an den jungen Silberrücken.

Er erklärte später: „Wir hatten keine Wahl. Harambe wiegt 220 Kilo. Er ist sechsmal kräftiger als ein ausgewachsener Mann. Ich habe gesehen, wie er Kokosnüsse mit einer Hand zerbricht. Das war einfach zu gefährlich für das Kind.“ Gestern gab die US-Staatsanwaltschaft bekannt, dass es keine Ermittlungen gegen die Eltern geben wird. Im Internet sowie mit Blumen und Karten gedenken Zoobesucher und Gorillafreunde aus aller Welt seiner. Harambe starb einen sinnlosen Tod. Der US-Verhaltensforscher Marc Bekhoff brachte es auf den Punkt: „Wie hätte Ihr Hund reagiert, wenn jemand in sein Zuhause eindringt, in dem er sich sicher fühlt? Würden Sie Ihren Hund in einen Zoo sperren? Also, warum tun wir das irgendeinem Tier an?“

SUS

Typisch Tier

  • Gorillas sind vom Aussterben bedroht. Von den westlichen Flachlandgorillas leben in den Regenwäldern im zentralen, westlichen Afrika gerade noch 100 000 Tiere.
  • Menschenaffen haben im Gegensatz zu allen anderen Affen keinen Schwanz.
  • Gorillas verständigen sich über eine Vielzahl von Lauten wie Grunzen, Brummen, Bellen oder auch Lachen.
  • Die Tiere leben in Haremsgruppen zusammen – ein Silberrücken, mehrere Weibchen und die dazugehörigen Jungtiere.
  • Gorillas sind Vegetarier, sie ernähren sich von krautigen Pflanzen, Blättern und Früchten.
  • Babygorillas werden rund fünf Jahre gestillt.

Interview: Narkose wirkt schnell

Unsere Redaktion befragte Dr. Henning Wiesner. Der Ex-Direktor des Münchner Tierparks ist im Vorstand der Akademie für Zoo- und Wildtierschutz.

War Harambes Tod wirklich die einzige Möglichkeit?

Henning Wiesner: Ich hätte als Zoodirektor nicht auf das Tier schießen lassen. Es gab einen ähnlichen Fall 1986 im Durrell Wildlife Parkin Jersey. Damals fiel ein kleiner Junge in den Trockengraben. Der Silberrücken Jambo stellte sich schützend zwischen seine Artgenossen und das Kind, bis die Pfleger kamen. Auch im aktuellen Fall zeigte der Gorilla ja keinerlei aggressives Verhalten, sondern eher Schutzinstinkte. Denn glauben Sie mir: Wenn ein Gorilla töten will, ist das ein Biss oder ein Schlag. Das geht so schnell, da kann man auch nicht mehr schießen.

Wie hätten Sie denn gehandelt?

Wiesner: Ich hätte ihn mit einem Blasrohrpfeil narkotisiert.

Der Zoodirektor in Cincinnati argumentierte, ein Narkoseschuss hätte bis zu seiner Wirkung vier Minuten gebraucht. Womöglich hätte das bei Harambe zu aggressiven Handlungen gegen das Kind geführt.

Wiesner: Da bin ich anderer Meinung. Harambe wäre binnen einer Minute durch das Narkosemittel so geflutet worden, dass er gar nicht gewusst hätte, wie ihm geschieht. Es wäre keine Zeit zur Aggression geblieben.

Hätte ihn das Schussgeräusch nicht verschreckt?

Wiesner: Mit einem Blasrohrschuss sicher nicht. Das bekommt er gar nicht mit, er hört es nicht, spürt nicht einmal den Einstich. Und die Wirkung hätte mit Sicherheit so schnell eingesetzt, dass er in Richtung eines reduzierten positiven Verhaltens gestoppt worden wäre

K.B.

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