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Müssen Hühner wegen der Vogelgrippe viele Woche nim Stall bleiben, führt das bei ihnen zu Stress und Aggressionen. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

"Kirre im Kopf"

Drei Monate Stallpflicht und ihre Folgen

Seit November dürfen viele Hühner, Enten und Co. in Deutschland wegen Seuchengefahr nicht mehr an die frische Luft. Das führt zu Aggressionen und Verhaltensstörungen. Die Tierhalter schlagen Alarm.

Wiesbaden (dpa) - Die wegen der Vogelgrippe-Gefahr verhängte Stallpflicht kann bei den betroffenen Tieren zu erheblichen Leiden führen. "Das darf man nicht herunterspielen, vor allem die rangniedrigen Tiere kriegen es ab", warnt die Tierschutzreferentin des Vereins Tasso in Sulzbach, Cristeta Brause.

Vögel lebten in komplexen Sozialstrukturen, zu wenig Platz führe zu Stress und zu Aggressionen. Die Tiere pickten sich gegenseitig an oder entwickelten Verhaltensstörungen.

Das Land Hessen etwa hatte vergangene Woche nach fast drei Monaten Stallpflicht zwar seine Vorgaben gelockert. Doch mindestens 2,7 Millionen Tiere haben weiterhin Hausarrest. Bislang wurden 16 Vogelgrippe-Fälle in Hessen registriert. 

"Die Tiere werden kirre im Kopf, es ist katastrophal", schimpft der erste Vorsitzende der Rassegeflügelzüchter Hessen-Nassau, Heinrich Wenzel aus Nidderau. Die Ställe seien schließlich nur zum Übernachten und nicht für den ständigen Aufenthalt konzipiert. Die Tiere würden aggressiv und hackten aufeinander ein, manche Gänse seien wie gerupft. Einige Halter hätten aus Tierschutzgründen schon ihre Vögel abgegeben, 200 Züchter in Hessen die Zucht eingestellt.

Zudem leide bei dieser Haltung auch das Immunsystem der Vögel, die Tiere würden krankheitsanfällig, zählt Wenzel weiter auf. Auch die Befruchtung der Eier sei schlecht. Es gebe alte Geflügelrassen, mit denen bei einer reinen Stallhaltung gar nicht gezüchtet werden könne. "Letztes Jahr wurden in Hessen 80 000 Ringe zur Kennzeichnung von Geflügel verkauft, nun sind es gerade mal die Hälfte", sagt er.

Auch der Kronberger Opel-Zoo im Hochtaunuskreis leidet unter den Auswirkungen der behördlichen Auflage. Ende November war an einem der Rosapelikane das H5N8-Virus nachgewiesen worden, der Zoo wurde sogar für einige Tage geschlossen. Allerdings liegt er nach der Lockerung der Stallpflicht vergangene Woche nun nicht mehr im Risikogebiet. Zoodirektor Thomas Kauffels hofft auf eine Mitteilung des Veterinäramtes, dass Ibisse, Störche, Enten und Co. endlich wieder nach draußen dürfen.

Einige Enten sind an den Folgen der Stallpflicht bereits gestorben, vermutlich kamen sie nicht ausreichend an ihr Futter. Der Zoo hatte improvisieren müssen, um alle Tiere aus den Volieren in Ställen unterzubringen. "Wie sich das alles auf die Brut auswirkt, weiß man noch nicht", sagt Kauffels.

Der Rassegeflügelzüchter Wenzel hält die großflächige Stallpflicht für völlig übertrieben. "Es ist ja nicht so, dass es Tausende von Fälle gäbe. Die Einrichtung von Sperrbezirken würde doch reichen", meint er. 

Der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft hat die Stallpflicht dagegen befürwortet, jetzt aber ein Problem. Die Eier dürfen nun nicht mehr mit dem Prädikat "Freilandhaltung" verkauft werden. Wegen einer Ausnahmeregelung war das zunächst möglich gewesen, obwohl die Hühner nicht nach draußen durften. Der Verband hofft nun, dass der Lebensmittelhandel trotzdem keine Abstriche bei den Preisen macht.

Weitere Informationen zur Vogelgrippe

Karte zu Risikogebieten

Geflügelzuchtverband

Tasso

Opel-Zoo

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