Die Hunde Pipo und Kim, denen beiden ein Bein amputiert werden musste, in der Tierklinik mit Professorin Meyer-Lindenberg und deren Kollegen.

Eine Amputation ist kein Grund, ein Tier zu töten

tz-Interview mit A. Meyer-Lindenberg, Professorin der LMU-Kleintierklinik

Wie häufig müssen Sie Tieren ein Bein amputieren?

Professor Andrea Meyer-Lindenberg: Zum Glück relativ selten, denn wir versuchen natürlich immer die Gliedmaßen zu erhalten. Das ist zum Glück in vielen Fällen möglich.

Wann sind Amputationen nötig?

Meyer-Lindenberg: Generell ist es immer dann angezeigt, wenn z. B. schwere Nervenverletzungen vorliegen, wie zum Beispiel ein Ausriss der Nerven im Bereich der Halswirbelsäule, was medizinisch als Plexusabriss bezeichnet wird. Ursache ist meist ein Trauma, wie zum Beispiel ein Autounfall. Das führt dazu, dass das die Gliedmaße keine Funktion mehr hat und das Bein nicht mehr korrekt aufgesetzt werden kann. Das Tier spürt die Pfotenichtmehr,undeskommt zu Verletzungen. Durch Missempfindungen kommt es später oft dazu, dass die Tiere die Pfote benagen und so Verletzungen selbst herbeiführen. Das ist ein häufiger Grund für eine Amputation. Auch bei tumorösen Erkrankungen der Gliedmaßen kann eine Amputation erforderlich sein. Allerdings muss zuvor sicher sein, dass es noch nicht zu Metastasen im Körper gekommen ist.

Warum wird immer das ganze Bein amputiert und nicht nur z. B. die kranke Pfote?

Meyer-Lindenberg: Weil die Tiere sonst möglicherweise auf dem Amputationsstumpf laufen und das führt natürlich zu Verletzungen. Es gibt für Tiere noch keine Orthesen bzw. Prothesen, die am Stumpf befestigt werden. In den USA und England wird intensiv an der Entwicklung gearbeitet, aber so weit ist es noch nicht.

Ein Hund auf drei Beinen erregt Mitleid. Wie geht es den Tieren?

Meyer-Lindenberg: Für den Besitzer ist das im ersten Moment viel schlimmer als für das Tier. Die allermeisten Tiere gewöhnen sich in kürzester Zeit an die neue Situation, da sie das Körpergewicht gut verlagern können. Größere Hunde tun sich am Anfang oft noch ein bisschen schwerer, kleine Hunde haben meist gar keine Probleme.

Die Tiere haben also eine gute Lebensqualität?

Meyer-Lindenberg: Absolut. Die Tiere laufen, toben und springen fast so wie früher. Der Verlust einer Gliedmaße ist überhaupt kein Grund, ein Tier zu töten. Kann ein fehlendes Bein zu Gelenkproblemen bei den Tieren führen? Meyer-Lindenberg: Natürlich sollte man vor der Operation sicherstellen, dass das Tier ansonsten gesund ist. Über mögliche Spätschäden bei ansonsten gesunden Gelenken gibt es nicht viele Langzeituntersuchungen. Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass dies bisher keine Rolle gespielt hat. Man muss aber immer abklären, dass die Gelenke der anderen Gliedmaßen in Ordnung sind.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Bei Hunden aus dem Ausland auf Tollwutschutz achten
Tollwut ist in Deutschland kein Problem mehr - eigentlich. Um weiterhin Infektionen mit dem Virus zu vermeiden, ist ein ausreichender Impfschutz für Hunde und Katzen …
Bei Hunden aus dem Ausland auf Tollwutschutz achten
Igel finden draußen noch genug Futter
Viele Menschen helfen oder füttern Igel, wenn der Herbst beginnt. Dies ist aber nur bei verwaisten Jungtieren oder offensichtlich verletzten Tieren notwendig. Wer Igeln …
Igel finden draußen noch genug Futter
Katze knabbert Kabel an: Zahnprobleme können Ursache sein
Katzenbesitzer kennen das: Die Vierbeiner kauen an Kabeln herum. Das tun sie oftmals deswegen, weil sie Zahnschmerzen haben oder sich langweilen. Viel schlimmer sind …
Katze knabbert Kabel an: Zahnprobleme können Ursache sein
Arthrose bei Katzen: Was den Schmerz lindern kann
Die Leidenszeit beginnt mit der kalten, nassen Jahreszeit: Bei Katzen mit Arthrose schmerzen die Gelenke dann besonders. Halter haben verschiedene Möglichkeiten, den …
Arthrose bei Katzen: Was den Schmerz lindern kann

Kommentare