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Neben fünf Tigern leben im Tigerwald auch Füchse, Luchse und ein Karakal.

Bayerische Tiger in Not

Einzigartige Auffangstation für Raubtiere braucht Hilfe

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Mitten in Bayern, idyllisch zwischen Feldern und Wäldern gelegen, liegt ein einmaliges Tierasyl: fünf Sibrische Tiger, ein Puma, ein Karakal, ein Luchs sowie ein Bengalkater haben gemeinsam mit einigen anderen Tieren im Tigerwald westlich von Ansbach eine neue Heimat gefunden.

Sie heißen Igor, Anubis, Boris oder Nala, und jedes Raubtier hat seine eigene traurige Geschichte. Alle Tiere wurden aus schlechter Haltung gerettet: Sie lebten bei Menschen, die sich mit einem exotischen Hobby wichtigmachen wollten. Sie kommen aus Zirkussen, die mit den wilden Raubkatzen schlicht überfordert waren oder die z. B. die Raubtiernummer umgestellt hatten und Tiere plötzlich übrig waren. Oder sie haben ihre eigene abenteuerliche Geschichte wie Rhani. Das Tigerbaby war von einem Asylbewerber ins Land geschmuggelt worden, der mit dem Verkauf seine Existenz sichern wollte. Diese Tigerdame lebte 22 Jahre bis zu ihrem Tod im Raubtierasyl und beeindruckte alle durch ihre sanfte und freundliche Art. Doch die letzte Zuflucht für die gefährlichen Exoten ist in Gefahr: Das Grundstück des Tigerwaldes soll verkauft werden! Die tz sprach mit dem Vorsitzenden des Vereins Raubtier- und Exotenasyl, Olaf Neuendorf, über seinen Plan, den Tigerwald zu retten. Neuendorf ist der einzige festangestellte Tierpfleger und betreut die Tiere seit 25 Jahren!

Wechselhafte Geschichte

Das Raubtierasyl in Franken.

Das Raubtierasyl in Franken entstand 1972 aus der fixen Idee eines exzentrischen Architektenehepaares. Die Eheleute hatten es sich in den Kopf gesetzt, in ihrem Garten Raubkatzen zu züchten. Dafür ließen sie sogar weiße Tiger aus den USA einfliegen. Als das Architekturbüro der Eheleute im Jahr 1994 pleite ging, gründeten sie einen Tierschutzverein, der 2009 in die Insolvenz rutschte. Das Grundstück wurde zwangsversteigert. Der neue Käufer erwies sich als Tierfreund und verpachtete das Gelände an den 2007 gegründeten Verein Raubtier- und Exotenasyl e.V. 2009 wurden die gefährlichen Exoten offiziell durch die Stadt Ansbach an den Verein übergeben. Es ist die einzige derartige Auffangstation für geschmuggelte oder in Not geratene Raubkatzen in Deutschland.

Rettet den Tigerwald

Jede Hilfe zählt: Wer das Raubtier- und Exotenasyl bei Ansbach unterstützen möchte, kann sich im Internet unter www.raubkatzenasyl.de informieren oder Olaf Neuendorf anrufen. Telefon: 09 81/46 63 46 83. Besucher müssen sich anmelden. Jeden ersten Sonntag im Monat gibt es von 13 bis 17 Uhr einen Tag der offenen Tür, zu dem alle herzlich eingeladen sind. Der nächste Termin ist am 11. November.

Interview mit Olaf Neuendorf, Raubtier- und Exotenasyl

Warum ist das Tigerasyl in Gefahr?

Olaf Neuendorf mit der Polarfüchsin Finja, die im Raubtierasyl lebt.

Olaf Neuendorf: Unser Grundstück wird verkauft, und wir brauchen 600 000 Euro, um es selbst zu kaufen. Daher bitten wir um Spenden und laden Interessierte ein, uns zu besuchen. Unser Verein hat 250 Mitglieder und viele davon engagieren sich sehr stark. Aber die Summe können wir einfach nicht allein aufbringen, und öffentliche Gelder bekommen wir nicht. Daher bitten wir um Hilfe. Wir haben eine Verantwortung für diese Tiere übernommen und wollen sie nicht im Stich lassen. Diese Tiere sind in Not, weil Menschen sie in diese Situation gebracht haben. Nun hoffen wir auf viele Menschen mit Herz, die diesen wunderschönen und in ihrer Heimat vom Aussterben bedrohten Tieren helfen möchten. Außerdem liegt uns die artgerechte Haltung sehr am Herzen: Wir möchten die Gehege vergrößern und noch abwechslungsreicher gestalten.

Warum nehmen Wildparks oder Tierparks die Raubtiere nicht auf?

Neuendorf: Wir sind immer die letzte Adresse, wenn kein anderer das Tier nehmen möchte. Und es ist unglaublich, was für ein Schindluder im privaten Bereich mit Raubkatzen getrieben wird. Im Internet kann man sich wirklich alles kaufen. Bei Tigern gibt es sechs Unterarten und in Zoos wird sehr darauf geachtet, dass die Tiere reinrassig sind. Dort geht es um die wissenschaftliche Zucht zur Erhaltung der Art. Im Zirkus jedoch oder auch den Tierhändlern ist es ganz egal, ob die Tiere reinrassig sind oder nicht. Dort werden die Tiere verpaart, die man hat. Auswildern kann man sie übrigens aus diesem Grund auch nicht, abgesehen davon haben sie einfach zu lange in Gefangenschaft gelebt.

Und im Tierheim kann man ja einen Tiger auch nicht halten.

Neuendorf: Solange sie ganz klein sind, geht das noch. Auch wir haben junge Tiger aus Nürnberg und München bekommen, da waren sie jeweils drei Monate alt und sehr niedlich. Heute handelt es sich um ausgewachsene Tiere, und da darf man sich keinen Fehler mehr erlauben. Wir kümmern uns hier um Tiere, von denen eine Lebensgefahr ausgeht.

Wie sieht ein typischer Tag im Raubtierasyl aus?

Neuendorf: Um acht Uhr drehen wir eine erste Runde, da geht es um die Gesundheit und das Wohlergehen der Tiere, und wir schauen, ob alle Gehege intakt sind oder ob über Nachtetwasbeschädigtwurde.Dann reinigen wir die Außenanlagen und lassen dann die Tiere dort hinein. Um für Abwechslung zu sorgen, dürfen die Tiere die Gehege wechseln. Wo es geht, halten wir sie in Gruppen, aber unsere drei Jungs Igor, Boris und Ussuri brauchen Abstand voneinander. Als Einzelgänger in der Natur vertragen sie sich auch im Gehege nicht und so wechseln wir die Anlagen durch, damit sie täglich ein anders gestaltete Umgebung erkunden können. Wenn die Tiere im Freien sind, reinigen wir die Innengehege. Dann bereiten wir das Fleisch für die Fütterung am Abend vor. Jeden Monat verfüttern wir sechs Rinder. Aber heute gibt es Reh. Dabei handelt es sich immer um im Straßenverkehr getötete Tiere, die uns von der Polizei oder von Jägern gebracht werden.

Interview: SUS

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