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Das Federkleid der Vögel schützt vor Kälte, bietet eine natürliche Isolierung vor Nässe und ermöglicht den Vogelflug.

Lasst mir meine Daunen!

Enten und Gänse: Höllenqualen für Federbetten und Winterjacken

Seit Menschen Federn und Daunen als fluffige Füllung für Kissen, Decken und wärmende Jacken schätzen, müssen jedes Jahr Millionen Gänse und Enten Höllenqualen leiden.

Werden Tiere erst nach dem Schlachten gerupft, ergeben sie gerade mal 180 Gramm Daunen, werden sie jedoch im Laufe ihres Lebens mehrmals im Jahr gerupft, oder gerauft, wie es oft beschönigend heißt, produzieren die Federfabriken auf zwei Beinen bis zu 1300 Gramm kuschlig weiches Füllmaterial.

Den Hals fest eingeklemmt werden Enten und Gänsen die Federn ausgerissen.

In Deutschland werden jedes Jahr circa 150 Tonnen Daunen gewonnen, importiert werden geschätzt zwischen 9000 und 16 000 Tonnen. Manche Enten und Gänse werden für die Stopfleber zwangsgemästet und vorher sowie nach dem Schlachten gerupft. Masttieren und Elterntieren, die fürs Eierlegen und die Zucht gehalten werden, werden bis zur Schlachtung viermal pro Jahr die Federn ausgerissen. Tierschutzorganisationen fordern schon lange, auf Daunen komplett zu verzichten. Einfach, weil niemand garantieren kann, dass sie nicht mit tierquälerischen Methoden gewonnen wurden.

Weil viele sogenannte Feinschmecker „Foie gras“ schätzen, werden Gänse und Enten mit einem Brei aus Mais und Fett zwangsgestopft, bis die Leber verfettet.

Die Tierschutzorganisation Vier Pfoten hat die Lebenswege von einigen Tieren nachgezeichnet: Da ist das Muttertier Amy, eine Koludzka-Gans aus Polen, die nicht nur viermal im Jahr Federn lassen muss, sondern auch ständig Eier legen soll. Mit circa fünf Jahren wird sie geschlachtet. Ihre Nachkommen werden im Alter von elf Wochen kahl gerupft, und dann im Abstand von drei bis vier Monaten wieder als Federlieferanten missbraucht, bis sie ihr Schlachtgewicht erreicht haben. Die Mutard-Ente Henri durfte in Frankreich elf Wochen frei herumlaufen. Dann wurde die Ente in einen engen Drahtkäfig gesperrt und zweimal täglich zwangsgestopft. Dabei wurde ihr ein 50 Zentimeter langes Metallrohr in den Schlund gestopft, durch das gekochter Maisbrei mit Fett in den Magen gedrückt wurde. Im Alter von 14 Wochen wurde Henri geschlachtet, seine krankhaft verfettete Leber landete als Delikatesse im Bauch eines Feinschmeckers. Zu 96 Prozent werden Enten gemästet, die weiblichen Küken werden nach dem Schlüpfen geschreddert, weil ihre Leber nicht so stark wächst.

Für eine einzige Bettdecke müssen 40 Gänse ihre Federn hergeben. Zwar behaupten viele Hersteller, dass sie keine Daunen aus Tierqual verwenden, jedoch fehlt es meistens an den Kontrollen. In der EU ist Lebendrupf verboten, aber das sogenannte Raufen während der Mauser, wenn die Federkiele lockerer sitzen, ist erlaubt. Dennoch erleiden die Tiere große Schmerzen, wenn die Rupfer im Akkord die Federn ausreißen. In spezialisierten Betrieben in China werden in fünf Stunden bis zu 3000 Vögel gerupft. Ausgerenkte Flügel, Wunden werden notdürftig versorgt (siehe Interview).

Enten und Gänse in Schockstarre: Interview mit Denise Schmidt, Vier Pfoten

Sie leiten die Kampagne bei Vier Pfoten zum Thema Daune. Was ist Ihnen wichtig?

Denise Schmidt, Kampagnenleiterin Vier Pfoten.

Denise Schmidt: Wir möchten bei Käufern und den Herstellern eine noch größere Sensibilität wecken. Die Daune als Naturprodukt hat ein sehr gutes Image, dabei ist die Gewinnung oft mit großem Tierleid verbunden. Viele Hersteller behaupten zwar, sie würden keine Daunen aus Lebendrupf und Stopfmast verwenden. Das Problem ist jedoch, dass die Lieferkette sehr undurchsichtig ist. Es gibt keine Transparenz. Die Daune geht vom Tier zum Verbraucher durch unzählige Hände. Viele Hersteller kontrollieren zudem nicht selbst, sondern verlassen sich auf Zertifikate von Lieferanten und Schlachthöfen. Häufig werden nur die Daunen kontrolliert, nicht aber die Betriebe, wo die Tiere gelebt haben. Wir wollen, dass sich das ändert. Es gibt schon einige gute Ansätze von Bekleidungsherstellern. Genaueres können Sie auf unserer Internetseite www.vierpfoten.de und www.40lives.org nachlesen.

In der EU ist das Lebendrupfen verboten, aber das Raufen erlaubt. Ist das eine tierfreundliche Methode?

Schmidt: Überhaupt nicht, dieser Unterschied exisitiert nur auf dem Papier. Wenn die Vögel in der Mauser sind, verlieren sie einige Daunen und Federn. In der Zeit werden sie dann gerupft. Die gerupften Daunen sind übrigens besonders von älteren Tieren bauschiger und hochwertiger, als Daunen von jüngeren Tieren. Das ist ein zusätzlicher finanzieller Anreiz zum Rupfen in Betrieben mit Elterntieren. Wir waren auf Farmen in Ungarn und Polen und haben das Rupfen beobachtet. Da spielen sich erschütternde Szenen ab. Die Tiere werden per Hand im Akkord gerupft. Es kommt zu schlimmen Risswunden, die ohne Betäubung genäht werden, Flügel werden ausgerenkt. Nach der Prozedur stehen die Tiere unter Schock, sie bekommen Medikamente, sonst würden viele nicht überleben. Und es wird gespenstisch still im Stall.

Die meisten Daunen kommen aus China, oder?

Schmidt: Dort ist das Lebendrupfen und auch das Stopfen der Tiere erlaubt. Geschätzte 80 Prozent der Daunen kommen aus China. Tiere, die für die Zucht verwendet werden, werden drei- bis viermal im Jahr gerupft, bis sie im Alter von vier oder fünf Jahren geschlachtet werden. In Frankreich, Ungarn, Bulgarien, Spanien und Belgien ist das Stopfen übrigens auch erlaubt. Die Leber der Tiere schwillt während des Zwangsmästens von circa 80 auf 500 Gramm an. Das Organ wird so riesig, dass es Atemnot verursacht. Die armen Vögel bekommen keine Luft mehr. Wenn also irgendwo steht, die Daunen stammen von Tieren, die schon geschlachtet waren, bedeutet dies nicht unbedingt, dass es sich um tierfreundlich produzierte Daunen handelt. Wie gesagt, es gibt mittlerweile viele Alternativen als Füllmaterial. Der Mensch braucht keine Daunen und Federn.

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