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Unser Leben für die Tiere

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Von: Susanne Stockmann

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Aiderbichl-Geschäftsführer Dieter Ehrengruber mit Eseln und Ziege
Dieter Ehrengruber, Geschäftsführer von Gut Aiderbichl, inmitten einiger Tiere © Gut Aiderbichl

Gut Aiderbichl, Europas größter Gnadenhof, feiert in diesen Wochen sein 20. Jubiläum. Aktuell betreuen auf 30 Höfen 250 Mitarbeiter über 6000 gerettete Tiere. Immer wichtiger wird jedoch, das gesammelte Wissen über Tiere, deren Verhalten sowie artgerechte Haltung systematisch zu erforschen und weiter zu vermitteln. Geschäftsführer Dieter Ehrengruber (44) über sein Leben für die Tiere:

Ein Tag ohne Tiere – sei selten ein guter Tag, findet Dieter Ehrengruber (44), Geschäftsführer von Gut Aiderbichl, Ein Zufall brachte ihn zum Tierschutz: Seine morgendliche Joggingrunde kreuzte sich mit der Gassigeh-Strecke von Aiderbichl-Gründer Michael Aufhauser (69)!

Entstanden als privater Ort der Begegnung von Menschen und geretteten Tieren, machte das Gut in Henndorf bei Salzburg zunächst durch prominente Schauspieler, Sänger, Moderatoren oder Hollywood-Stars auf sich aufmerksam. Doch in 20 Jahren entstand nicht nur Europas größter Gnadenhof, sondern es entwickelte sich ein Kompetenzzentrum mit eigener Akademie für alle Aspekte rund um Schutz und Haltung von Tieren. 6000, darunter viele Katzen, Nagetiere, Hühner, Pferde, Esel oder Ziegen sowie Hunde, aber auch Pfauen, Minischweine oder ein Kamel werden auf 30 Höfen von rund 250 Mitarbeitern ebenso professionell wie liebevoll versorgt. „38000 Euro kostet der Unterhalt jeden Tag“, rechnet Ehrengruber vor, der 2003 als Geschäftsführer einstieg und seit sechs Jahren die alleinige Verantwortung trägt. Damals erlitt Michal Aufhauser einen Aortenriss und erblindete, er sitzt im Rollstuhl, habe jedoch – Dieter Ehrengruber lacht – „nichts von seiner Persönlichkeit eingebüßt“: „Er nimmt an allem Anteil. Wenn ich länger als eine halbe Stunde bei ihm sitze, fragt er schon, ob ich nichts anderes mehr zu tun hätte.“

Neue Wege in der Tierrettung

14000 Tiere, so schätzt Ehrengruber vorsichtig, wurden in zwei Jahrzehnten vor Leid oder Tod bewahrt. Dazu zählen die Laborschimpansen, die die Republik Österreich vor elf Jahren in die Obhut der Tierprofis gab. Aiderbichl ließ sofort Außengehege errichten und es waren berührende Bilder, als die Affen zum ersten Mal in ihrem Leben einen Fuß auf Rasen setzten und den Wind im Fell spürten. Unvergessen auch Deutschlands bekannteste Kuh Yvonne, die vorm Schlachter in den Wald flüchtete. Nach wochenlanger Suche eingefangen, lebte sie noch acht Jahre auf  dem Gut in Deggendorf mit Sohn Friesi und Schwester Waltraud, die ebenfalls freigekauft wurden.. Katzen residieren in komplett eingerichteten Wohnzimmern mit Freigang, Hunde werden in Gruppen von einem Pfleger betreut, die klassischen Käfige vieler Tierheime gibt es nicht. Für schwierige Hunde, die gebissen haben oder aus anderen Gründen beschlagnahmt wurden, gibt es spezielle Tiertrainer. Auf dieses Projekt wurde auch die Stadt Salzburg aufmerksam und möchte Problemhunde zukünftig von Gut Aiderbichl betreuen lassen.

Doch was brauchen Pferde und Hunde wirklich, um glücklich zu sein? Aiderbichl lässt seine Methoden in Zusammenarbeit mit Universitäten überprüfen: „Es wird gemessen und die Ergebnisse bestätigen wirklich unsere Erfahrungen“, freut sich Ehrengruber, der hofft, dass die Erkenntnisse die Haltung von Tausenden von Haustieren verbessern wird. Noch oft fehle es an Wissen: „Wir haben nur noch selten spektakuläre Rettungen“, so Ehrengruber: „Wir werden mit ganz normalen Problemen konfrontiert.“ Aber das nicht zu knapp: „5500 Menschen im Jahre bitten uns um Hilfe.“ Viele sind überfordert, weil sie sich vorher nicht über die Bedürfnisse ihres tierischen Mitbewohners informiert haben. Oder sie wissen nicht weiter, weil sich ihre Lebenssituation dramatisch ändert. Ehrengruber: „Heute hat eine Frau um Hilfe gebeten, die von ihrer Krebserkrankung erfahren hat. Sie macht sich Sorgen um ihre Pferde, den Hund und die Katze. Da kann man doch nicht sagen: Lassen Sie die Tiere einschläfern.“ Es sei eine Aufgabe der Gesellschaft, Menschen in Not zu unterstützen. Genauso wie es auch Konzepte geben müsse, was mit Polizeipferden geschieht, die in Rente geschickt werden, oder wie Tiere versorgt werden, die in Versuchslaboren überleben: „Da brauchen wir konkrete Lösungsmöglichkeiten. Unser Glück ist, dass viele Menschen oder auch Unternehmen das ähnlich sehen und uns über Patenschaften oder Spenden helfen.“

Groß gefeiert wird erst im nächsten Jahr

Diese Idee, dass die Starken die Schwächeren tragen, half dem Unternehmen durch den Corona-Lockdown, als die Güter für Besucher geschlossen blieben und keine Märkte stattfinden durften und als Einnahmequelle ausfielen. Ehrengruber: „Wir sind unendlich dankbar, dass unsere Anliegen so viele Menschen überzeugen konnte.“ Er verspricht: Das große Jubiläums-Fest für Mensch und Tier wird im nächsten Jahr nachgeholt.

Jeden Tag von 9 bis 18 Uhr geöffnet – auf den drei besuchbaren Gütern von Aiderbichl in Iffeldorf an den Osterseen bei München, Deggendorf oder Henndorf bei Salzburg können Besucher in wunderschöner Natur und entspannter Atmosphäre Tieren nah sein. Infos zu Anfahrt und Corona-Regeln.

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