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Der Bestand von heimischen Frosch- und Amphibienarten ist durch viele Faktoren gefährdet.

Pilzerkrankungen bedrohen Amphibien

Das letzte Quaken: Frösche und Lurche bedroht

München - Es ist eine angekündigte Katastrophe – zwei eingeschleppte Krankheitserreger bedrohen die Frösche, Lurche und Kröten auf der ganzen Welt.

Etwa 6000 bekannte Arten gibt es, ein Drittel droht auszusterben. Bei den heimtückischen Krankmachern handelt es sich um Pilzsporen. Die Chytridmykose befällt vor allem Frösche, der sogenannte Salamanderfresser rafft binnen kürzester Zeit Lurche dahin. Während der Chytridpilz schon in vielen Ländern, vor allem in Mittelamerika, Australien und Spanien, zum Massensterben einiger Arten geführt hat, ist der Salamanderfresser bisher nur in Holland und Belgien aufgetreten. Beide Erreger wurden über den Handel mit Wildtieren über die Welt verteilt.

Vor rund 20 Jahren wurden Forscher von Biologen aufgeschreckt, weil immer wieder irgendwo auf der Welt plötzlich ganze Populationen von Fröschen und Kröten ausstarben oder um bis zu 90 Prozent dezimiert wurden. Schließlich wurde die Pilzerkrankung Chytridmykose als Ursache erkannt. Der Erreger verbreitete sich mit Krallenfröschen aus Südafrika um die ganze Welt (sie unten links). Die Sporen überleben im Wasser, befallen die Haut der Amphibien und zersetzen dort das Keratin. Die erkrankten Tiere werden schlapp, schließlich löst sich die Haut ab, und die Frösche sterben.

Der Pilz ist schon überall

Dr. Jörg Plötner vom Museum für Naturkunde in Berlin hat die Ausbreitung des für Frösche tödlichen Pilzes Batrachochytrium dendrobatidis in Deutschland untersucht. Die tz befragte ihn zu den Ergebnissen seiner Forschung.

Wie stark ist dieser Pilz in unseren Gewässern verbreitet?

Dr. Jörg Plötner: Dieser Pilz ist im Prinzip flächendeckend verbreitet. Aber wir wissen nicht, ob er hier viele Frösche getötet hat. Wir haben keine Beweise für irgendein Massensterben.

Haben wir noch Glück?

Plötner: Es gibt mehrere Möglichkeiten: Innerhalb des Pilzes gibt es eine genetische Vielfalt, sodass es Linien gibt, die weniger aggressiv sind als andere. Außerdem reagieren die Amphibienarten unterschiedlich: Manche sind sehr sensibel, manche kommen mit dem Pilz ganz gut klar. Bei Alttieren gibt es, wie gesagt, bisher keine Anzeichen, dass der Pilz große Auswirkungen auf die Populationszahlen hat. Aber möglicherweise tötet er die Tiere bei der Metamorphose, also bei der Umwandlung von der Kaulquappe zum Frosch. Doch so eine erhöhte Sterblichkeit im Freiland zu beweisen, ist sehr schwierig. Tote oder erkrankte Frösche werden ja meist schnell gefressen.

Kann man gegen den Pilz etwas unternehmen?

Plötner: Nein, das ist wie bei allen Infektionskrankheiten in wildlebenden Populationen, da kann man nichts tun. Nie vergessen sollte man jedoch, dass Krankheiten immer im Zusammenhang mit dem Immunsystem stehen. Wenn Tiere durch äußere Faktoren beeinflusst werden, kann es zu einer Schwächung des Immunsystems kommen. Pestizide sind ein ganz großes Problem bei Amphibien, so geschwächt werden sie anfällig gegenüber Krankheiten, die sonst keine große Rolle spielen.

Interview: sus

Die Haut als Alleskönner

Die Haut von Amphibien ist dünn, feucht. Sie ist glatt bei Fröschen und Salamandern und warzig bei Kröten und Unken (Foto). Sie dient nicht nur zum Schutz vor äußeren Einflüssen oder produziert Gift gegen Fressfeinde, sondern ist vielmehr ein Superorgan: Die Tiere atmen über die Haut, regulieren ihren Wasserhalt und die Körpertemperatur. Daher sind sie Giftstoffen im Wasser praktisch hilflos ausgeliefert. Außerdem registrieren sie über ihre Haut, Umwelteinflüsse sowie Tast-, Druck- und Temperaturreize.

Frosch als Babytest

Der Chytridpilz hat seinen Siegeszug um die Welt höchstwahrscheinlich als blinder Passagier von Krallenfröschen angetreten. Krallenfrösche wurden seit den 1930-Jahren als lebende Schwangerschaftstest verwendet und zu Tausenden von Südafrika aus in die ganze Welt verschickt. Spritzt man den Tieren den Urin von schwangeren Frauen, dann beginnen sie innerhalb von 18 Stunden zu laichen. Noch heute sind die Tiere in Forschungslaboren begehrt, einige Exemplare flogen sogar mit dem Spaceshuttle ins Weltall. Die Krallenfrösche selbst sind gegen den Pilz immun.

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