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Igel haben sich in den vergangenen Wochen eine dicke Fettschicht angefressen. Dann suchen sie eine Schlafstätte für den Winter auf. Foto: Julian Stratenschulte

Auch ohne Frost

Für Wildtiere beginnt die Zeit des Winterschlafs

Der dauerwarme Herbst stört Wildtiere nicht bei Vorbereitungen auf die Winterruhe. Ihre innere Uhr richtet sich nach der Länge der Tage.

Hamburg (dpa) - Ein goldener Oktober liegt hinter uns, im Norden verspricht die Großwetterlage jedoch auch für den November sonnige und relativ warme Tage. Trotzdem breche bei den Wildtieren jetzt die große Müdigkeit aus, sagt Eva Goris von der Deutschen Wildtier Stiftung.

Sie passten ihren Lebensrhythmus nicht den herrschenden Temperaturen an - ihre innere Uhr "synchronisiert" mit der Dauer des Tageslichts. Wenn die Tage kürzer werden, verkriechen sich viele und verschlafen die dunkle Jahreszeit bis zum nächsten Frühjahr. "Winterschlaf und Winterruhe sind eine perfekte Überlebensstrategie, wenn in der Natur die Nahrung knapp ist", sagt Goris.

Um gut über den Winter zu kommen, haben sich "Langschläfer" wie die Haselmaus und der Igel in den vergangenen Wochen eine dicke Fettschicht angefressen. "Der Fettvorrat dient als Energiespeicher und isoliert gleichzeitig gegen die Kälte." Dann suchen sie eine Schlafstätte, die sie gemütlich auspolstern. Herzschlag und Atmung sind enorm verlangsamt. "Das Murmeltier macht minutenlange Atempausen", weiß Goris. Eichhörnchen, Dachs und Biber hingegen schlafen nicht: "Sie ruhen nur in ihren Bauten." Manchmal stehen sie sogar auf und gehen auf Nahrungssuche: "Um die Vorräte aufzustocken."

Große Säugetiere wie der Fischotter setzen auf ein dichtes Fell. Mit 50.000 Haaren auf der Fläche eines Daumennagels hat er einen der dichtesten Pelze im Tierreich. Dem Feldhasen wachsen im Winter zusätzliche Wollhaare. Bei Wildschweinen ist der Fellwechsel im November abgeschlossen - sie rotten sich bei Kälte zusammen, um sich gegenseitig zu wärmen. Außerdem haben sie sich eine dicke Speckschicht angefressen, um gut durch den Winter zu kommen.

Auch der Rothirsch trägt ein spezielles Winterkleid. Sein graubraunes Winterhaar ist doppelt so lang wie das wie das rötlich braune Sommerhaar. Außerdem fällt der Hirsch in eine Art Energiesparmodus, indem er seine Körpertemperatur reduziert, und seinen Herzschlag verringert. Selbst sein Verdauungstrakt verkleinert sich. "Der Pansen des Rothirschs fasst im Winter 60 Prozent weniger Nahrung als im Herbst", sagt Goris.

Bei Vögeln schützt ein dichtes Federkleid vor der Kälte. Zwischen den einzelnen Federn liegen Luftschichten, die wie Wärmeisolatoren funktionieren und den Vogelkörper vor dem Auskühlen schützen. "Viele Vögel machen sich obendrein dicke - sie plustern sich auf, um die Luftschichten zwischen den Federn noch zu vergrößern", erklärt Goris.

Insekten können Kälte überleben, weil sie eine Art Frostschutzmittel im Blut haben. Sie verfallen in eine Art Winterstarre. Dafür suchen sich Schmetterlinge wie das Tagpfauenauge und der Kleine Fuchs am liebsten kühle, feuchte und geschützte Stellen im Keller, in Höhlen, Viehställen und Häusern aus.

Auch die befruchtete Weibchen der Hausmücken überleben in Kellern und auf Dachböden problemlos die dunkle Jahreszeit. "Schafft es eine Mücke jedoch, sich ins Haus einzuschleichen, treibt sie dort ihr Unwesen und sticht die Bewohner", berichtet Goris: "Den ganzen Winter übersteht sie allerdings meist nicht."

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