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Ein Tier ist ein schlechtes Weihnachtsmarkt, denn vielleicht überfordert es den Beschenkten. 

Wichtiger Gastbeitrag des Tierschutzvereins 

Darum ist es ein schrecklicher Fehler, ungefragt Tiere zu verschenken

Ein Tier als Weihnachtsgeschenk - ganz schlechte Idee, sofort abhaken, schreibt Judith Brettmeister vom Tierschutzverein München. Denn Tiere sind keine Waren wie kratzige Strickpullover oder langweilige Bücher, die wir einfach umtauschen können. 

Jetzt kommt wieder die Zeit, in der man (zwanghaft) in seinen Erinnerungen kramt. Niemand möchte an Weihnachten ein ungeliebtes Geschenk überreichen. Welchen Wunsch haben die Freundin, der Freund, die Eltern, die Kinder in diesem Jahr - vielleicht auch nur andeutungsweise - geäußert? War da nicht ein Aufflackern in den Augen der Mutter, als sich in der Fernsehwerbung die französische Bulldogge mühte, der Bikinifrau hinterherzulaufen Wäre ein Hund nicht ein tolles Geschenk für die Eltern, damit sie bei langen Gassitouren ihren Kreislauf anregen? Oder war es ein Papagei, von dem einmal die Rede war, oder gar eine Katze?

Judith Brettmeister vom Tierschutzverein München.

Bevor Sie sich von Ihrer eigenen Begeisterung für die Idee hinreißen lassen, sollten Sie etwas Wichtiges bedenken: nämlich all das, was auf den Beschenkten in Zukunft zukommt. Und ob die vermutete Freude tatsächlich noch über Weihnachten hinaus reichen wird. Denn mit der Anschaffung eines Tieres, egal welcher Art, kommt auf den Tierhalter einiges zu. Eine artgerechte Betreuung von Tieren benötigt Zeit. Und Tiere verursachen Kosten. Tiere brauchen Zuwendung, Erziehung, Geduld, Pflege und ständige Beobachtung, um herauszufinden, was ihnen gefällt und was ihnen fehlt. 

Jeder muss sich im Klaren darüber sein, dass bei einem Tier im Haushalt immer die Versorgung und Betreuung gesichert sein muss, wenn zum Beispiel mehrtägige Ausflüge oder ein Urlaub geplant sind. Nicht vergessen werden darf die Abklärung der Frage, ob der oder die Beschenkte an einer Tierhaarallergie leidet. 

Bevor Sie sich allein über die Sinnhaftigkeit eines solchen Geschenks Klarheit verschaffen, sollten Sie schlichtweg mit dem Anderen ehrlich darüber reden. herantreten. Damit nehmen Sie zweifellos die eigene Freude über eine (eventuell) gelungene Überraschung, aber Sie ersparen sich die Enttäuschung, wenn entweder sofort oder im Laufe der Zeit klar wird, dass es doch eine schlechte Idee war. 

„Sammeln Sie vor dem Kauf eines Tieres Argumente, die dafür und die dagegen sprechen.“

Dabei wäre es so einfach. Gehen Sie ins nächstgelegene Tierheim, sehen Sie sich um, informieren Sie sich: darüber, was die Haltung des Wunschtieres so alles mit sich bringt, wie viel Platz das Tier braucht, welchen Käfig, welche Volière, welches Aquarium es benötigt. Nach diesem Besuch denken Sie vielleicht darüber nach, ein Tier aus dem heim zu nehmen und ihm eine schöneres Leben zu ermöglichen. 

Dass vor der Anschaffung eines Tieres viel zu wenig überlegt wird, zeigt das immer wiederkehrende Dilemma, dass in den darauffolgenden Monaten kontinuierlich Tiere im Münchner Tierheim abgegeben werden. Bis März steigt der Tierbestand um 30 Prozent. Auch bei vielen Fundtieren, die nicht wieder abgeholt werden, kann davon ausgegangen werden, dass es sich hierbei um unliebsame Geschenke handelt, die auf grausame Art entsorgt worden sind.

Sammeln Sie vor dem Kauf eines Tieres Argumente, die dafür und die dagegen sprechen - und zwar zusammen mit demjenigen, der das Geschenk bekommen soll. 

Dann kann dies tatsächlich ein wunderbarer Tag für den Beschenkten und auch für das Geschenk selbst sein.

Diesen Gastbeitrag schrieb Judith Brettmeister vom Tierschutzverein München.

Alle Gastbeiträge sehen Sie auf der Überblicksseite. Zum Beispiel die Gastbeiträge der Hundetrainerin Nathalie Örlecke: „An die ignoranten Münchner, die ihre Hunde frei laufen lassen“ und „An die Münchner, die den Dreck ihrer Hunde nicht wegmachen“

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