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Nach der Paarung brüten Wellensittiche (Melopsittacus undulatus) gerne in Höhlen. Wer das vermeiden möchte, sollte Kisten oder anderes Zubehör aus dem Käfig entfernen. Foto: Blickwinkel

Gipseier rein, Häuschen raus - Vogelnachwuchs verhindern

Vögel nisten und brüten nicht nur in der Natur, sondern auch zu Hause im Käfig. Wen das stört, muss zu Hilfsmitteln greifen. Künstliche Eier und fehlende Nistplätze halten die Tiere oft vom Eierlegen ab.

Gießen (dpa/tmn) - In einer großen Voliere hüpfen Vögel von Stange zu Stange. Frische Zweige und Vogelkästen machen den Käfig gemütlich. Kein Wunder, dass die Vögel zum Fortpflanzen animiert werden und sich Paare finden.

Es gibt aber Möglichkeiten, unerwünschten Nachwuchs zu verhindern. "Vögel brauchen, wenn sie nicht krankhaft legen, einen Brutstimulus", erklärt Prof. Michael Lierz, Fachtierarzt für Geflügel und Ziervögel an der Justus-Liebig-Universität Gießen. "Das heißt, sie brauchen den Partner, der balzt, und eine vorhandene Nistmöglichkeit."

Wenn das fehlt, brüten die Vögel nicht. Entsprechend können Halter in einem ersten Schritt dafür sorgen, keine Brutplätze oder Nistmaterial zur Verfügung zu stellen. "Bei Höhlenbrütern wie Wellen- oder Nymphensittichen sollte man die Höhlen und Kisten weglassen", empfiehlt Lierz. "Und bei Arten, die wie Kanarienvögel Nestbrüter sind, Nestmaterial und Nestplattformen."

Auf diesem Weg unterbindet man bei einem Großteil der Tiere schon die Legeaktivität. Nachwuchs lässt sich bei einigen Arten außerdem sehr einfach vermeiden, indem nur Männchen oder Weibchen zusammen gehalten werden. Dabei gilt es, sich vorher zu erkundigen, welche Konstellationen bei welchen Vogelarten möglich sind.

Je nach Vogelspezies ist die Brutstimmung aber auch abhängig vom Nahrungs- oder Lichtangebot, ergänzt Michael Pees aus Leipzig. Er ist Fachtierarzt für Ziervögel. Von beidem gebe es in der Haltung oft reichlich, weshalb bestimmte Vogelarten wie Nymphensittiche in Menschenhand übermäßig viele Eier legen.

"Das kann man aber kontrollieren, indem man das Futterangebot nicht zu üppig gestaltet und auch die Lichttage etwas verkürzt, zumindest saisonal", erklärt Pees. Sinnvoll ist das besonders bei Arten, die das ganze Jahr über brüten. Manche Vögel lassen sich aber auch dadurch nicht vom Eierlegen abhalten. "Die legen dann auf den Boden", erklärt Lierz.

Einige Besitzer nehmen die Eier und schütteln sie, um die Entwicklung eines Jungen im Ei zu stoppen. Das muss laut Lierz aber nicht funktionieren. Auch Antje Schreiber vom Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe Deutschlands rät davon ab. Stattdessen kann man laut Pees die Eier vorsichtig auf 60 Grad erhitzen, so dass sich darin nichts mehr entwickelt.

Viel einfacher, sauberer und hygienischer ist es aber, im Zoohandel Stein- oder Gipseier zu kaufen, erklärt Lierz. Diese gibt es in unterschiedlichen Größen für die verschiedenen Vogelarten. "Der Vorteil ist, dass die Tiere ihr Sexualverhalten noch ausleben können und es trotzdem nicht dazu kommt, dass Jungen schlüpfen", erklärt Pees.

Ein Tipp ist laut Schreiber, je nach Vogelart das erste Ei gleich durch mehrere Kunsteier zu ersetzen. Das reduziert bei vielen Weibchen den Legetrieb. Dass kein Junges schlüpft, schadet den Tieren nicht. "Der Verlust von Eiern ist ein Vorgang, der auch in der Natur vorkommt", erklärt Schreiber. Wird das Weibchen beim Brüten etwa von Fressfeinden gestört und verjagt, erkalten die Eier und können nicht mehr ausgebrütet werden.

Hört das Weibchen auf zu brüten, sollte man die Kunsteier entfernen. Dann haben Halter wieder für eine gewisse Zeit Ruhe. Ein Fehler ist jedoch, die Eier einfach wegzunehmen - ohne Ersatz. "Dann wird der weibliche Vogel versuchen, sein Gelege voll zu bekommen und nachlegen", warnt Lierz.

Krankhaftes Dauerlegen kommt vor allem bei kleineren Arten vor, die von Natur aus viel Nachwuchs produzieren. Um in diesem Fall gesundheitliche Schäden zu vermeiden, wird eine hormonelle Behandlung, Sterilisation oder Kastration empfohlen. Bei gesunden Vögeln ist von diesen Methoden jedoch abzuraten. "Es gibt nicht die Pille für den Vogel", sagt Pees. "Anders als bei Menschen ist die Gabe von Hormonen nicht standardisiert möglich." Auch eine Operation birgt Risiken.

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