Fellpflege unter Freunden: Javaneraffen sind soziale Tiere, die in großen Gruppen zusammenleben. Der Handel hat sprunghaft zugenommen, viele der Tiere landen für fragwürdige Versuche in Laboren.

Aus dem Dschungel ins Labor

Der Bedarf steigt, jedes Jahr brauchen allein die Forscher in Deutschland mehr Javaneraffen, Rhesusaffen und Paviane für Versuche:

1742 im Jahr 2008, 2313 im Jahr 2009, und 2010 waren es schon 2709 Tiere, die für Tests im Rahmen der Erforschung von Alzheimer, bei der Behandlung von Infektionskrankheiten, für Giftigkeitsprüfungen von Medikamenten oder für die Grundlagenforschung z. B. für die Hirnforschung verwendet wurden. Die dafür benötigten Tiere müssen laut Tierschutzgesetz aus Züchtungen stammen – das Deutsche Primatenzentrum in Göttingen jedoch kann den Bedarf allein nicht decken und kauft daher auch aus China zu. Doch Tierschutzorganisationen bezweifeln, dass dort alles legal zugeht.

Sandra Altherr von Pro Wildlife: „Nicht alle der importierten Affen stammen aus Zuchtfarmen.“ Um Artenschutzbestimmungen zu umgehen und die große Nachfrage zu decken, würden die Tiere in Ländern wie Indonesien, Laos und Kambodscha eingefangen und als Zuchttiere deklariert. Chinesische Händler verlangen aus Indonesien ausdrücklich Tiere, die weder gechipt noch tätowiert sind. Sandra Altherr: „Wofür sollte das gut sein, außer man will die Herkunft der Tiere verschleiern?“

Eine britische Tierschutzorganisation hat Tierfänger in den Wäldern von Indonesien gefilmt. Die aktuellen Aufnahmen zeigen, wie Hunderte Affen aus den Bäumen geholt, in Säcke gestopft und anschließend in Transportkisten gesteckt werden.

Der Javaneraffe hält einen traurigen Rekord: Mit keinem anderen CITES- geschützten Säugetier wird weltweit mehr gehandelt. Die Zahl der exportierten Tiere hat sich in den zehn Jahren von 2000 bis 2010 auf 66 000 gehandelte Tiere verdoppelt. Während im Jahr 1999 noch 4450 Affen in die EU importiert wurden, waren es elf Jahre später schon fast 7600.

Bei der diesjährigen Tagung des Tierausschusses des Washingtoner Artenschutzabkommens wurde Indonesien aufgefordert, den Handel der Affen besser zu überwachen. Sandra Altherr: „Das ist ein erster Erfolg und bedeutet, dass das Problem endlich wahrgenommen wird.“ Indonesien bestreitet bisher jeglichen Handel mit wilden Tieren, zu den Aufnahmen sagte Indonesiens Vertreter bei der CITES-Tagung nur: „Die Filmer hatten keine Genehmigung zu filmen.“

Hier können Sie protestieren

Wer gegen den Affenhandel protestieren möchte, findet einen Link unter: www.prowildlife.de

Computer statt Tierversuche

Ein wilder Affe ist für die Forscher eigentlich wertlos – weil damit wissenschaftliche Standards verletzt werden. Warum jedoch werden auch solche Tiere verwendet?

Ärzte gegen Tierversuche

tz-Interview mit Silke Bitz

Silke Bitz: Es gibt durchaus Wissenschaftler, die dieses Problem sehen. Aber vielen geht es ja in ihren Versuchen gar nicht darum, ein Ergebnis oder einen Nutzen für den Menschen zu erzielen. Sie forschen aus Neugier. Sie wollen eine Grundlagenfrage klären, wie abstrus diese auch sein mag. Und dazu brauchen sie eben Tiere. Wichtig ist den Forschern, die Ergebnisse dieser Versuche in führenden Fachzeitschriften zu veröffentlichen. Dann bekommen sie mehr Forschungsgelder. Das ist ein System, das sich selbst erhält.

Seit Jahrzehnten wird Hirnforschung an Affen betrieben. Ist dabeietwasfürMenschen herausgekommen?

Bitz: Diese Versuche sind unglaublich grausam. Die Tiere werden trainiert, stundenlang bewegungslos in einem Stuhl zu sitzen, ihr Kopf wird festgeschraubt, ihnen werden Elektroden ins Gehirn implantiert. Um die Tiere gefügig zu machen, müssen sie unglaubliche Durstqualen erleiden und tun für ein paar Tropfen Flüssigkeit, was der Forscher verlangt. Das Einzige, was dabei erforscht wird, ist das Affengehirn. Auf Menschen übertragbar sind die Ergebnisse wegen der Unterschiede vom Tier zum Menschen nicht.

Javaneraffen gelten als Modell für den Menschenkörper. Ist das sinnvoll?

Bitz: Es geht ja. z. B. bei der Medikamentenprüfung darum, zu testen, ob ein Wirkstoff für Menschen sicher ist. Das lässt sich jedoch viel besser, mit Hilfe von Zellkulturen und Computermodellen simulieren. Wenn es nach Tierversuchen geht, müssten wir Penicillin verbieten. Denn für Meerschweinchen ist es stark schädlich. Die Technik hat riesige Fortschritte gemacht. Mit Biochips lassen sich ganze Organsysteme des Menschen nachstellen. Und die Ergebnisse aus solchen Simulationen können im Gegensatz zu Tierversuchen auf Menschen übertragen werden. Dafür muss wirklich kein Tier leiden und sterben.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Hunde nur alle zwei Wochen waschen
Auch wenn es das Fell angenehmer riechen lässt, sollten Halter ihre Hunde nicht zu häufig mit Shampoo waschen. Dies kann beim Tier zu Hautproblemen führen.
Hunde nur alle zwei Wochen waschen
Schiefer Kopf und Augenzucken beim Hund - was tun?
Ältere Hunde können eine Art "Schlaganfall" bekommen. Doch nur die Symptome für das Vestibular-Syndrom ähneln denen eines Schlaganfalls. Hundebesitzer sollten das Tier …
Schiefer Kopf und Augenzucken beim Hund - was tun?
Goffin-Kakadus halten mit Kleinkindern mit
Goffin-Kakadus nutzen Werkzeuge, um komplexe Probleme zu lösen. Das können nur wenige Tiere. Die Papageien bewahren sogar Hilfsmittel auf und verwenden sie erneut.
Goffin-Kakadus halten mit Kleinkindern mit
Welche Fische ins Riffaquarium gehören
Wer an ein Aquarium denkt, hat viele verschiedene Fische im Kopf, die im Wasser umhertollen. Doch nicht alle Fischarten vertragen sich miteinander. Das sollten vor …
Welche Fische ins Riffaquarium gehören

Kommentare