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Igel gibt es überall in München – also auch in der Stadt aufpassen.

Autofahrer aufgepasst

Herbst! Die traurige Zeit der totgefahrenen Tiere

München - Der Herbst ist die Jahreszeit, in der die meisten Wildtiere auf Deutschlands Straßen sterben. Die tz sprach mit Martin Hänsel vom Bund Naturschutz in München, der an die Autofahrer appelliert: "Aufpassen, dann müssten nicht so viele Tiere sterben."

Der Herbst ist die Jahreszeit, in der die meisten Wildtiere auf Deutschlands Straßen sterben. Sobald die Tage kürzer werden, die Sicht schlechter und die Temperaturen kühler, sind die Wildtiere in Lebensgefahr. In der Stadt sieht man gerade viele überfahrene Igel. Auf der Landstraße gibt es heuer auffällig viele Unfälle mit Wildschweinen. Warum erwischt es gerade jetzt so viele Tiere? „Sie richten sich nicht nach der Uhr“, so Hilmar Freiherr von Münchhausen von der Deutschen Wildtierstiftung (siehe unten). Die tz sprach mit Martin Hänsel vom Bund Naturschutz in München, der an die Autofahrer appelliert: „Aufpassen, dann müssten nicht so viele Tiere sterben.“

Warum werden gerade jetzt so viele Igel überfahren?

Martin Hänsel: Die Igel sind im Endspurt vor dem Winterschlaf. Das spüren sie. Sie müssen nun so viel Nahrung wie möglich finden. Daher sind sie gerade sehr viel unterwegs auf der Suche nach Futter. Da es immer früher dunkel wird, überschneiden sich die Aktivitätszeiten von Mensch und Igel unglücklich. Viele Tiere sind genau dann unterwegs, wenn auch viele Menschen im Auto unterwegs sind. Im Herbstwetter und bei Regen werden die Igel schnell übersehen und geraten unter die Reifen. Igelreviere sind ja sehr groß, und wenn sie von einem Garten in den nächsten gelangen wollen, müssen die Tiere oft Straßen überqueren.

Lernen Igel mit den Jahren hinzu, wie sie am sichersten über die Straße kommen?

Hänsel: Dazu gibt es keine Erkenntnisse. Meiner Erfahrung nach leben die ängstlichen und die vorsichtigen Igel am längsten.

Man sieht aktuell sehr viele, noch sehr kleine Igel.

Hänsel: Igel können zweimal pro Jahr einen Wurf haben, der zweite Wurf ist jetzt tatsächlich noch sehr klein. Nicht jeder dieser Igel wird durch den Winter kommen. Wer den Tieren helfen will, sollte ihnen Rückzugsräume schaffen. Also nicht alles Laub abtransportieren, der Laubhaufen ist nicht nur ein Unterschlupf für die Tiere, sondern auch deren Speisekammer. Sie ernähren sich ja überwiegend von Würmern, Schnecken und Insekten. Zufüttern schadet nicht, aber bitte nur Wasser keine Milch geben. Wir warnen davor, die Tiere ins Haus zu nehmen. Als Laie hat man wenig Chancen, einen Igel erfolgreich zu überwintern. Die Tiere müssen im Frühjahr ausgewildert, also vom Menschen entwöhnt werden. Meist dauert das so lang, dass die besten Igelreviere schon besetzt sind. Man tut den Igeln also keinen Gefallen, wenn man sie zu sich nimmt.

Wie viele Igel gibt es in München?

Hänsel: Wir kennen keine genaue Zahlen, aber wir wissen, dass er flächendeckend vorkommt. Sogar in der hochverdichteten Innenstadt ist er überall anzutreffen. Ursprünglich ein Wald- und Wiesenbewohner, ist der Igel ein Stadttier geworden. Autofahrer sollten überall achtgeben, mit etwas mehr Aufmerksamkeit, müssten nicht so viele Igel sterben.

"Wildtiere haben keine Uhr"

Was soll das bedeuten: Wildtiere haben keine Uhr? Ganz einfach: „Sie folgen ihrem Rhythmus, sie orientieren sich an der Helligkeit und nicht an der Uhrzeit“, so Hilmar Freiherr von Münchhausen. Und wenn am kommenden Wochenende, in der Nacht zum 25. Oktober, die Uhrzeit auf Winterzeit umgestellt wird, sind sie eben eine Stunde früher unterwegs. Das heißt, die Wildtiere kommen mit Einsetzen der Dämmerung genau dann aus ihrer Deckung, wenn der Berufsverkehr in vollem Gang ist. Und daher steigt das Risiko für Unfälle drastisch an.

Der Zusammenprall mit einem 200-Kilogramm schweren Rothirsch oder einem 100-Kilo-Wildschwein kann für die Autoinsassen und das Tier tödlich ausgehen. Im vergangenen Jahr wurden 3000 Menschen verletzt und 27 getötet bei Wildunfällen. Besonders gefährlich seien Waldbereiche und Übergänge von Wald zu Feld, erläutert Münchhausen. „Auch entlang von Maisfeldern gilt es, langsam zu fahren. „Diese sind nämlich häufig die letzten Nahrungsquellen auf den Feldern und daher bei den Wildtieren ein sehr beliebtes Terrain. „Speziell unsere großen Säugetiere wie Rot-, Dam-, Schwarzwild und Rehe sind in der Dämmerung unterwegs“, sagt Münchhausen. Die Tiere kommen oft im Rudel daher. Kreuzt eines die Straße, gilt deshalb große Vorsicht.

Springt ein Wildtier auf die Straße, bremst man kontrolliert und blendet sein Fernlicht ab. Ist ein Aufprall nicht zu vermeiden, heißt es, Lenkrad festhalten und nicht ausweichen. „Kollisionen mit Bäumen oder mit dem Gegenverkehr enden oft tragischer als ein Zusammenprall mit einem Tier“, so Münchhausen. Hat man die Unfallstelle abgesichert und die Polizei verständigt, widmet man sich dem Wildtier. Hat es den Unfall nicht überlebt, sollte der Fahrer es an die Straßenseite ziehen.

Ist es jedoch verletzt, sollte man das Tier nicht anfassen, warnt Münchhausen. Denn das leidende Tier kann sich wehren und den Fahrer verletzen. „Sollte das verletzte Wild verschwunden sein, dann merkt man sich die Stelle, an der es zuletzt gesehen wurde. Das ist ein guter Hinweis für den Jäger und hilft ihm, das Tier zu finden und zu töten.

Tipps zum Umgang mit Igeln gibt es beim BUND Naturschutz, Tel. 51 56 76-0 oder www.bn-muenchen.de

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