+
Die kleine Rieke in Berlin ist so ein herziges Affenmädchen, dem beim öffentlichen Füttern und Windelnwechseln die Herzen der Besucher zufliegen.

Warum nicht jeder Zoo seine Affenbabys selbst großzieht

Hilfe für Affenwaisen

Die großen Augen, die wuschligen Haare, der breite Mund, der etwas schief lächelt: Menschenaffenbabys sind einfach nur niedlich und rührend. Doch nicht alle haben einen guten Start ins Leben: Viele Affenwaisen müssen von Menschen aufgezogen werden.

Es kommt immer wieder vor, dass Tiermütter kein Interesse an ihrem Nachwuchs zeigen und das Jungtier einfach achtlos liegen lassen, anstatt es nach der Geburt aufzuheben und zu säugen. Das hilflose Baby muss dann von Menschen aufgezogen werden. Die kleine Rieke in Berlin ist so ein herziges Affenmädchen, dem beim öffentlichen Füttern und Windelnwechseln die Herzen der Besucher zufliegen. Die Bedürfnisse in den ersten Monaten sind ähnlich wie die eines Menschenbabys: Spezielle Milch, viel Wärme und Körperkontakt. Dann werden die Kleinen schnell groß. Über die besonderen Anforderungen bei der Handaufzucht sprach die tz mit Beatrix Köhler, die sich als Kuratorim schon seit über 30 Jahren um den Tierbestand in Hellabrunn kümmert.

Als Tier und nicht als Mensch fühlen

Von Hand aufgezogene Tierbabys sind ja ein großer Publikumsmagnet. Trotzdem ist man als Tierpark bestimmt nicht froh, wenn eine Tiermutter ihr Neugeborenes verstößt?

Dipl.-Biologin Beatrix Köhler: Natürlich ziehen Tierkinder die Besucher an. Und manche unseriöse Tierparks haben z.B. früher Braunbärenjungen ihrer Mutter weggenommen, weil sie einfach sehr putzig aussehen, wenn sie die Milchflaschen zwischen ihren Pfoten halten und trinken. Das ist heute in wissenschaftlich geführten Zoos absolut tabu, das Wohl des Tieres steht an allererster Stelle. Und wir in Hellabrunn sind sehr froh, dass wir im Vergleich zu früher nur noch sehr selten Handaufzuchten haben. Menschenaffenkinder aufzuziehen, ist technisch ja gar nicht so schwierig. Während wir für Elefantenkinder immer noch nach der richtigen Ersatzmilch suchen, gedeihen Affenbabys mit normaler künstlicher Babymilch. Sie müssen alle zwei Stunden gefüttert werden, brauchen viel Zuwendung. Und im Aufzuchtraum gibt es sogar weniger Gefahren als inmitten der Gruppe. Dennoch sind Tierkinder am besten bei ihrer Mutter oder bei Artgenossen aufgehoben.

Warum?

Köhler: Es besteht immer die große Gefahr einer Fehlprägung. Wir vermeiden Handaufzuchten, wo es nur geht, weil immer die Möglichkeit besteht, dass das Tier später nicht weiß: „Bin ich ein Tier, bin ich ein Mensch?“ In der Jungtierentwicklung spielen unheimlich viele Faktoren eine Rolle und letztlich will man erreichen, dass das Tier später in eine Gruppe mit Artgenossen integriert werden kann und sich als Sexualpartner einen Artgenossen und keinen Menschen vorstellt. Daher versucht man heute, dass Tierkinder möglichst früh Kontakt zu Artgenossen bekommen, damit sie die Sprache und das gesamte Verhaltensrepertoire kennenlernen und verstehen. Bei Menschenaffen zieht auch nicht mehr jeder Zoo seine Tierkinder selbst auf, sondern es wurden Zentren eingerichtet. Die Wilhelma in Stuttgart ist ein Zentren für Gorillababys, in England gibt es ein Zentrum für Orang-Utan-Waisen. Dorthin wird ja das Berliner Orang-Baby Rieke auch hingehen, einfach weil es dort Artgenossen im ähnlichen Alter gibt.

Wäre ein Fall wie Knut heute nicht mehr möglich?

Köhler: Die Eisbärin Flocke ist ein Beispiel für eine gelungene Handaufzucht im Nürnberger Tierpark. Hier wurde eine Fehlprägung vermieden. Flocke wurde relativ bald mit einem gleichaltrigen Artgenossen vergesellschaftet, mit dem jungen Eisbären Rasputin aus Russland. Die beiden sind dann auch gemeinsam in einen Zoo nach Frankreich gekommen, und dort zieht Flocke jetzt ihr erstes Jungtier auf. Das ist eine tolle Nachricht und natürlich gewinnt man aus so einer Aufzucht auch wertvolle Erfahrungen, aus denen andere Zoos lernen können.

Stark bedroht

In freier Wildbahn leben nur noch etwa 6000 Orang Utans auf Sumatra und geschätzte 45000 bis 60000 Tiere auf Borneo. Von Einheimischen werden die Primaten, deren Erbgut zu 97 % mit dem des Menschen übereinstimmt, Waldmenschen genannt. In 217 Zoos weltweit gibt es 987 Orang Utans.

Typisch Tier: Orang Utan

In freier Natur sind Orang Utans eher Einzelgänger, die Männchen streifen meist allein durch den Dschungel, die Weibchen leben mit einem oder zweien ihrer Kinder zusammen.

Weibchen bekommen meist im Alter von zwölf oder 14 Jahren zum ersten Mal Nachwuchs, den sie viele Jahre umsorgen. Sie werden nur alle sechs bis sieben Jahre wieder trächtig.

Für eine wissenschaftliche Sensation sorgte nun Tilda (Foto: Kölner Zoo) aus dem Kölner Zoo. Die 52-jährige Affendame hat gelernt wie Menschen zu pfeifen und sie formt Laute, die wie Konsonanten und Vokale klingen. Damit weckt sie die Aufmerksamkeit ihrer Pfleger und erbettelt sich Leckerbissen.

tz

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Verhaltensstörung bei Papageien: Das können Halter tun
Papageien sind außergewöhnliche Haustiere, insbesondere weil sie sprechen können. Leider neigen die Vögel zu Verhaltensauffälligkeiten. Doch diesen kann man durch die …
Verhaltensstörung bei Papageien: Das können Halter tun
Ältere Pferde muss man manchmal von der Herde trennen
Ändert sich bei Pferden die Rangordnung, kann es schnell zur Unruhe in der Herde kommen. Manchmal ist es daher notwenidg, ältere Tiere zu isolieren.
Ältere Pferde muss man manchmal von der Herde trennen
Hunde nur alle zwei Wochen waschen
Auch wenn es das Fell angenehmer riechen lässt, sollten Halter ihre Hunde nicht zu häufig mit Shampoo waschen. Dies kann beim Tier zu Hautproblemen führen.
Hunde nur alle zwei Wochen waschen
Schiefer Kopf und Augenzucken beim Hund - was tun?
Ältere Hunde können eine Art "Schlaganfall" bekommen. Doch nur die Symptome für das Vestibular-Syndrom ähneln denen eines Schlaganfalls. Hundebesitzer sollten das Tier …
Schiefer Kopf und Augenzucken beim Hund - was tun?

Kommentare