Sally war schon totkrank, als sie gerettet wurde

Hunde aus dem Ausland sind oft mit Krankheiten infiziert

Sally - gerettet, um zu sterben

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München - Das skrupellose Geschäft der Welpenmafia mit meist schwer kranken oder verhaltensgestörten Babyhunden hat sich langsam herumgesprochen. Weniger bekannt ist, dass selbst ernannte Tierschützer häufig todkranke Hunde aus dem Ausland vermitteln.

Der tz-Leser Leonhard Bär war durch das Foto in einer Anzeige einer angeblichen Tierfreundin auf eine junge Hündin aufmerksam geworden. Der 77-Jährige und seine Frau gewannen Sally, einen Jagdhundmischling sehr lieb, aber weder ihre Zuneigung noch alle ärztliche Kunst konnten das schwer kranke Tier retten. Die Lehre, die Leonard Bär, daraus zieht: "Ich warne davor, einen geretteten Hund aus dem Ausland zu übernehmen."

Die Geschichte:

Die letzten Tage verbrachte der Münchner Leonard Bär mit seiner Hündin Sally auf dem Sofa – das Tier war nur noch Haut und Knochen. Bär: "Sie tat mir einfach so leid." Die Hündin war zwar erst knapp zwei Jahre alt, aber weder der Tierarzt noch die Spezialisten in der Tierklinik hatten dem Ehepaar Bär Hoffnung gemacht: Sally litt unter der schlimmen Form der Infektionskrankheit Leishmaniose, die die inneren Organe befällt. Leonhard Bär ließ sie schließlich einschläfern. Seine Stimme zittert ein bisschen, wenn er davon erzählt. Es war das traurige Ende eines langen Kampfes um die Gesundheit und das Leben des jungen Hundes, der von wohlmeinenden Tierschützern von Korsika nach Deutschland gebracht, aber nie richtig untersucht und daher erst viel zu spät behandelt worden war. 80 bis 90 Prozent aller Hunde aus dem Mittelmeerraum sind mit dem Erreger infiziert, der von Sandmücken übertragen wird. 

Der frühere Kaufmann hatte lange nach einem Hund gesucht. Im Tierhheim war er zwar fündig geworden und hatte auch die entsprechenden Hausbesuche und den Fragebogentest erfolgreich bestanden, aber kurz vor der Übergabe erfuhr er, dass sein Wunschhund mit der Leishmaniose infiziert war. Bär: "Für uns war das alles neu. Wir haben uns über die Krankheit informiert und dann abgelehnt." Diese emotionale Belastung einer ständigen Sorge um das Tierwollten sie nicht auf sich nehmen. Eine andere Tierschützerin kam mit Streunerhunden aus Griechenland zu ihnen nach Hause, sie gab sogar zu, Hunde in der Handtasche nach Deutschland geschmuggelt zu haben. Sie konnte – Bär hat das nicht mehr verwundert – weder einen Gesundheitscheck noch einen Impfpass vorweisen. 

Zwei Jahre dauerte die Suche. Bei der Hündin Sally dann schien im Herbst 2013 alles zu stimmen. Es war praktisch Liebe auf den ersten Blick: Die etwa eineinhalb Jahre alte Hündin war zutraulich und verschmust. Das Treffen fand im Garten einer großen Villa in Grünwald statt. Dort lebte die Frau, die die Tiere vermittelte. Sie hatte vier Hunde zur Auswahl aus Niederbayern kommen lassen, wo die Tiere bis zur Vermittlung untergebracht sind. Ein EU-Heimtierpass lag vor, ebenso eine Gesundheitsbescheinigung. Geld wollte die Frau nicht annehmen: Sie habe ja nur aus Tierliebe gehandelt. Sally hatte nur etwa drei unbeschwerte Monate in ihrem neuen Heim, dann geriet sie in eine harmlose Rauferei mit einem Nachbarshund. Sie wurde zwar nicht richtig verletzt, dennoch wurde sie immer apathischer, schien Schmerzen zu haben. 

Eine umfangreiche Untersuchung in einer Tierklinik ergab schließlich eine niederschmetternde Diagnose: Sally war mit der Leishmaniose und zusätzlich mit Herzwürmern infiziert. Es wurde sofort mit einer Behandlung begonnen. Gleichzeitig informierte das Ehepaar die Vermittlerin in Grünwald, die jedoch selbst, als sie die schriftlichen Tierarztdiagnosen sah, weiterhin behauptete, der vermittelte Hund sei kerngesund. Zur Beruhigung schickte sie sogar eine Tierheilpraktikerin zum Hausbesuch vorbei, diese konnte dem schwach gewordenen Tier jedoch auch nicht mehr helfen. Bär: "In der Tierklinik sagten sie mir: Die Herzwürmer sind jetzt weg, aber die Leishmaniose ist voll ausgebrochen. Die Nieren und die Bauchspeicheldrüse waren zerstört. Es gab keine Hoffnung." 

Nach Androhung von juristischen Schritten erstattete die Tiervermittlung einen Teil der Tierarztkosten, die insgesamt weit mehr als 1000 Euro betragen haben. Bär: "In letzter Zeit hat sie keine Anzeigen mehr geschaltet." Im Stillen hofft er vielleicht, dass sie ihr mieses Spiel mit der Not der Tiere beenden musste. Sally wurde beerdigt, das Ehepaar Bär hat jetzt einen neuen Hund: Benni stammt von einem Bauernhof in der Nähe von Wolfratshausen. Bär: "Wenn ich seine Lebensfreude sehe und erlebe, wie viel Spaß Benni am Leben und beim Spielen mit anderen Hunden hat, dann merke ich erst, wie krank Sally war und wie sehr sie gelitten hat."

Leishmaniose

Hunde am Strand in Griechenland: Nicht nur, dass die Tiere täglich ums Überleben kämpfen müssen, viele werden auch von Sandmücken mit Leishmaniose infiziert.

Die tödlichen Parasiten Leishmanien werden mit jedem Stich einer infizierten Sandmücke übertragen. Die Krankheit kann schon nach einem Monat ausbrechen, oder für immer im Körper schlummern. Die Infektionsgefahr ist besonders in den Mittelmeerländern deutlich erhöht. Hundebesitzern, die ihre Tiere mit auf Reisen nehmen, wird eine Impfung gegen Leishmaniose empfohlen, die aber nicht 100-prozentig schützt. Auch Menschen können sich mit dem Erreger anstecken.

So können Sie helfen

Es gibt viele gute Gründe, Hunde nicht nach Deutschland zu bringen, sondern eher vor Ort den Streunern zu helfen. Es gibt viele Tierschützer und Organisationen, denen das Wohl der Streuner am Herzen liegt. Die Hunde werden kastriert, medizinisch versorgt und regelmäßig mit gutem Futter versorgt. Wer solche Organisationen mit Geld- oder Futterspenden unterstützt, tut viel dafür, dass die Straßenhunde im Süden Europas ein besseres Leben haben.

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