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Sylvia Walter (55) alarmierte die Polizei, nachdem ihr der Husky angeboten worden war.

"Mir kam die Sache komisch vor"

Sie stoppte Welpen-Handel auf Tierheim-Parkplatz

München - Ein Mann aus Dubai hat doch tatsächlich versucht, einen Husky-Welpen auf dem Tierheim-Parkplatz zu verkaufen. Sylvia Walter (55) bemerkte den Vorfall und alarmierte die Polizei.

Sie sind auf der Suche, diese zwei kleinen Hundeaugen – das linke hellblaue und das rechte dunkelbraune. Sie suchen die Mama. Denn: Dieser kleine Husky ist grad mal acht Wochen alt. Zu früh, um von der Mutter getrennt zu werden. Geschehen ist es trotzdem: Eine Frau, wohl aus Rumänien, verkaufte den Kleinen auf offener Straße mitten in München. Eine wirre Geschichte führte den Welpen dann ins Tierheim in Riem. Dort sitzt er jetzt in der Quarantäne-Station.

Judith Brettmeister, Sprecherin des Tierschutzvereins, sagt: „Das sieht sehr nach Welpenmafia aus. Viel zu junge und ungeimpfte Hunde werden von gewissenlosen Menschen verkauft. Da geht es nur ums Geld.“

In diesem Fall um 800 Euro. Für diese Summe soll der Husky den Besitzer gewechselt haben. Ein junger Mann aus Dubai hatte den Hund in Nymphenburg auf der Straße von einer Rumänin gekauft – so seine eigene Darstellung. Als er allerdings später mit dem Welpen heim nach Dubai fliegen wollte, gab’s Probleme. Brettmeister: „Er durfte mit dem Hund nicht ausreisen. Dafür hätte das Tier unter anderem eine Tollwut-Impfung gebraucht.“ Das ist bei einem so jungen Hund aber gar nicht möglich – diese Impfung machen Tierärzte erst ab der zwölften Woche.

Was tun? Der junge Mann kam auf eine erstaunliche Idee: Er fuhr am Mittwoch mit seiner schwarzen Limousine zum Tierheim und versuchte, den Hund auf dem Parkplatz direkt vor dem Haus zu verkaufen. Sind ja schließlich viele tierliebe Leute hier …

Aber: Die Leute sind nicht nur tierlieb, sondern auch aufmerksam. So wie Sylvia Walter (55). Sie war an diesem Tag im Tierheim, wollte sich nach einem Hund umsehen. Sie sagt: „Der Mann wollte mir den Hund verkaufen. Mir kam die Sache komisch vor – der Welpe war doch viel zu jung.“ Sylvia Walter gab vor, den Hund kaufen zu wollen. Allerdings müsse sie erst noch mit ihrem Mann telefonieren. Den jungen Verkäufer bat sie, in der Zwischenzeit einen Kaffee zu trinken. Der willigte ein – und Sylvia Walter telefonierte. Allerdings nicht mit ihrem Mann, sondern mit der Polizei. Die Beamten waren schnell da, nahmen die Personalien des Mannes auf. Und jetzt gilt: Der Hund darf erst mal nicht verkauft werden, er bleibt im Tierheim. Brettmeister: „Jetzt überwacht das Veterinäramt die Sache.“ Wenn der Kleine zwölf Wochen alt ist, wird er geimpft, dann folgt eine dreiwöchige Wartefrist. Danach könnte der junge Mann aus Dubai den Hund möglicherweise zurückbekommen. Falls er das Geld für Unterbringung und Impfung zahlt – dafür werden wohl rund 1500 Euro fällig.

Judith Brettmeister schüttelt den Kopf: „Mal abgesehen von Gesetzen, Steuer- und Zollbestimmungen, die der junge Mann offenbar nicht kannte. Wie kann jemand auf die Idee kommen, einen Husky in die Hitze von Dubai zu bringen?“ Jetzt wird der Kleine erst einmal liebevoll durch die Leute vom Tierschutzverein betreut. Einen Namen hat er auch schon. Lucky. Auf Deutsch heißt das „der Glückliche“.

Uli Heichele

„Die Tiere sind oft krank“ - tz-Interview mit Dr. Renate Jones, Tiermedizinerin

Die Masche der Welpen-Mafia – immer häufiger werden kleine Hunde an Rastplätzen oder vor Geschäften zum Kauf angeboten. Die tz sprach mit der Münchner Tiermedizinerin Dr. Renate Jones über den fiesen Handel mit den Tieren:

Frau Dr. Jones, jetzt vor Weihnachten wird so mancher einen dieser angebotenen Welpen kaufen. Als Spontan-Geschenk sozusagen…

Jones: Ja, leider. Fakt ist, dass diese Tiere nie geimpft sind, fast immer Würmer haben und teils noch unter anderen Krankheiten leiden. Also Finger weg. Wer hier Geld sparen will, gibt es später beim Tierarzt für Behandlungen aus. Zudem sind die Welpen auch oft psychisch angeschlagen.

Das heißt genau?

Jones: Sie können unter anderem aggressiv sein oder völlig verschüchtert, weil sie nie gelernt haben mit Angst umzugehen. Die ersten 14 Wochen eines Hundes sind bei der Entwicklung sehr wichtig.

Was sollte man beachten, wenn man sich einen Hund anschaffen will.

Jones: Bei Rassehunden sollte man einen seriösen Züchter aufsuchen. Und ich sollte mir überlegen, ob ich Zeit für das Tier habe. Das ist das wichtigste: Zeit. Kann ich mit dem Hund mehrmals täglich raus? Wenn ja, dann fühlt er sich auch in einer Wohnung ohne Garten wohl. Noch was: Nie mit den Kindern zum Hundekauf oder ins Tierheim gehen. Dann entscheidet nur das Herz, nicht die Vernunft.

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