Fonds für bessere Nutztierhaltung aufgelegt

Initiative: Mehr Platz für Schweine

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München - Immer mehr Menschen interessieren sich für die Haltungsbedingungen, doch nicht jeder kann sich das Bio-Fleisch leisten. Die Initiative Tierwohl will jetzt Abhilfe schaffen.

Fast jeder Verbraucher kennt das Dilemma: Im Fleischregal des Supermarkts gibt es die günstigen Schnitzel aus konventioneller Haltung von der Hausmarke und die mindestens doppelt so teure Bio-Variante. Immer mehr Menschen interessieren sich für die Haltungsbedingungen, doch nicht jeder kann sich das Bio-Fleisch leisten. Die Initiative Tierwohl will jetzt Abhilfe schaffen – die tz erklärt, wie das gehen soll:

Wer steckt hinter der Initiative Tierwohl? Ein Bündnis aus Landwirtschaft, Fleischwirtschaft und Lebensmit-teleinzelhandel. Unter anderem sind die Supermarktketten Aldi, Edeka/Netto, Lidl/Kaufland, Rewe/Penny und Kaiser’s Tengelmann mit von der Partie. Sie stehen für etwa 80 Prozent des Umsatzes im deutschen Lebensmitteleinzelhandel.

Wie sollen die Haltungsbedingungen für Schweine und Geflügel verbessert werden? Im Zentrum steht ein Fonds, in den die Supermärkte einzahlen wollen. Der Plan: Pro verkauftem Kilo Schweinefleisch zahlen die Supermärkte vier Cent ein. In den kommenden drei Jahren sollen so rund 255 Millionen Euro bereitgestellt werden, kündigte die Initiative Tierwohl gestern an.

Was müssen die Landwirte tun, um das Geld zu kassieren? Sie müssen bei der Haltung der Tiere die gesetzlichen Vorschriften übertreffen. Wer also künftig mehr Platz bietet als gesetzlich vorgeschrieben, kann Gelder aus dem Fonds beantragen. Für zehn Prozent mehr Platz im Stall soll es später 2,80 Euro zusätzlich pro Schlachtschwein geben.

Welche weiteren Veränderungen sind möglich? Das liegt weitgehend in der Hand der Bauern. Er kann sich bei Schweinen zum Beispiel verpflichten, Auslauf für die Tiere zu schaffen, sie zusätzlich mit Heu zu füttern oder Haltebuchten in Liege-, Spiel- und Fressbereiche aufzuteilen, berichtete Johannes Röring für den Deutschen Bauernverband. Puten könnten die Schnabelspitzen nicht mehr mit einem heißen Messer, sondern schmerzfreier per Infrarot-Technik gestutzt werden, ergänzte Leo Graf Drechsel für den Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft.

Warum jetzt diese Idee? Die Initiative bemerkt ein Umdenken der Gesellschaft beim Fleischverzehr. So fänden inzwischen rund 60 Prozent der Verbraucher eine artgerechte Tierhaltung wichtig, berichtet Alexander Hinrichs, Geschäftsführer der Initiative Tierwohl. Allerdings wollten nur 30 Prozent auch deutlich mehr Geld dafür ausgeben. Der Biobereich liege beim Konsum bei weniger als einem Prozent. Der neue Fonds ziele deshalb auf die Breite der Fleischerzeugung – und nicht auf Nischen.

Wie viele Landwirte werden mitmachen? Das ist noch unklar. Zwar meldet die Initiative ein großes Interesse, Anmeldungen sind aber erst im April möglich. Theoretisch könnten mit den 85 Millionen Euro im Fonds die Haltung für acht Millionen Schweine, 300 Millionen Hähnchen und 15 Millionen Puten verbessert werden.

Was sagen die Tierschützer? Der Deutsche Tierschutzbund wertete den Ansatz der Initiative als gut. Die Umsetzung der Idee sei jedoch noch mangelhaft. Bei Geflügel lägen die Standards aus Sicht von Tierschützern zum Beispiel zu niedrig – und die Summen für teilnehmende Landwirte seien gedeckelt. Weitere Kritik: Die Verstümmelung von Schweinen (Schwänze) und Geflügel (Schnäbel) bleibe weiter erlaubt.

Mk.

Rubriklistenbild: © dpa

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