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Moritz Gärth und sein Fischerkollege Andreas Fritz setzen die Mini-Fische in einem Stadtbach aus. Dort sollen sie wachsen, um später in die Isar zu wandern. In den Stadtbächen haben die Fische weniger natürliche Feinde, weil Kormoran und Gänsesäger lieber in der goßen Isar jagen.

Arterhaltung

Isarfischer züchten ihre Forellen jetzt selbst

Sie angeln nicht nur Fische raus, sie setzen auch wieder Fische ein. Mit einer eigenen Zucht versuchen die Münchner Isarfischer seit Neuestem, den Münchner Fluss und die angrenzenden Stadtbäche mit heimischen Arten zu besiedeln.

Im Bruthauskasten der Isarfischer fischt Moritz Gärth die kleinen Fische raus und setzt sie in einen Transportbottich.

Im Keller der Krämer-Mühle in Untergiesing hat der Verein seine Aufzuchtbecken aufgestellt. In den langen Rinnen, die mit Wasser aus dem angrenzenden Auer Mühlbach gespeist werden, wimmeln tausende von kleinen Fischlein herum. Becken und Fischchen werden von den Ehrenamtlichen täglich kontrolliert. Stimmt die Wassertemperatur, wo gibt es einen Pilzbefall, haben sie genug Futter? Es ist ein arbeitsintensives, aber wichtiges Projekt. Denn es dient der Arterhaltung. Ohne die Besatzmaßnahmen des Vereins hätte die Isar nämlich einen zu geringen Fischbestand, erklärt Klaus Betlejewski vom Vorstand der Isarfischer. Und dies nicht etwa, weil zu viel geangelt wird. Die Erlaubnis für das Fischen in der Isar ist sehr begrenzt. Wer eine Karte hat, „darf im Jahr nur 20 Fische fangen und das tun die Wenigsten“.

Bachforellen sind heute noch gut in der Isar zu finden sind. Traditionelle Arten wie Äsche und Nase gibt es dagegen kaum noch.

Es gibt viele andere Faktoren, die die Fische und ihren Lebensraum bedrohen: Wasserkraftgewinnung, Begradigung, Verschlammung und Versalzung bis hin zu natürlichen Feinden wie Kormoran und Gänsesäger. Von den über 20 Fischarten der Isar sind mittlerweile viele in ihrer Existenz bedroht. Die Äsche hat der Kormoran auf dem Gewissen, sagt Betlejewski. 1,5 Kilo frisst der Vogel täglich, im Winter fällt er in Schwärmen an der Mittleren Isar ein. Für die Angler hingegen ist die Äsche tabu. Sie ist ganzjährig geschützt. Ebenso die Nase. „Die Nase war vor 100 Jahren mal der Münchner Steckerlfisch, jetzt ist sie fast ausgestorben.“ Für die Isarfischer bleiben nur Bach- und Regenbogenforelle.

Die Fische finden einfach kaum geeignete Laichplätze in der Isar, verdeutlicht Betlejewski. Der Fluss sei so eingetieft, dass die Tiere schon seit Jahrzehnten nicht mehr zum Laichen in die angrenzenden Stadtbäche aufsteigen können. „Früher hatte die Isar einfach mehr Wasserstrecke und Verästelungen, wo die Fische etliche Bereiche zur Fortpflanzung hatten.“ Wenn die Fische in der Isar immer weniger werden, haben auch andere Tierarten und die gesamte Natur ein Problem.

„All unsere Mitglieder sind auch Naturschützer“, sagt das Isarfischer-Vorstandsmitglied. Deshalb hat ein engagiertes Team im Verein unter der Leitung von Gewässerwart Moritz Gärth in diesem Jahr mit einer eigenen Fischzucht begonnen. Damit will man nun die Isar-Nebenbäche in München wieder besiedeln. Die sind hervorragend zur Aufzucht geeignet. Zum einen darf in den Stadtbächen wie dem Westermühlbach, dem Siebenbrunner Bach oder dem Bächen im Englischen Garten nicht geangelt werden. Zum anderen geht der Kormoran überwiegend in die große Isar. „Wir wollen den ja nicht anlocken oder durchfüttern.“ Sind die Fische dann größer, sollen sie aus den Bächen in die Isar einwandern. Trotzdem sind sie dazwischen vielfältigen Gefahren ausgesetzt – durch Vögel oder andere Fische, wie zum Beispiel die Hechte im Englischen Garten. „Wenn von den 10 000 Winzlingen mal 100 so groß werden, dass sie ein Kilo wiegen, haben wir Glück“, meint Klaus Betlejewski. Der Verein hofft, bei der Bachauskehr 2017 eventuell 800 Fische zurückfangen zu können. Die würde man dann in die Isar umsetzen. Durchaus ein Gewinn für die Arterhaltung in der Isar.

von Carmen Ick-Dietl

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