Katalonien: Madrid will Regionalregierung absetzen

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Wolfswelpen in Brandenburg.

Luchse, Wölfe, Greifvögel

Die Jagd auf geschützte Tiere

Was kaum jemand weiß: Jedes Jahr verschwinden viele geschützte Tiere, sie werden heimlich gejagt. Die Täter werden kaum je entdeckt.

Wölfe, Luchse und Bären waren so viele Jahrzehnte aus Deutschland verschwunden, dass viele Menschen sie eher als exotische, denn als natürliche Bewohner unserer Wälder ansehen.

Und so sehr sich Biologen, Tierschützer und viele Naturfreunde freuen, wenn Luchse und Wölfe nach und nach zurückkommen, und einzelne Bären freudig begrüßt werden, so gibt es auch viele Skeptiker, die in den Raubtieren eine Gefahr für Tiere in der Landwirtschaft oder den Tourismus sehen.

Der Luchs

Etwa ein Dutzend Luchse lebt mittlerweile wieder im Nationalpark Bayerischer Wald. Platz wäre dort jedoch für etwa 20 bis 25 Tiere. Und Nachwuchs gäbe es auch in jedem Jahr genug. Dennoch haben sich keine weiteren Jungtiere angesiedelt. Der Grund dafür ist nicht bekannt. Aber Sybille Wölfl, die Leiterin des Luchsprojekts Bayern sprach schon vom Bermudadreieck für Luchse rund um den großen Arber. Nur selten wird ein Kadaver gefunden, die meisten Tiere verschwinden einfach. In Tschechien meldet man seit der Wiederansiedlung 62 abgeschossene Tiere. Für Aufregung sorgte Mitte Mai der Fund von vier abgesägten Vorderläufen, die in der Nähe einer Wildkamera deponiert worden waren. Die Polizei Kötzting weiß noch nicht, wie viele und welche Jungtiere ermordet wurden. Im Frühjahr 2012 hatte ein Unbekannter die Luchsin Tessa vergiftet, das Tier trug zu Forschungszwecken einen Sender. Ein Jahr später erschoss ein Wilderer ein trächtiges Tier. Der Täter deponierte den Kadaver so, dass Wanderer ihn entdecken mussen. Der Kreis der möglichen Täter gilt als groß.

Jäger versichern glaubhaft, sie hätten sich mit den scheuen Konkurrenten arrangiert. Als wahrscheinlicher gilt eher, dass vom Nationalpark genervte Anwohner, den Umweltschützern einen Denkzettel verpassen wollen: Viele fürchten wegen einer Luchsschutzzone in einem beliebten Klettergebiet um Einnahmen aus dem Tourismus, anderen kämpfen mit dem Borkenkäfer, der im Naturpark nicht bekämpft wird.

Der Wolf

In Bayern sorgten in diesem Frühjahr drei Wolfssichtungen für Aufregung. Im Norden und Osten Deutschlands ist man an den großen Räuber eher gewöhnt: Nach neuestem Stand leben dort 40 Rudel mit insgesamt 90 Welpen. Aber dort, wo viele Tiere leben, machen Tierschützer immer die gleichen grausigen Funde: Sie finden erschossene oder vergiftete Tiere. Einige Wölfe wurden sogar enthauptet, dann waren vermutlich Trophäenjäger unterwegs, die sich den Kopf präparieren lassen. Auch hier werden selten Täter gefunden. In Bayern ist der Wolf bisher kein Ziel von Wilderern geworden: Die bisherigen Exemplare waren nur auf der Durchreise. Eher sterben die Tiere, weil sie beim Überqueren der Straße vom Auto überfahren werden.

Der Greifvogel

Der Habicht ist der Vogel des Jahres 2015 – ein Grund für die Wahl war, dass der Raubvogel immer noch ein sehr beliebtes Ziel von Wilderern ist. Raubvögel gehören in Deutschland zu den geschützten Tieren, denen am Intensivsten nachgestellt wird. Das Komitee gegen Vogelmord spricht von Tausenden Vögeln, die jedes Jahr sterben. Täter seien häufig Taubenzüchter, die ihre Tiere vor Angriffen schützen möchten. Auch bei Fasanen- und Hasenzüchtern ist der gefiederte Räuber sehr unbeliebt. „Illegal abgeschossene, vergiftete oder gefangene Habichte sind nach wie vor trauriger Alltag, so NABU-Sprecher Helmut Opitz. Genaue Zahlen gibt es leider nicht, viele Tiere verschwinden eben einfach.

Täter werden so gut wie nie gefasst. So ist auch bis heute z. B. nicht bekannt, wer in Schleswig Holstein gezielt den Nestbaum eines Seeadlerpaares gefällt und die Eier zerstört hat. Die bayerischen Behörden haben jedoch die Hoffnung, denjenigen dingfest zu machen, der im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen die Brut der extrem seltenen Sumpfohreule zerstört hat. Der Vogel gilt in Bayern als ausgestorben. Das Gelege im Donaumoos war für Tierschützer daher eine kleine Sensation, bis es bei einem illegal gelegten Flächenbrand von den Flammen vernichtet wurde.

Soko gegen Wilderer gefordert

„Illegale Abschüsse von bedrohten Tierarten sind ein Verbrechen und kein Kavaliersdelikt“, sagt Dr. Janosch Arnold, Wildbiologe beim WWF Deutschland. Doch trotz hoher ausgesetzter Belohnungen werden die Täter nur sehr selten dingfest gemacht. Im Fall der vier abgeschnittenen Vorderbeine von Luchsen setzte das bayerische Umweltministerium eine Belohnung von 10 000 Euro aus. Dass es keine Hinweise auf den Täter gibt, liegt auch daran, dass die Spuren am Auffindeort der Kadaverteile erst nach mehreren Tagen gesichert wurden. „Die Schuld ist aber in erster Linie nicht bei der Polizei zu suchen“, betonte der Vorsitzende des Landesbunds für Vogelschutz (LBV), Dr. Norbert Schäffer, „sondern bei den Verantwortlichen in der Politik.“

Der LBV, der WWF und der Bund Naturschutz forderten daher wiederholt dazu auf, endlich eine Spezialeinheit Umweltkriminalität zu etablieren, eine Art übergeordnete Sonderkommission mit speziell geschulten Experten. Das hätte den Vorteil, dass sich nicht immer wieder einzelne mit dem Verbrechen konfrontierte Polizisten mühsam in fremde Themen einarbeiten müssen. Erfahrungen von Anti- Wilderer-Einheiten, z. B. in Andalusien oder auch in Nordrhein-Westfalen, zeigen, dass die ersten Tage entscheidend sind: Nur mit einer professionellen Spurensicherung am Tatort gibt es eine Chance, die Tierquäler zu erwischen.

Einem festen Ablaufprotokoll folgend wird dort der Tatort von Experten genau untersucht und das Beweismaterial, wie z. B. menschliche DNA, gesichert. Geschieht das nicht oder wie bisher meist viel zu spät, müssen die Wilderer keine Strafe fürchten. „Es ist ein Armutszeugnis für die bayerische Justiz, dass sie sich von Straftätern an der Nase herumführen lässt, so Christian Hierneis vom BUND Naturschutz: „Eine Stabsstelle Umweltkriminalität könnte das beenden."

Von Susanne Stockmann

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