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Von Sea Sheperd dokumentiert: Drei seltene Minkwale wurden geschlachtet.

Sea Sheperd verfolgt Fangflotte

Jagd auf die Waljäger

In der Antarktis ist jetzt Sommer – das Eis schmilzt und befreit Millionen und Abermillionen kleiner Krebschen, den Krill. Von überall her wandern Wale weite Strecken für dieses Festmahl, auf das sie sich das ganze Jahr freuen.

Während sich die Wale ihre Speckschichten wieder anfuttern, tobt um sie herum ein Krieg: Walfänger gegen Walschützer. Es ist das zehnte Jahr in Folge, dass die Japaner von den Aktivisten von Sea Sheperd in die Antarktis begleitet werden.

Waren in den ersten Jahren die Störungen eher gering, so mussten die Walfänger in jedem Jahr mehr Energie und Zeit aufwenden, um sich gegen die Störmanöver zu wehren. Das erfreuliche Ergebnis: Das Leben von 4500 Walen konnte gerettet werden. Im vergangenen Jahr brach die Flotte ihre Jagd vorzeitig ab und reiste mit dem schlechtesten Fangergebnis aller Zeiten heim.

„Wir wünschen der Organisation Sea Sheperd in diesem Jahr einen ähnlichen Erfolg und den Aktivisten, die in wirklich harten Bedingungen um das Leben der Tiere kämpfen, viel Glück!“, sagt die Biologin Sandra Altherr von der Münchner Artenschutzorganisation Pro Wildlife, die sich auf Konferenzen und mit Hilfe von wissenschaftlichen Studien für den Schutz der Meeressäuger einsetzt (siehe auch unten).

Mit Hilfe von Drohnen und anderen Hightech-Geräten konnten die Sea-Sheperd-Boote die Walfangflotte, die aus einem Fabrikschiff und mehren Fangschiffen besteht, in dem riesigen Gebiet aufspüren. Die Fangschiffe töten die Tiere auf grausame Art und Weise mit Harpunen, die im Körper der Tiere explodieren. Der verendete Wal wird dann auf dem Mutterschiff in handliche Supermarkt-Portionen zerlegt und tiefgefroren. Sea Sheperd dokumentierte das blutige Schlachten und schickte nun Bilder von vier getöteten Minkwalen in die Welt. Ein Fangschiff, das in Richtung der ausstralischen Hoheitsgewässer unterwegs war, stoppte kurz vorher: Die Walschützer hatten die australische Regierung darüber informiert, die umgehend bei der japanischen Regierung interveniert hatte. Zudem hat die australische Regierung angekündigt, ihre Gebiete in der Antarktis mit einem Aufklärungsflugzeug überwachen zu lassen.

Derzeit, so meldet Sea Sheperd, könnten keine Wale gefangen werden, das Schlachtschiff und die Fangschiffe seien hunderte Kilometer weit auseinandergetrieben worden. Die Japaner dementierten dies und sagten lapidar, sie würden keine Auskünfte über den Stand ihrer Forschungstätigkeiten geben. Japan nutzt eine Ausnahme in dem 1986 beschlossenen Verbot des Walfangs, das die Jagd zu „wissenschaftlichen Zwecken“ erlaubt.

SUS

„Es ist eine Frage des Stolzes“

Wann ist endlich Schluss mit dem Walfang?

tz-Interview mit

Sandra Altherr

Biologin von Pro Wildlife

Sandra Altherr: Langfristig wird der Walfang in Japan wohl nicht überleben. Die junge Generation isst gar kein Walfleisch mehr, die Nachfrage ist allgemein sehr gering. Zudem sind Wal- und Delfinfleisch hochgiftig mit Quecksilber und anderen Schadstoffen belastet. Aber es ist eben eine Frage der Politik und auch eine Frage des Stolzes, der ja in der japanischen Kultur eine große Rolle spielt. Zudem bleibt die aktuelle Situation eher deprimierend: Island will 229 Zwergwale und 154 Finnwale pro Jahr töten. Dort wird alles versucht, um Walprodukte zu vermarkten. Ende Januar gibt es ein Festival, wo Bier mit Walknochenmehl gebraut wird. Grönland betreibt seit 2013 Piratenwalfang und hat angekündigt 221 Tiere zu erlegen. Das Land hat keine Quoten für seine Ur-Einwohner ausgehandelt. Es gab Streit, weil nicht nur für den Eigenbedarf der Ur- Einwohner gefangen wurde, sondern Walfleisch in Supermärkten und in Restaurants verkauft wurde.

Australien hat vor dem internationalen Gerichtshof in Den Haag gegen den Walfang geklagt. Wann wird mit einem Urteil gerechnet?

Altherr: Das Urteil soll im Februar verkündet werden, wir erwarten weder einen eindeutigen Schuldspruch noch einen klaren Freispruch. Wir gehen schon davon aus, dass Japan ordentlich dafür gerüffelt wird, dass sie das Schlupfloch „Töten zu Forschungszwecken“ nutzen, um im Antarktis-Schutzgebiet zu jagen.

Japan behauptet, ihnen sei dieses Schutzgebiet unbekannt. Kann das sein?

Altherr: Natürlich nicht, es gibt es seit 1994. Japan hätte die Möglichkeit gehabt, binnen 90 Tagen nach der Entscheidung, diese Schutzzone auszuweisen, Widerspruch einzulegen. Die Regierung hat darauf verzichtet, ihr wurde in einem Deal hinter den Kulissen versprochen, einen Management-Plan für ihre Jagd-Aktivitäten zu verabschieden. Das ist dann aber nie zustande gekommen.

Seit dem Verbot des kommerziellen Jagdfangs haben sich die Walbestände erholt. Stellt die Jagd überhaupt noch Bedrohung dar?

Altherr: Die Bestände erholen sich, das stimmt. Aber nur auf niedrigem Niveau, die meisten Arten sind noch sehr weit von der ursprünglichen Anzahl entfernt. Klimawandel und Verschmutzung der Meere sind natürlich für die meisten Walarten eine viel größere Gefahr als die Jagd. Dennoch muss man ganz klar feststellen, dass Industrienationen überhaupt keinen Grund haben, Wale zu jagen.

INTERVIEW: S. STOCKMANN

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