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Neugierig schaut das vier Monate alte Bürstenschwanzkänguru-Baby "Lucy" aus dem gestrickten Ersatzbeutel seiner Ersatz-Mama.

Immer mit dabei

Kängurubaby Lucy wohnt im blauen Strickbeutel

Duisburg - Egal, wohin Tierpflegerin Anna-Lena Hohmann geht, das Kängurubaby Lucy ist mit dabei. Seit dem Tod seiner Mutter wohnt das winzige Tier in einem gehäkelten Beutel unter Hohmanns T-Shirt.

Vorsichtig öffnet Anna-Lena Hohmann den selbstgehäkelten, blauen Beutel, den sie um den Hals und unter ihrem olivgrünen Polo-Shirt trägt. Heraus schauen die zwei dunklen Knopfaugen des mausgroßen Bürstenschwanzkängurus Lucy. Sie ist schon fast vier Monate alt, bringt aber nur 180 Gramm auf die Waage. „Eine Hand voll Känguru“, sagt Hohmann und grinst. Egal wohin die Tierpflegerin des Zoo Duisburg in den vergangenen Wochen geht, egal was sie macht - Lucy ist mit dabei.

Im Koalahaus des Duisburger Zoos ist Fütterungszeit. Für das Kängurubaby gibt es spezielle Milch aus Australien, und neuerdings stehen auch Pilze, Süßkartoffeln oder Möhren auf Lucys Speiseplan. Alles ist in mundgerechte Stücke zurechtgeschnitten, denn Lucy soll lernen, ihre Nahrung auch selber zwischen den Krallen zu halten, obwohl sie auf dem Schoß ihrer Pflegerin sitzt.

Vor mehr als zwei Wochen hat Hohmann das alleingelassene, verfrorene Kängurubaby im Gehege gefunden. „Ich habe sie in ein Handtuch gewickelt und auf die Heizung gesetzt, damit ihr warm wurde.“ Weil das Muttertier gestorben war, wusste die 29-jährige Pflegerin direkt, dass sie sich kümmern muss.

Seitdem richtet sich der Alltag der Pflegerin nach den Bedürfnissen ihres Schützlings: Lucy darf nicht frieren, sie muss immer den Herzschlag der Mutter hören und spüren können. Nach Feierabend kommt Lucy mit zum Einkaufen in den Supermarkt und ins Restaurant. „Nur wenn ich duschen muss, hänge ich den Beutel an die Heizung. Aber durch die Glaswand kann ich sie dann trotzdem sehen.“ Zuhause schläft Hohmann extra auf dem Sofa, damit ihr Lebensgefährte nicht wach wird, wenn die nachtaktive Lucy alle paar Stunden Hunger bekommt und die Aufmerksamkeit ihrer Ersatzmama verlangt. „Mitten in der Nacht krabbelt sie mir dann durch mein T-Shirt ins Gesicht“, erzählt Hohmann.

Wie lange Anna-Lena Hohmann das Kängurubaby noch bemuttern wird, ist nicht klar. Erst wenn Lucy alleine essen und trinken kann kommt sie zu ihren Artgenossen ins Gehege. „Ich hoffe, dass sie mich dann nicht vergisst“, sagt Hohmann. Gleichzeitig will sie, dass sich ihr Schützling gut in die Gruppe integrieren wird und dazu beiträgt, dass sich die bedrohte Art weiter fortpflanzt. Für von Hand aufgezogene Tiere, die sich an Menschen gewöhnt haben, ist das nicht immer leicht, sagt Lea Schmitz vom Deutschen Tierschutzbund. „Bei Kängurus ist diese Problematik allerdings nicht ganz so gravierend.“ Für Lucy sei die Hilfe ihrer Pflegerin eine zweite Chance.

dpa

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