+
Ein Halter lebte in einer winzigen Wohnung mit 500 Wellensittichen zusammen. Nachdem Tierschützer die Vögel befreit hatten, kamen sie in einem Tierheim unter. Foto: Carmen Jaspersen

Tierschutzbund

Krankhafte "Tierhorter" brauchen medizinische Hilfe

Immer wieder kommt es zu Fällen von "Animal Hoarding": Menschen horten krankhaft Tiere an, ohne sich richtig um sie zu kümmern. Diese Krankheit müsse besser erkannt und betreut werden, fordert der Tierschutzbund Rheinland-Pfalz. Sonst drohen immer wieder Rückfälle.

Trier (dpa) - Aus vermeintlicher Tierliebe halten sie Dutzende Hunde, Katzen, Nager oder Vögel - ohne angemessene Versorgung bis zur völligen Verwahrlosung: "Tiersammler", die unter der krankhaften Sucht leiden, Tiere zu horten.

Bis zu 20 Fälle des "Animal Hoardings" werden im Jahr allein in Rheinland-Pfalz bekannt, sagt der Landesvorsitzende des Tierschutzbundes, Andreas Lindig, in Trier. Betroffene bräuchten unbedingt medizinische Hilfe: "Wenn sie nicht betreut werden, begeben sie sich an einen anderen Ort und fangen wieder an, irgendwelche Tierarten anzusammeln."

Es sei diesen Menschen nicht bewusst, "dass sie den Tieren etwas Schlechtes tun". Auch wenn schon tote Tiere in der Wohnung lägen, begriffen sie nicht, dass sie mit der Haltung überfordert seien. In diesen Fällen komme es zur Beschlagnahmung der Tiere. Im vergangenen Sommer musste das Trierer Tierheim nach Tierhortungen innerhalb von wenigen Wochen rund 100 Tiere aufnehmen, darunter mehr als 40 Hunde. Lindig erinnert sich an eine andere Räumung in Trier vor ein paar Jahren - mit mehr als 100 Meerschweinchen darin.

Betroffene dürften nach einer Räumung durch ein Veterinäramt nicht aus dem Blick verloren werden, mahnt Lindig. Bislang fehle "da der Moment, wo die Personen an einen Arzt oder Psychologen übergeben werden, der dann auch therapiert". Dann könnte man eventuell verhindern, dass sie rückfällig würden.

Zudem müsse die Kommunikation zwischen den Veterinärämtern verbessert werden, fordert der Tierschützer. Wenn der Betroffene in ein anderes Bundesland ziehe, sei dort häufig unbekannt, dass ein Tierhalteverbot gegen ihn vorliege.

""Animal Hoarding" ist eine Krankheit, kein Hobby, keine Leidenschaft. Da kann man mit dem Wegnehmen der Tiere nichts erreichen, sondern muss dieser Person auch medizinisch helfen." Der Tierschutzbund setze sich seit längerem dafür ein, dass das Sammeln von Tieren als Krankheit erkannt werde. Solche Fälle gebe es bundesweit.

Tierschutzbund Rheinland-Pfalz

Animal Hoarding

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Pferde täglich nach Zecken absuchen
Erkranken Pferde an Borreliose, treten erst spät eindeutige Symptome auf. Da die Infektionskrankheit von Zecken übertragen wird, sollten Halter ihr Tier regelmäßig auf …
Pferde täglich nach Zecken absuchen
Kanarienvögel richtig beschäftigen
Wenn Kanarienvogel einzeln gehalten werden, sollten Halter für Beschäftigung sorgen. Die quietschgelben Vögel sind neugierig und brauchen viel Abwechslung.
Kanarienvögel richtig beschäftigen
Das schmutzige Geschäft mit Tierwelpen
Die Welpen reisen Hunderte von Kilometern, geschwächt und eingepfercht zwischen Artgenossen einem ungewissen Ziel entgegen. Wenn sie nicht schon während der Fahrt …
Das schmutzige Geschäft mit Tierwelpen
So kann man Hunde zu Hause gut beschäftigen
Spazieren gehen ist zwar auch bei schlechtem Wetter unumgänglich, doch manchmal müssen Hunde auch zu Hause beschäftigt werden. Wer es schlau anstellt, hat in seinem …
So kann man Hunde zu Hause gut beschäftigen

Kommentare