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Hoffnung für kranke Tiere: Krebstherapie bei Hunden und Katzen.

Die Chemo für Hunde

Krebs bei Haustieren – wie man auch Vierbeinern helfen kann

Für viele Halter von Hunden und Katzen ist die Krebsdiagnose des Tiers ein schwerer Schock. Doch moderne Verfahren wie das CT helfen auch ihnen.

Als Bernhard Schwarz in der Leiste seines Dobermanns einen Knoten ertastete, vermutete er nur einen Infekt. Umso größer war der Schock, als er mit dem Rüden in der Tierklinik Ismaning vorstellig wurde, nachdem die Lymphknoten des Hundes innerhalb von zwei Tagen auf Golfballgröße angeschwollen waren: Der fünf Jahre alte Piet hat einen bösartigen Lymphdrüsentumor. Das sogenannte maligne Lymphom zählt zu den häufigsten Krebsarten bei Hunden. Zwar sind meist Hundesenioren betroffen, doch leider auch immer wieder jüngere Patienten. „Die Hundebesitzer fallen meist aus allen Wolken“, erzählt Klinikchef Dr. Felix Neuerer. „Denn anfangs hat das Tier, obwohl todkrank, keine Beschwerden und steht schwanzwedelnd vor ihnen.“ So wie Piet. Unbehandelt wären dem Vierbeiner laut Statistik noch etwa vier Wochen geblieben.

Doch Bernhard Schwarz und seine Lebensgefährtin entschieden sich für eine Chemotherapie. „Bei Tumoren, die nicht operiert werden können, weil die Krebszellen über den Blutkreislauf im ganzen Körper streuen, ist sie die Therapie der Wahl“, erklärt Fachtierarzt Neuerer. Neben dem Lymphom gehören Mastzelltumoren und aufgrundseinerbeimHund extrem frühen Metastasierung auch Knochenkrebs zu solch systemischen Tumoren. Bei lokalen Karzinomen wiederum ist oft eine sofortige Operation, bei der das entartete Gewebe vollständig entfernt wird, die beste Lösung. Trotzdem rät Felix Neuerer bei einem bösartigem Gesäugetumor oder dem Hämangiosarkom, einem extrem bösartigen Milztumor, nach der Entfernung des Organs noch zu einer postoperativen Chemotherapie. „Auch diese Tumoren haben meist schon im Körper Metastasen gebildet, ohne dass wir sie nachweisen können.“

Dr. Felix Neuerer, Tierklinik Ismaning.

Wenn wie bei Piet eine (schmerzlose) Gewebepunktion den Krebsverdacht bestätigt, hängt es von der Tumorart, vom Krankheitsstadium und vom Allgemeinzustand des Hundes ab, ob die Tierklinik eine Chemo befürwortet. Bei Tieren mit Lymphom im frühen Stadium, wo zunächst nur die peripheren Lymphknoten beteiligt sind, stehen die Chancen besonders gut. „In 90 Prozent der Fälle haben wir nach zwölf Wochen Therapie eine vollständige Remission“, erklärt Felix Neuerer. Das heißt, die hochgiftigen Antikrebsmittel haben die Teilung der schnell wachsenden Turmorzellen zumindest zeitweise unterbunden, und die Lymphknoten sind wieder auf Normalgröße geschrumpft.

Anders als Menschen müssen tierische Krebspatienten die „chemische Keule“ nicht fürchten. „Die Veterinärmedizin verfolgt einen palliativen Ansatz. Das heißt, es geht nicht darum, den Tumor zu heilen, sondern darum ihn zurückzudrängen, um die Lebensqualität des Tieres zu erhalten bzw. wiederherzustellen“, erklärt die Onkologin der Tierklinik, Dr. Kathrin Geisweid. „Daher werden anders als in der Humanmedizin auch so gut wie keine Nebenwirkungen akzeptiert.“ Haarausfall, Erbrechen und Durchfall, wie man es von krebskranken Menschen kennt, kommen daher bei Hunden so gut wie nie vor. Nach neuesten wissenschaftlichen Studien spüren 60 Prozent der Tiere keine Nebenwirkungen, 30 Prozent haben milde Nebenwirkungen, und auch die sind auf wenige Tage begrenzt. „Doch das bekommen wir medikamentös meist in den Griff“, sagt Kathrin Geisweid. „Meist merken die Besitzer nur, dass ihr Hund etwas schlapp ist und weniger Appetit hat.“

„Bei einem optimalen Verlauf der Chemotherapie haben die Tiere eine mittlere Überlebenszeit von einem Jahr“, zitiert die Onkologin aktuelle Statistiken. Franco wurden elf Monate geschenkt. Auch der zehn Jahre alte Rottweiler ist in der Tierklinik Ismaning wegen eines Lymphoms behandelt worden und inzwischen leider im Hundehimmel. „Wir haben die Chemotherapie keine Sekunde bereut“, sagt Halterin Tanja Rest im Rückblick. „Franco ging es gut, und wir haben die zusätzliche Zeit mit ihm unglaublich genossen.“

Krebs bei Hunden und Katzen: Nebenwirkungen sind selten

Im Allgemeinen vertragen Hunde und Katzen Zytostatika, die alle aus der Humanmedizin stammen, sehr gut. Anders als bei Menschen gehen bei ihnen während einer Chemotherapie auch nur sehr selten die Haare aus. Die meisten Hunderassen behalten ihr normales Fell, und Katzen verlieren lediglich ihre Schnurrbarthaare. Der Grund: Nur Tierhaare, die sich wie beim Menschen ständig erneuern, fallen aus, denn die Medikamente greifen schnell wachsende Zellen an. Deshalb sind lediglich Pudel, Bobtail und Bearded Collie von Fellverlust betroffen. Doch selbst bei ihnen wird meist nur das Fell dünner, und sie müssen nicht vollkommen nackt herumlaufen. Auch Erbrechen und Durchfall kommen bei Tieren selten vor, weil die Antikrebsmittel im Vergleich zum Menschen viel niedriger dosiert werden und daher die Schleimhäute im Magen-Darm-Trakt nicht so sehr in Mitleidenschaft ziehen.

Ambulante Behandlung

Je nach Behandlungsplan kommen Patienten der Tierklinik Ismaning im Ein- bis Zweiwochenrhythmus zu Infusionen in die Sprechstunde. Dabei werden im Wechsel verschiedene Zytostatika intravenös verabreicht. Zudem muss vor jeder Therapiesitzung anhand einer Laboranalyse festgestellt werden, ob die Blutwerte des Patienten eine erneute Zytostatika-Gabe zulassen. Eine Sitzung dauert je nach Antikrebsmittel zwischen 15 und 45 Minuten. Besonders gut auf eine Chemotherapie sprechen Lymphome an, schlecht bzw. gar nicht dagegen Leber- oder Bronchialkarzinome. Zu Hause scheiden die Patienten die meisten Medikamente innerhalb von 24 Stunden stark verdünnt mit dem Urin wieder aus. Auch Exkremente wie Kot und Erbrochenes können mit den Zytostatika belastet sein, auch sie sollten nur mit Handschuhen angefasst werden. Der Kontakt des Tieres zu Schwangeren und Kleinkindern sollte in dieser Phase vermieden werden.

Rührende Bilder: Todkranker Hund auf Hochzeit seines Frauchens

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