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Der kleine Eisbär eroberte die Herzen der Berliner im Sturm.

Tierbaby wurde nur vier Monate

Das kurze Leben von Eisbär Fritz: Bestürzung und Kritik

Die Trauer im Berliner Zoo ist groß: Der kleine Eisbär Fritz wurde nur vier Monate und drei Tage alt, er starb an einem Multiorganversagen. 

„Wir tappen im Dunkeln“, sagt der Direktor des Tierparks Berlin, als er gestern vor die Öffentlichkeit tritt: „Fritz starb binnen zwölf Stunden, wir wissen nicht warum, und wir konnten nichts tun. Das war für uns alle ein furchtbares Gefühl.“ 

Auch in freier Wildbahn ist die Sterblichkeit der jungen Eisbären hoch, dennoch wirft der plötzliche Tod Fragen auf, ob die Haltung von Eisbären in Gefangenschaft sinnvoll ist. Die tz dokumentiert das kurze Leben des Eisbären Fritz und befragte die Biologin und Eisbären- Expertin Daniela Freyer von der Tierschutzorganisation Pro Wildlife.

Wir hoffen so sehr, dass er die Nacht überlebt – das sagte Andreas Knierim, der frühere Direktor des Tierparks Hellabrunn noch am Montagnachmittag. Ihm selbst war am Sonntag bei einem Spontanbesuch aufgefallen, dass das Bärenjunge ruhig und lethargisch bei seiner Mutter lag. Am nächsten Morgen wand sich der kleine Bär in Bauchschmerzen und schrie. Eine schnelle Untersuchung im benachbarten Leibniz-Zentrum ergab, dass die Leber des Tierkindes massiv entzündet und ungefähr auf doppelte Größe angeschwollen war. Die Tierärzte gaben Antibiotika und Schmerzmittel. Doch schon gegen 20 Uhr am Abend war Fritz tot. Was die Erkrankung ausgelöst hat, ist völlig mysteriös. Der Bär war mit einem Gewicht von 14 Kilogramm und einer Größe von 70 Zentimeter eigentlich aus dem kritischsten Alter heraus. Der Mutter Tonja gehe es gesundheitlich gut, so Knierim.

Fritz war zusammen mit einem Zwilling am 3. November zur Welt gekommen

Eisbärbaby Fritz rauft mit seiner Mutter Tonja in der Wurfbox.

Knierim hatte schon damals gewarnt: „Die Sterblichkeit der Jungtiere bei Eisbären liegt bei etwa 50 Prozent. In den ersten zehn Tagen ist sie besonders hoch.“ Das zweite Tierkind lebte nur kurz, aber Fritz entwickelte sich prächtig. Für die Eisbärin Tonja (7) war es zwar der erste Nachwuchs, aber sie kümmerte sich liebevoll. Sie blieb nah bei ihrem Jungen, hielt es dicht an ihren wärmenden Körper. Die ersten Wochen zog sie sich komplett zurück, sie wurde nicht einmal gefüttert, zehrte wie in freier Wildbahn auch von ihren Fettreserven. Im Januar dann die erste Trennung: Das Jungtier wurde untersucht, es ist ein männliches Tier. Bei einem Wettbewerb entscheiden sich die Berliner für Fritz als Bärennamen. In einer Woche hätte er erstmals die Wurfhöhle verlassen sollen. Warum der Bär plötzlich schwer krank wurde, sollen jetzt feingewebliche Untersuchungen auf Giftstoffe, Viren und Bakterien klären. Knierim: „Die ersten pathologischen Ergebnisse lieferten keine Krankheitsursache.“

Tierschutzbund bedauert Tod des kleinen Bären

Tierschutzbund-Präsident Thomas Schröder schickte mahnende Worte an die Tierparks: „In den letzten zehn Jahren hat nur jedes dritte Jungtier überlebt. Wie viele Eisbären müssen noch in jungen Jahren sterben, bis hier endlich eingelenkt wird?“ Die Münchner Artenschutzorganisation Pro Wildlife vertritt ebenfalls die Auffassung, dass Eisbären nicht in Zoos leben sollten.

Interview mit Daniela Freyer, Biologin von Pro Wildlife: „Zoo-Eisbären sind verhaltensgestört“

Die Zoos wollen mit der Aufzucht von Eisbären zur Erhaltung der Art beitragen. Ist das sinnvoll?

Daniela Freyer: Es heißt ja auch immer, dass die Eisbären als Botschafter für ihre wilden Artgenossen gelten. Aber erstens sieht man in Zoos nur verhaltensgestörte Eisbären. Zweitens können diese Tiere nie ausgewildert werden, weil sie das Jagen nicht lernen. Und drittens glaube ich nicht, dass jemand sein Verhalten in Bezug auf den Verbrauch von fossilen Energien ändert, also weniger heizt, weniger Auto fährt oder auf Flugreisen verzichtet – nur weil er im Zoo Eisbären gesehen hat.

Sind wirklich alle Zoo- Eisbären verhaltensgestört?

Freyer: Das ist tatsächlich so, es gibt Untersuchungen verschiedener Tierschutzorganisationen, die das zeigen. Dieses ständige Hin- und Herlaufen, das Weben oder das Hochwerfen des Kopfes – das sieht man bei allen Eisbären, die bei uns in Zoos gehalten werden.

In der Haltung hat sich jedoch einiges verbessert, viele Tierparks haben Eisbären abgegeben, weil sie sehr anspruchsvoll sind.

Freyer: Wir begrüßen es sehr, dass weniger Eisbären in Zoos gehalten werden. Aber wir denken, dass die Haltung ganz auslaufen und die Tiere auch nicht weiter gezüchtet werden sollten. Für die Zucht werden Tiere hin- und hertransportiert und neu verpaart. Wir denken, da geht es in erster Linie darum, neue Kassenmagneten zu bekommen und Besucher anzulocken. Aus Tierschutzgründen kann man nur zu dem Schluss kommen, dass eine artgerechte Haltung im Zoo nicht möglich ist. Schon wegen der klimatischen Bedingungen, aber auch weil der Platz fehlt. Eisbären sind Einzelgänger, im Zoo werden sie oft in Gruppen gehalten oder als Paare.

Typisch Tier: Infos über Eisbären

  • 1980 lebten weltweit noch 633 Eisbären in 199 Zoos, heute sind es noch 330 Bären in 133 Tierparks. In Deutschland gibt es 36 Eisbären in 14 Zoos.
  • Das Säugetiergutachten schreibt für die Gehege eine Landfläche von 400 Quadratmetern und ein Wasserbecken von 100 Quadratmetern mit zwei Metern Tiefe pro Pärchen vor.
  • Eisbären halten keinen Winterschlaf. Ein Weibchen verkriecht sich jedoch zur Geburt für drei Monate in einer Eishöhle.
  • Eisbären sind täglich mehrere Stunden unterwegs auf Jagd. Im Jahr legen sie leicht 1000 Kilometer und mehr zurück.

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