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Ein Schlachtpferd wird in Polen verladen, Ziel des Transportes: Italien. Dort werden viele Pferde geschlachtet.

Der Skandal hinter dem Fleisch-Skandal

Das Leiden der Schlachtpferde

München - Pferdefleisch ist billig – darum wird es von gewissenlosen Geschäftemachern als teureres Rindfleisch ausgegeben. Doch hinter diesem Fleisch-Skandal verbirgt sich ein weiterer Skandal:

Über 214.000 Pferde werden nach offiziellen Angaben von Eurostat jährlich in Europa getötet. 100.000 davon wurden unter schlimmsten Bedingungen über viele Stunden oder sogar Tage hinweg quer durch den Kontinent transportiert – nur um in einem Schlachthaus ausgeladen und getötet zu werden. Die tz trägt die erschütternden Fakten zusammen:

Der Großteil der Pferde wird nach Italien gekarrt, die Tiere stammen aus dem Osten Europas, wie Polen, Rumänien, Ungarn oder Litauen. Aber es gibt auch Transporter, die aus Frankreich und Spanien nach Italien unterwegs sind. Laut dem Statistik-Büro Italiens wurden im Jahr 2011 genau 50.175 lebende Pferde über die Alpen kutschiert – nur damit sie dort sterben konnten.

Jedes dritte Pferd kommt verletzt beim Schlachter an

Eine Tierschutzorganisation in Großbritannien hat vor zwei Jahren einen Transporter verfolgt. Der Laster kam an 180 Schlachthöfen vorbei, bis die total erschöpften Pferde schließlich nach mehreren Tagen endlich in Italien ausgeladen wurden. Sie wurden nochmals getränkt und dann geschlachtet. Nicht nur Tierschützer fragen: Ist diese Tortur wirklich nötig?

Für eine im Jahr 2011 veröffentlichte Studie wurden von britischen Wissenschaftlern 64 Pferdetransporte von Rumänien nach Italien inspiziert. Insgesamt wurden 1519 Tiere vor dem Verladen und nach ihrer Ankunft untersucht. Die Hälfte der Tiere war bereits aus Polen nach Rumänien gebracht worden. Insgesamt jedes dritte Pferd kam mit einer akuten Verletzung in Italien an: Sie hatten offene Wunden, bluteten an den Beinen und aus der Nase.

Nur drei Transporte erfüllten die gesetzlichen Bestimmungen

Die Tiere haben meist viel zu wenig Platz und können sich nicht ausruhen. Legt sich ein Tier erschöpft nieder, ist die Gefahr groß dass andere Pferde auf ihm herumtrampeln. Viele der Pferde sind zum Schlachten gemästet und gezüchtet worden, sie sind das Transportiertwerden überhaupt nicht gewöhnt und haben große Angst.

Bei der Ankunft am italienischen Schlachthof wirkten sehr viele der Tiere schlapp oder lahmten. Von allen untersuchten Transporten erfüllten nur drei die geltenden gesetzlichen Bestimmungen. Die Tiere wurden ausreichend mit Wasser und Futter versorgt und nach neun Stunden Fahrt wurde eine Pause von zwölf Stunden eingelegt. Die britischen Forscher empfahlen der Europäischen Union eindringlich, Pferdetransporter besser zu überwachen.

Lebensmittelskandale in Deutschland

Lebensmittelskandale in Deutschland

Tierschützer dagegen fordern, Lebendtransporte von Schlachttieren auf maximal acht Stunden zu begrenzen oder am besten nur noch zum nächstgelegenen Schlachthof zu genehmigen und dann das Fleisch der Tiere tiefgekühlt quer durch Europa zu transportieren.

Dieser absolut vernünftige Vorschlag scheitert schon seit vielen Jahren an irrwitzigen europäischen Regelungen: So gilt ein Pferd, das in Portugal geboren und dort seinen Dienst als Kutschpferd verrichtet hat, als italienisch, wenn es in Italien geschlachtet und dort verarbeitet wird. Außerdem wurden gerade im Süden des Landes mit EU-Subventionen Schlachthöfe gebaut und gefördert, die jetzt mit Dumpingpreisen arbeiten können.

SUSANNE STOCKMANN

Der Konflikt der Besitzer

Rund 55.000 Pferde von privaten Haltern, Sportlern und Landwirten sterben jedes Jahr in Deutschland. In den Equidenpass, den jedes Tier haben muss, wird schon früh eingetragen, ob das Tier einmal geschlachtet werden soll oder ob der Besitzer seinen tierischen Freund einschläfern lassen will. Bei späteren Schlachttieren dürfen nicht alle Medikamente verabreicht werden, außerdem muss über jede Behandlung akribisch Buch geführt werden. Katharina Loeck (25), auf dem Bild mit ihrem Pferd Bonnie, hat drei Pferde, die sie, sollte es einmal so weit sein, vom Tierarzt töten lassen wird: „Das ist friedlicher, als wenn das Tier im Schlachthaus nach dem Bolzenschuss zusammenkracht.“

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