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Eveline Kosenbach, hier mit einem Vermittlungshund des Tierheims

Buch über Zamperl, Katzen und Co.

Die Tier-Detektivin

München - Wenn ein tierlieber Mensch seine Mieze oder sein Zamperl vermisst, dann geht’s tief ans Herz. Hat sich das Tier verlaufen? Wurde es entführt? Überfahren? Eine Frau kann helfen: Tier-Detektivin Eveline Kosenbach.

Das weiche Fell … Die treuen Augen … Das gemütliche Schnurren … Alles weg! Wenn ein tierlieber Mensch seine Mieze oder sein Zamperl vermisst, dann geht’s tief ans Herz. Hat sich das Tier verlaufen? Wurde es entführt? Überfahren? Wenn sich jemand diese Fragen stellen muss, dann gibt’s in München eine Frau, die helfen kann: Eveline Kosenbach (57). Sie betreut die Vermisstenstelle des Tierheims in Riem. In ihrem Büro ist es fast wie bei der Polizei: An der Wand hängt ein großer Stadtplan mit vielen bunten Fähnchen – jedes davon markiert ein vermisstes Tier. Dauernd klingelt das Telefon, es geht um wichtige Hinweise und heiße Spuren. Es ist der Arbeitsplatz einer wahren Tier-Detektivin. Rund 4000 Fälle hat sie pro Jahr – und die Aufklärungsquote liegt bei über 90 Prozent! Kosenbach sagt: „Es ist sehr stressig. Man muss schnell sein, darf aber nichts übersehen. Und man muss ein Ohr für die Leute haben. Die brauchen wirklich Hilfe.“ Was das ganz konkret heißt, beschreibt Kosenbach jetzt in einem Buch (Liebling verzweifelt gesucht, dtv, 224 Seiten, 14,90 Euro). Es sind anrührende und spannende Geschichten – so wie diese hier:

Die Fernreise

Das war die weiteste Entfernung, die bisher ein Riemer Fundtier zurückgelegt hat: Katze Queensy war 850 Kilometer unterwegs, ehe sie zu Eveline Kosenbach kam. Daheim in einem Ort bei Versailles (Frankreich) war die neugierige Madame in einen Umzugswagen geklettert. Klappe zu, Katze eingesperrt – und hell wurde es erst wieder in Kirchheim! Eveline Kosenbach, zu der man Queensy brachte, startete eine Internet-Aktion, veröffentlichte ein Foto der Katze. Die ­Geschichte verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Etwa eine Woche später – Tierfreunde hatten inzwischen auch Plakate aufgehängt – meldete sich eine Frau aus Frankreich bei der Tierfahnderin. Sie hatte Queensys Familie ausfindig gemacht. Die Dame hatte sich in der Siedlung, von wo der Möbelwagen abgefahren war, durchgeklingelt. Kosenbach stellte den Kontakt her. Und schon am folgenden Tag war Herrchen in München …

Der Kater aus der S-Bahn

Nicht jeder streunende Kater ist zu Fuß unterwegs … Egon aus Unterhaching fährt lieber S-Bahn – bis in die Innenstadt und wieder zurück. Am Hauptbahnhof trifft er eine Dame, die ihm offenbar sympathisch ist. Er ­begleitet sie kurz entschlossen bis ins Büro. Die Dame, einigermaßen ratlos, ruft bei Eveline Kosenbach an. Die Tier-Detektivin weiß, was zu tun ist: Sie fragt die Dame nach einer möglichen Tätowierung des Katers. Glück gehabt! Tatsächlich ist er tätowiert. Die Initialen geben den ­Hinweis auf einen Tierarzt, Egons Hausarzt gewissermaßen. Dort ruft Kosenbach an – und der Doktor kann weiterhelfen. Er stellt den Kontakt zu Egons Frauchen her. Wenig später schnurrt er wieder auf ­ihrem Schoß (siehe Foto).

Plakataktion im Oberland

Sicher: Facebook & Co. sind eine große Hilfe bei der Tierfahndung. Aber manchmal ist es auch das klassische Fahndungsplakat, das den Erfolg bringt. So wie bei Mischlingshündin Bonny – sie war ihrem Herrchen bei einem Spaziergang in der Gegend von Bad Tölz entlaufen. Wenig später sprang sie einem Münchner in die Arme, der auf einem Ausflug war. Weil er den Besitzer nicht fand, brachte er Bonny ins Münchner Tierheim. Eveline Kosenbach aktivierte ihr Netzwerk von Tierfreunden rund um Bad Tölz, schickte ihnen per E-Mail Plakate. Ausdrucken, aufhängen – so oft wie möglich! Tatsächlich: Bonnys Herrchen sah eines der Plakate, rief bei der Tierfahnderin an und holte sein Schätzchen wenig später ab: „Sie haben mir mein Leben gerettet! Bonny und ich sind unzertrennlich.“

Tier vermisst? Die Tipps:

1. Beim Münchner Tierschutzverein anrufen und nachfragen: 921 000 22. Vermisstenmeldung per E-Mail aufgeben (mit Foto des Tiers): vermisstenstelle@tierschutzverein-muenchen.de.

2. Bei Katzen die Gegend absuchen. Rufen reicht nicht aus! Erkundigen Sie sich, welche Nachbarn im Urlaub sind – oft werden Katzen unabsichtlich in Keller oder Garagen eingesperrt.

3. Ist der Hund beim Gassigehen entwischt: Dableiben! Der Hund kommt meist bald an den Ort zurück, an dem er verlorengegangen ist.

4. Aushänge machen, zum Beispiel Plakate im nächsten Supermarkt aufhängen.

5. In Tierkliniken, bei Polizei und Feuerwehr, im Tierkrematorium und bei den Straßenmeistereien anrufen. Auch bei der Tierrettung München nachfragen (01805/84 37 73).

Uli Heichele

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