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Bitte machen Sie mein Tier gesund

LMU-Kleintierklinik: Neue Spezialsprechstunden

München - So wie wir Menschen mit Ohrenweh zum Ohrenarzt und mit Rückenproblemen zum Orthopäden gehen, so spezialisiert sich auch die Medizin für Kleintiere immer weiter.

Was für Menschen möglich ist, gibt es auch für Hund und Katze. Tierbesitzer aus München und dem Umland können ab nächstem Jahr in neu eingerichteten Sprechstunden direkt auf das Spezialwissen der Experten in der Kleintierklinik der LMU in der Innenstadt zurückgreifen. Die Klinikleiterin, Prof. Dr. Katrin Hartmann: „Natürlich bin auch ich Internistin und kenne mich in der gesamten Inneren Medizin aus. Aber mein Spezialgebiet sind die Infektionskrankheiten. Hier bin ich Expertin, während meine Oberärzte in ihren Bereichen Spezialisten sind.“ Die tz sprach mit den Medizinern über das neue Angebot und stellt Fälle aus dem Klinikalltag vor.

Wie weiß ich als Tierbesitzer, welcher Spezialist für mein Tier der Beste ist?

Prof. Katrin Hartmann: Die Besitzer können einfach bei uns anrufen (Telefonnummer: 089/21 80 26 50). Unsere Anmeldung kennt die verschiedenen Probleme und wird die Patienten den richtigen Spezialsprechstunden zuteilen. Die Besitzer können ohne Überweisung kommen, müssen sich aber einen Termin geben lassen.

Warum bieten Sie selbst eine Sprechstunde für Infektionskrankheiten an?

Prof. Katrin Hartmann:  Ich freue mich sehr darauf. Als Leiterin einer Klinik mit 120 Mitarbeitern bin ich ja sehr mit administrativen Tätigkeiten beschäftigt. Diese Sprechstunde gibt mir die Möglichkeit, ganz speziell auf dem Gebiet zu wirken, auf dem ich sehr viel Wissen und Erfahrung gesammelt habe. Gerade in der Infektiologie kommt es nicht so sehr auf Untersuchungstechniken oder Apparate an, die zur Verfügung stehen. Sehr wichtig ist es, die Ergebnisse von Tests richtig zu interpretieren. Dafür braucht man Erfahrung und entsprechendes Know-how. Oft ist es nicht einfach, die Ursache einer Infektionskrankheit zu erkennen, doch hat man das geschafft, ist die Erkrankung meist sehr gut zu behandeln.

Dr. Unterer, welche Möglichkeiten haben Sie, die ein Haustierarzt nicht hat?

Dr. Stefan Unterer: Zunächst einmal habe ich mir ein sehr spezialisiertes Wissen im Bereich der Gastroenterologie angeeignet, ich kenne mich mit den neuesten Behandlungsmöglichkeiten aus. Natürlich stehen uns Highend-Geräte zur Verfügung. Wir können mit speziellen Ultraschallsonden den Darm, die Lymphknoten und die Bauchspeicheldrüse beurteilen. In Kontrastuntersuchungen sehen wir, ob der Schluckakt funktioniert, oder wie das Futter den Magen-Darm-Trakt passiert. Eine wichtige Rolle spielt die Endoskopie: Wir haben gute Endoskope in verschiedenen Größen und Längen.

Welche Patienten erwarten Sie in der Sprechstunde?

Dr. Stefan Unterer: Ich erwarte vor allem Patienten mit chronischen Problemen, z.B. mit chronischem Durchfall, chronischem Erbrechen oder auch Tiere mit Anorexie, die sehr schlecht Futter aufnehmen. Da müssen wir dann die Grunderkrankung abklären.

Frau Dr. Wehner, welche kranken Tiere sind bei Ihnen gut aufgehoben?

Dr. Astrid Wehner: Ich habe mich auf das Gebiet der Endokrinologie, also auf Hormonstörungen, spezialisiert. Hier geht es vor allem um Störungen der Schilddrüsenfunktion, Erkrankungen der Nebenniere und um Erkrankungen des endogenen Anteils der Bauchspeicheldrüse, wie die Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus). Viele Tiere mit hormonellen Störungen sind älter. Sie leiden häufig unter gesteigertem Durst, häufigem Harnabsatz und Heißhunger. Sie können je nach zugrundeliegender Störung entweder Gewicht verlieren oder stark zunehmen. Gelegentlich sehe ich auch ganz junge Patienten, denn bei Wachstums- oder Entwicklungsstörungen liegt auch häufig ein Hormonmangel vor.

Viele kleine Wunder

Zur verantwortungsvollen Haltung eines Haustieres gehört auch, sich bei Zeiten nach Tierärzten umzusehen, denen man vertraut und die über fachliche Kompetenz verfügen. Meist geht man mit jungen Tieren nur dann zum Arzt, wenn es ums Impfen oder Entwurmen geht. Das ist eine perfekte Möglichkeit, den Tierarzt seiner Wahl kennenzulernen. Denn der Tag wird kommen, an dem es möglicherweise doch um eine sehr ernste Krankheit geht. Zu diesem Zeitpunkt ist dann ein Zusammenwirken zwischen Tierbesitzer und Tierarzt von größtem Vorteil. Inzwischen sind viele Krankheiten, die früher den sicheren Tod des Tieres bedeutet hätten oder mit einer gewissen Endgültigkeit einhergingen, mit dem Wissensstand der heutigen Medizin heilbar.

Für die mehr als 800 Hunde und Katzen, die auf Gut Aiderbichl ihr Leben lang bleiben, aber auch um die vielen anderen Tiere haben wir so etwas wie ein Netz von Ärzten aufgebaut. Wie sehr die Tiere davon profitieren, habe ich erst kürzlich wieder erfahren dürfen. Eine verzweifelte Familie brachte uns ihre beiden betagten Hündchen. Vor ihrem Haus hatte sich eine Art Rennstrecke für Autos entwickelt. Die Hunde waren es früher gewohnt, frei umherstreifen zu dürfen, und jetzt war dies viel zu gefährlich, denn Hündin Mira erblindete obendrein. Es war nur eine Frage der Zeit, bis etwas Schreckliches passieren würde. Dass Mira für immer blind ist, wollten wir nicht hinnehmen. Wir brachten sie zu dem Münchner Augenspezialisten Dr. Fritsche. Er nahm sich viel Zeit und hat uns genau erklärt, was er tun könne, dass Mira wieder sehen kann. Nach einer Operation kam die freudige Nachricht, dass ihre Blindheit völlig behoben ist. Dass es überhaupt noch eine Option gab, daran hatten die früheren Besitzer nicht gedacht. Sie haben es schlichtweg nicht gewusst.

Als ich völlig verzweifelt war, weil meine Hündin Snoopy ein Ekzem hatte, dessen Ursprung viele Rätsel aufgab, half mir die Tierklinik in Oberhaching. Snoopy litt unsäglich. Mit einer Veränderung des Futters, weg von Aromastoffen, einem Shampoo und einem Öl wurde die Hündin völlig beschwerdefrei. Es war notwendig, dass sich die behandelnde Tierärztin reichlich Zeit nahm und sich detektivisch die Vorgeschichte anhörte. Ich glaube, erst dann konnte dieser Hündin, die schon vielen Tierärzten vorgestellt worden war und immer wieder auf Parasiten behandelt wurde, nachhaltig geholfen werden.

Vor Jahrzehnten, erinnere ich mich, kam ich nachts mit meinem Hund Pirosch mit Magendrehung in die LMU. Mit unendlicher Geduld und großem Können bei der Operation hat damals die heutige Frau Prof. Hartmann ihm das Leben gerettet. Ich wünsche ihr, dass ihre öffentliche Sprechstunde von vielen genützt wird.

Diabetes-Katze geheilt

Manche Patienten von Dr. Astrid Wehner sind Intensivpatienten wie Micky, ein Kater, dem es akut sehr schlecht ging. Bei diesem Patienten wurde eine Diabetische Ketoazidose festgestellt, eine lebensbedrohliche Komplikation einer Zuckererkrankung (Diabetes mellitus). Diese kann entstehen, wenn der Diabetes unbemerkt bleibt oder nicht eingestellt werden kann. Hunde und Katzen mit dieser Komplikation bedürfen einer 24-stündigen Betreuung, damit die Blutwerte engmaschig überwacht und Infusionen, Insulin und andere Medikamente angepasst werden können. Im Fall von Micky ging es besonders glücklich aus, weil nach wenigen Monaten die Insulintherapie beendet werden konnte, denn seine Bauchspeicheldrüse hatte sich aufgrund der guten Behandlung erholt. Bei Katzen mit Diabetes mellitus kann das manchmal gelingen, so die Tierärztin Wehner.

Leberbiopsie für Diagnose

Ein fünfjähriger Labrador-Retriever war gar nicht sehr krank, aber seine Laborwerte waren seit Längerem auffällig, sodass die Besitzer auf Nummer sicher gehen wollten. Der Patient von Dr. Unterer hatte erhöhte Leber­en­zym­werte, die anzeigten, dass in dem Organ Umbau- oder Zerstörungsprozesse im Gang sind. Zunächst wurde eine Infektion und andere Erkrankungen ausgeschlossen. Dann wurde eine Leberbiopsie durchgeführt und die Gewebeproben von Spezialisten in Holland ausgewertet. Das brachte den Durchbruch: Das Tier litt an einer Kupferspeicherkrankheit, es lagerte zu viel Kupfer in die Leber ein. Das kann mit Tabletten behandelt werden, sodass der Hund gute Chancen hat, ganz gesund zu werden. Wird die Krankheit jedoch zu spät entdeckt, stirbt das Tier.

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